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Der frisch eingewanderte Biber an der Else. Die versteckte Kamera der Biostation hat ihn um 3.15 Uhr gefilmt. Das Video zeigt ihn in Aktion. - © KLAUS NOTTMEYER
Der frisch eingewanderte Biber an der Else. Die versteckte Kamera der Biostation hat ihn um 3.15 Uhr gefilmt. Das Video zeigt ihn in Aktion. | © KLAUS NOTTMEYER

Kirchlengern Versteckte Kamera filmt Biber an der Else

MIT VIDEO: Exemplar ist einen Meter lang und wiegt bis zu 30 Kilogramm

21.02.2015 | Stand 21.02.2015, 15:06 Uhr

Kirchlengern. Kaum ist er da, gibt es schon reichlich Filmmaterial vom eingewanderten Biber: 40 Filme hat eine von der Biologischen Station Ravensberg an der Else aufgestellte Kamera aufgenommen. Sie zeigt einen ganz schön dicken Brummer: Einen Meter misst das Exemplar mit Schwanz, bis 30 Kilogramm werden die großen Nager schwer. Klaus Nottmeyer, Leiter der Biostation, ist begeistert.

Vor gut zwei Wochen haben Naturschützer den Biber an der Else entdeckt – im Naturschutzgebiet zwischen Bünde und Kirchlengern (die NW berichtete). Genau genommen haben sie nur deutliche Anzeichen für einen Biber gefunden: Drei Bäume entlang der Else waren dermaßen angenagt, wie es nur ein Biber vermag. Der Baum auf den Fotos links, eine Weide, ist inzwischen gefallen. Allerdings nicht ins Wasser, sondern auf einen anderen Baum. Am Donnerstag, 12. Februar, hat Klaus Nottmeyer zwei Kameras an zwei Fraßstellen an der Else aufgestellt, 200 bis 300 Meter auseinander. Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag tappte der Biber in die Fotofalle. Um 3.15 Uhr filmt ihn die Kamera, wie er auf seinem Hinterteil sitzt und sich am Bauch kratzt, dann reckt er sich am bereits stark angefressenen Baum empor. Auf einer anderen Sequenz wendet er der Kamera den Rücken zu und man sieht seinen mächtigen, breiten Schwanz. Die NW hat drei Teile zusammengefügt, auf www.nw.de/kirchlengern ist das Video zu sehen.

Klaus Nottmeyer hat am Stamm nachgemessen, wie hoch sich der Biber gereckt hat: Ohne Schwanz ist er demnach 70 bis 80 Zentimeter groß, der Schwanz misst noch einmal 20 Zentimeter. Einen Meter ist er also lang. „Das ist ein großer, ausgewachsener Biber, ein ganz schöner Brecher“, sagt Klaus Nottmeyer. Deswegen habe er erst gedacht, es sei vielleicht ein trächtiges Weibchen. Aber es ist nicht die Zeit dafür. Im Moment ist Paarungszeit, im Sommer werden die Jungen geboren. „Er sieht knuffig aus, bärenartig.“ Die Kameras sind so eingestellt, dass sie, wenn sie eine Bewegung einfangen, einen 15-sekündigen Film drehen. Bewegt sich das Tier vor der Kamera weiter, entsteht ein Film nach dem anderen. Auch viele andere Säugetiere und Vögel sind inzwischen auf Film gebannt: ein Waschbär, Steinmarder, eine Bisamratte, Wanderratte, ein Reh, das aus der Else steigt, mehrere Hauskatzen, Eichelhäher, Amsel, Teichhuhn, Zaunkönig, Rotkehlchen und Kohlmeise. „Da ist richtig was los an der Else, da boxt der Papst“, sagt Klaus Nottmeyer.

Der Biber fällt Bäume, um an die Zweige ranzukommen, die er frisst. Auch von Wurzeln und Rinde ernährt er sich im Winter. An den Bäumen macht er sich ausschließlich nachts zu schaffen, tagsüber schläft er. „Er wird unter Ästen versteckt am Wasser schlafen“, vermutet Klaus Nottmeyer. Das Naturschutzgebiet werde an der Stelle ganz breit, die Else schlängele sich wild. Etwa ab 1975 habe die Else dort begradigt werden sollen. Rolf Lachner aus Dünne und die Angler hätten das damals durch ihren Einsatz verhindert.
Der Biber ist von Niedersachsen aus eingewandert, über die Hase. An ihr leben seit wenigen Jahren wieder Biber. Else und Hase treffen sich an der Bifurkation in Melle-Gesmold, von dort ist der Biber hergeschwommen. Klaus Nottmeyer hat mit zwei Anwohnern gesprochen. „Schön, ein neuer Nachbar“, habe die eine gesagt.

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