Hiddenhausen Vom Rasieren der Wale

Die Oetinghauserin Caroline Lohmann ist Reise-Bloggerin

Von Thomas Dohna
Die Reise-Bloggerin Caroline Lohrmann aus Oetinghausen ist mindestens die Hälfte eines Jahres in der Welt unterwegs. Hier steht sie auf der Brücke in Dresden.
Die Reise-Bloggerin Caroline Lohrmann aus Oetinghausen ist mindestens die Hälfte eines Jahres in der Welt unterwegs. Hier steht sie auf der Brücke in Dresden.

Oetinghausen. Warme Länder gefallen Caroline Lohmann. Außerdem solche, in denen sie noch nie war. Und ganz besonders Mexiko, obwohl sie schon oft dort war. Caroline Lohmann ist Reise-Bloggerin, sie besucht Länder und schreibt in ihrem Weblog darüber. Dabei sind ihr zwei Dinge ganz wichtig.

Die Eltern der 28-Jährigen leben in Oetinghausen. Caroline Lohrmann ist dort zur Zeit zu Hause, obwohl sie mindestens die Hälfte eines Jahres unterwegs ist. Sie habe schon immer über ihre Reisen geschrieben, sagt sie, die Texte aber nie veröffentlicht. Seit drei Monaten ist das anders. Ganz subjektiv und konsequent aus der Ich-Perspektive schreibt Caroline Lohrmann ihre Reisereportagen. Zu lesen sind sie auf www.shave-thewhales.net. Der Name des Blogs ist scherzhaft gemeint und bewusst Aufmerksamkeit heischend. "Wale haben Barthaare, die man rasieren könnte", sagt Caroline Lohmann.

Sie hat in Münster Kommunikationswissenschaften studiert, sie hat in Frankreich gelebt und gearbeitet. Sie war in einer Klosterschule in Kenia. Sie hat ein eigenes Pferd und in Mexiko studiert, und in Buenos Aires auch. Sie ist durch Südamerika gereist, hat ihre Mutter mit nach Südafrika genommen und ihre Freundin nach Indonesien. Sie begann in Dresden ein zweites Studium und brach es wieder ab. Caroline Lohrmann arbeitete auf auf Ibiza, in Portugal, Dänemark und Spanien, saß mit alten Männern in Montenegro am Strand, lernte in Guatemala Spanisch und wusch in Thailand Elefanten.

Caroline Lohrmann will am liebsten Reise-Journalistin werden und hat während ihres Praktikums bei Geo-Saison gemerkt, dass Reise-Redakteurin wohl nicht ihr Traumjob ist. "Den ganzen Tag das Material anderer Leute zusammenpuzzeln, das ist es nicht", sagt sie. Sie will schreiben, was ihr wichtig ist. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass ihr bei Zeitungen und Zeitschriften genau das aus den Texten gestrichen wird. Caroline Lohrmann will ihrer subjektiven Sicht treu blieben und auch schreiben, was ihr an einer Reise oder einem Gebiet nicht gefällt.

Sie eröffnete ihren Blog, wohl wissend, dass sie davon nicht leben und unabhängige Reisen nicht finanzieren kann. Geld verdient sie in einer Agentur, die Vorstellungsreisen für Autohersteller veranstaltet. Sie betreut die Teilnehmer. Diese Reisen finden in vielen Gegenden der Welt statt, was Caroline Lohrmann für ihren Blog nutzt.

Seit Oktober hat sie mehr als 4.000 Zugriffe. In den Kommentaren zu ihren Texten wird immer wieder ihre Fähigkeit gelobt, ihre Eindrücke und Beobachtungen aus den bereisten Ländern mit ihren Erfahrungen aus der westlichen Welt zu verbinden und so beides zu relativieren und zu hinterfragen. Die Kommentatoren loben auch ihre Fotos und Videos.

Caroline Lohrmann ist oft allein unterwegs. Angst hat sie selten. Sie ist wie die Einheimischen in Bussen unterwegs und übernachtet in Hostels, beobachtet sehr genau und spricht mit den Menschen. "Man bekommt so eine ganz andere Meinung über die Gefahren", sagt sie. Die Welt sei gar nicht so schlecht, wie man immer so denke. Gerade in Deutschland treffe sie viele Menschen, die sich zu viele Sorgen machten.

Das nächste große Reiseprojekt steht schon an. Sie will mit einem bekannten schwedischen Hersteller von Outdoorkleidung in Nordnorwegen eine Hundeschlittentour machen. Dafür muss sie aber ein Voting gewinnen. Wer einen Facebook-Zugang hat, kann für sie stimmen. Die Reise findet im tiefsten Winter statt. Für Caroline Lohmann, die doch die Wärme liebt, ein ungewöhnliches Ziel. "Ja, aber ich will diese Erfahrung unbedingt machen", sagt sie.

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