Unwegsame Straßen: Auf ihrem Laptop zeigt Susanne Schröder die Straße in eines der Dörfer im sierra leonischen Busch. Der Toyota Landcruiser des Driving-Doctor-Teams war in einem Wasserloch steckengeblieben. - © Foto: Anne Neul||
Unwegsame Straßen: Auf ihrem Laptop zeigt Susanne Schröder die Straße in eines der Dörfer im sierra leonischen Busch. Der Toyota Landcruiser des Driving-Doctor-Teams war in einem Wasserloch steckengeblieben. | © Foto: Anne Neul||

Kirchlengern/Freetown Hebammen aus Kanada helfen beim Driving-Doctor-Team

Sierra Leone: Zwei pensionierte Hebammen aus Kanada wollen sich im von Susanne Schröder aus Kirchlengern gegründeten Projekt ehrenamtlich engagieren

Anne Neul

Kirchlengern/Freetown. Jetzt, wo sie in Rente sind, wollen sich zwei Hebammen aus dem Süd-Westen Kanadas ehrenamtlich engagieren. Am 4. November fliegen sie für zwei Wochen nach Sierra Leone. In Zukunft wollen sie dort mehrere Wochen im Jahr angehende Hebammen unterrichten. Sie werden die von Susanne Schröder aufgebaute und vor einem Jahr eröffnete Hebammenschule besuchen. Die Schule liegt in Bo, mit 175.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Das längliche, einstöckige Gebäude mit dem blauen Dach beherbergt die dritte Hebammenschule Sierra Leones. Hebammen werden hier dringend gebraucht. "Es fehlen Hebammen und Dozenten, die Geburtshilfe unterrichten", erzählt Susanne Schröder (54). "Es ist wunderbar, dass diese beiden erfahrenen Hebammen ihr Wissen weitergeben möchten." Vor elf Jahren, als das Driving-Doctor-Team anfing, starben in Sierra Leone weltweit die meisten Babys und Mütter bei oder nach der Geburt. Heute sind es immer noch viele, aber deutlich weniger. Jedes Dorf bekommt ein Handy Die Weltbank stufte die Qualität der Geburtshilfe in Sierra Leone im Jahr 2016 weltweit als am schlechtesten ein. Es landete auf dem letzten Platz, Platz 183. Viele Frauen in den Dörfern bekommen ihre Kinder immer noch in Lehmhütten oder im Busch, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und fernab jeder medizinischen Hilfe. Um die Geburt für Mütter und Kinder sicherer zu machen, gründete Susanne Schröder zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Wilfried Wobker vor elf Jahren das Driving-Doctor-Team. Das Team aus lokalen Hebammen, Krankenpflegern und Krankenschwestern fährt in die Dörfer und behandelt Schwangere und Kinder bis fünf Jahre kostenlos. Jedes Dorf bekommt ein Handy, wenn eine Frau ihr Kind bekommt, kann sie eine Hebamme des Driving-Doctor-Teams anrufen, die kommt dann auf dem Motorrad. Inzwischen überleben in Sierra Leone wesentlich mehr Kinder: Während im Jahr 2006 noch fast jedes fünfte Kind starb, bevor es fünf Jahre alt wurde, war es im Jahr 2016 etwas mehr als jedes zehnte Kind. Familie Quandt engagiert sich in Afrika Die Hebammenschule hat Susanne Schröder im vergangenen Jahr aufgebaut, als sie ein Jahr lang als Projektreferentin für das Deutsche Medikamentenhilfswerk Action Medeor arbeitete. Schröder fand und koordinierte Projekt-Partner auf lokaler wie auf deutscher Seite und beantragte Zuschüsse. Die Schule hat 1,1 Millionen Euro gekostet und wurde am 21. Oktober 2017 eröffnet. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Action Medeor und die BMW-Familie Quandt haben sich die Kosten geteilt. Die Hebammen, die hier lernen, werden auch darin geschult, ansteckende Krankheiten wie das Lassa-Fieber und beginnende Epidemien wie Ebola zu erkennen. Die fast 4.000 Toten der letzten Ebola-Epidemie in Sierra Leone, Guinea und Liberia in den Jahren 2014 bis 2016 und der erneute Ausbruch von Ebola im Kongo vor zwei Monaten machen deutlich, wie wichtig es ist, das Virus früh zu erkennen. Während der Ebola-Epidemie vor vier Jahren ist viel medizinisches Personal gestorben, sagt Susanne Schröder. Zur Zeit lernt der erste Jahrgang Hebammenschüler die Geburtshilfe, 48 Frauen und 2 Männer. Ende Juni sind sie fertig. Einige von ihnen werden für das Driving-Doctor-Projekt arbeiten, die Schwangeren in den Dörfern im Busch untersuchen und bei der Geburt begleiten. Susanne Schröder fliegt am 4. November nach Sierra Leone, um den beiden Besucherinnen aus Kanada das Driving-Doctor-Projekt vorzustellen. Die Hebammen wollen auch mit dem medizinischen Team in die Dörfer im Busch fahren, eventuell dort sogar selbst die Schwangeren untersuchen. Wenn die Hebammen wieder nach Kanada fliegen, wird Susanne Schröder mit der Bürgermeisterin von Freetown und dem Berater des Präsidenten wegen einer Müllverbrennungsanlage sprechen, die sie in Freetown verwirklichen will. Ihr nächstes Projekt. Es wäre Sierra Leones Erste.

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