Gute Ernte: Daran konnten auch die Kartoffelkäfer nichts ändern. - © Meiko Haselhorst
Gute Ernte: Daran konnten auch die Kartoffelkäfer nichts ändern. | © Meiko Haselhorst

Kirchlengern Krabbelei und Handarbeit

Schädlingsbekämpfung: Heinz Steinmeier hat in diesem Jahr sehr viele Kartoffelkäfer in seinem Gemüsegarten. Ein Gifteinsatz kommt für ihn nicht in Frage

Meiko Haselhorst

Kirchlengern. Schon im März kamen ihm die ersten Exemplare entgegengekrabbelt. Und als die Pflänzchen gerade mal handhoch aus dem Boden lugten, entdeckte er die ersten orangeroten Larven. Da wusste Heinz Steinmeier: „In diesem Jahr wird’s viele Kartoffelkäfer geben.“ Und genauso kam es. Die Giftspritze ist für den leidenschaftlichen Hobby-Gemüsegärtner trotzdem keine Option – der 79-Jährige sammelt die Tierchen lieber zweimal täglich von Hand ein. „Die ausgewachsenen Käfer und auch die Larven“, sagt Steinmeier. Und wie viele hat er schon aufgelesen? „Bei 1.000 hab’ ich aufgehört zu zählen“, sagt er und lacht. Kartoffeln gehörten schon immer zu Heinz Steinmeiers Leben – und mit ihnen leider auch der Kartoffelkäfer. „In den letzten Kriegsjahren wurde uns immer gesagt, dass die Amerikaner über Deutschland Larven in großen Mengen abwerfen, um die deutsche Kartoffelernte zu vernichten“, erinnert sich Steinmeier. Hätte ich nicht gesammelt, wäre der komplette Acker abgefressen Heute weiß er: Das war eine Propaganda-Lüge. Es waren vielmehr die Nazis selbst, die darauf spekulierten, „Bio-Bomben“ aus Kartoffelkäfer-Larven über englischen Kartoffelfeldern abzuwerfen. Dafür wurden sogar Experimente über der Pfalz durchgeführt. Zu einem echten Einsatz über „Feindesland“ kam es aber nicht mehr. „In den Jahren nach dem Krieg bekamen wir manchmal schulfrei, wenn es darum ging, beim Bauern die Käfer und Larven von den Kartoffeln zu holen“, erinnert sich Steinmeier an die späten 40er. Viele Jahre später – als Erwachsener – hatte Steinmeier in seinem Garten in Klosterbauerschaft seine eigenen Kartoffeln. Als Rentner intensivierte er seine Gartenarbeit sogar noch. Auch in diesem Jahr ist ein großer Teil seines wirklich großen Gartens von Kartoffelpflanzen der Sorte „Belana“ bedeckt. „Damit kommen wir für gewöhnlich übers ganze Jahr“, sagt Steinmeier. Kartoffeln setzen und anhäufeln, Unkraut jäten – mit etwas Arbeit ist das Ganze schon verbunden. Und in diesem Jahr kamen noch die ungeliebten Käfer dazu. „Hätte ich nicht jeden Tag gesammelt, wäre der Acker komplett abgefressen“, glaubt Steinmeier. „Die vermehren sich wie doll und verrückt.“ „Die enden alle unter meinem Birkenstock-Schlappen" Weil er so fleißig war, kann er sich in diesem Jahr über eine besonders gute Ernte freuen. Steinmeier nimmt eine Forke und wirft mit einem einzigen Stich in den Boden ein gutes Dutzend prächtiger Knollen auf. Goldgelb sind seine Kartoffeln – und bei der momentanen Trockenheit so sauber, dass er sie vorm Schälen nicht mal mehr waschen muss. „Und wenn ich sie bis zur Ernte noch ein Weilchen in der Erde lasse, werden sie noch ein bisschen größer sein“, freut er sich. Der 79-Jährige wird auch in diesem Jahr keine Kartoffeln dazukaufen müssen. Was passiert eigentlich mit den Käfern und ihren Larven? Der Bio-Bauer zögert ein wenig mit der Antwort. Der Mann ist Natur- und Tierfreund durch und durch. So ziemlich jede Kreatur hat in seinem Garten eine Daseinsberechtigung, über die meisten Tiere freut er sich sogar. Selbst Schnecken tötet er nicht – nach dem Einsammeln bringt er sie geschlossen in ein nahegelegenes Naturschutzgebiet. Aber bei Kartoffelkäfern hört die Liebe wirklich auf. Heinz Steinmeier: „Die enden alle unter meinem Birkenstock-Schlappen.“

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