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Auf einem Luftbild lässt sich das Gebiet gut erkennen. Es gibt dort viele große Gärten, die einige Anwohner gerne zu Bauland machen möchten. Geichzeitig ist deutlich, dass die Gärten quasi ein zusammenhängendes, großes Stück Natur bilden, von dem bei Bebauung ein Teil verschwinden würde. Um diesen Gegensatz ging es am Montag in der Ausschusssitzung. - © Gemeinde Hiddenhausen
Auf einem Luftbild lässt sich das Gebiet gut erkennen. Es gibt dort viele große Gärten, die einige Anwohner gerne zu Bauland machen möchten. Geichzeitig ist deutlich, dass die Gärten quasi ein zusammenhängendes, großes Stück Natur bilden, von dem bei Bebauung ein Teil verschwinden würde. Um diesen Gegensatz ging es am Montag in der Ausschusssitzung. | © Gemeinde Hiddenhausen

Hiddenhausen Umweltschutz gegen Bauland: Kontroverse um Flächennutzung in Sundern

Diskussion: In Sundern könnten demnächst neue Grundstücke entstehen. Die Gemeinde möchte Anwohnern die Bebauung ermöglichen. Ein Grundstücksbesitzer jedoch griff die Verwaltung jetzt dafür an

Alexander Jenniches
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 17:42 Uhr

Hiddenhausen. Ausschusssitzungen in Hiddenhausen haben meist kein Publikum. Vertreter der politischen Fraktionen diskutieren Vorschläge aller Art und bereiten Entscheidungen für die Ratssitzungen vor. Wenn dann aber mal Bürger in eine Sitzung gehen, melden sie sich meist lautstark zu Wort. So war es im vergangenen Jahr beim umstrittenen Sportplatz an der Schlattstraße, und so war es auch am Montagabend, als es im Gemeindeentwicklungsausschuss um Bauland in Sundern ging. Rund 30 Bürger hatten sich im Ratssaal eingefunden. In Hiddenhausen lebt es sich ruhig und gut, nur gibt es wenig Platz für Neubauten. Aus dem Grund hat die Gemeinde schon vor Jahren das sehr erfolgreich laufende Modell "Jung kauft Alt” entwickelt, mit dem Altbauten für die Sanierung gefördert werden. Ausgewiesenes Bauland gibt es zwar wenig, dafür aber relativ viele große Gärten, auf denen sich neu bauen ließe, eine sogenannte Hinterlandbebauung. Privatbesitzer hatte auf Bauland geklagt und recht bekommen Am Montag nun sollte der Gemeindeentwicklungsausschuss genau über so einen Fall entscheiden: Ein Grundstücksbesitzer hatte nämlich bereits im Herbst den Antrag gestellt, im Garten seines Grundstücks an der Bünder Straße ein Zweifamilienhaus mit Carport bauen zu dürfen. Die Kreisverwaltung Herford lehnte das ab, der Antragsteller klagte dagegen und bekam nach einem Ortstermin im Juli 2019 vom Verwaltungsgericht Minden recht. Begründung: Das Bauvorhaben fügt sich in die Umgebungsbebauung ein. Das Vorhaben wiederum rief weitere Grundstückbesitzer in der Nachbarschaft Bünder Straße, Obere Wiesenstraße und Untere Wiesenstraße auf den Plan, die selbst bauen oder ein Grundstück verkaufen wollen. Der Blick auf eine Luftaufnahme des Gebiets zeigt, dass dort reichlich potenzielles Bauland vorhanden ist. Um ein Erschließungskonzept zu erstellen, hat die Gemeindeverwaltung zwischen Mai und Ende August sämtliche Anwohner befragt: Wer will bauen oder verkaufen, und wer ist gegen diese sogenannte Hinterlandbebauung? Alexander Graf, Leiter des Amtes für Gemeindeentwicklung stellte die Ergebnisse am Montagabend vor. Verwaltung kann Rahmen für private Vorhaben schaffen Demzufolge sind sechs Eigentümer gegen eine Hinterlandbebauung, neun Eigentümer für verschiedene Erschließungsvarianten, inklusive einer neuen Straße, und zwei Eigentümer möchten das Gebiet nur mit Stichwegen erschließen lassen, also mit kleinen Wegen, die jeweils an den alten Grundstücken vorbei zu den potenziellen neuen führen. So sagte Graf dem Ausschuss und den Besuchern, dass nur die zwei Stichwegvarianten zur Erschließung möglich seien, weil die beiden umfangreicheren Möglichkeiten von der Zustimmung aller betroffenen Eigentümer abhingen. Graf machte auch deutlich, dass es sich bei dem Vorhaben nicht etwa um ein von der Gemeinde initiiertes Projekt handele, sondern die Verwaltung lediglich den Rahmen für Privatvorhaben zur Verfügung stelle. Anwohner spricht von "zubetonieren" - Ausschussvorsitzender widerspricht Kaum hatte er ausgesprochen, ergriff Hans Ellerbrock das Wort. Ellerbrock wohnt an der Oberen Wiesenstraße und sprach sich partout gegen jeglichen Bebauungsplan aus, was zu einer rund halbstündigen Diskussion zwischen ihm, Ausschussvorsitzendem Axel Meyse und Vertretern der politischen Fraktionen führte. Ellerbrock sagte, es handele sich bei dem infrage stehenden Gebiet um ein "ökologisches Rechteck”. Die Politik spreche "mit zwei Zungen”, in dem sie einerseits den Umweltschutz fördere, gleichzeitig aber das Gebiet zwischen Bünder Straße, Oberer Wiesenstraße, Neuer Kamp und Unterer Wiesenstraße "zubetonieren wolle”. Vorsitzender Meyse wehrte sich gegen den Ausdruck "zubetonieren”. Das sei nicht der Fall: "Das gibt das Baurecht überhaupt nicht her. Und es heißt auch nicht, dass alles jetzt komplett bebaut würde. Das, was wir jetzt hier eröffnen würden, wenn wir dem so zustimmen, wäre die Möglichkeit. Das heißt nicht, dass bei Ihnen morgen die Bagger und die Kräne anrücken und alles zubetonieren würden.” SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Ewering sagte, die Gemeinde müsse die Interessen aller Gemeindemitglieder berücksichtigen, und "da prallen schon unterschiedliche Weltansichten aufeinander.” Das gelte sowohl für den Umweltschutz als auch für die Not bei der Wohnbebauung. Nach Ewerings Worten wäre es noch einmal interessant, Stimmen aus der betreffenden Siedlung zu hören, um dann erneut "eine Gesamtdiskussion darüber zu führen.” "Niemand wird gezwungen oder enteignet. Es ist freie Anwohnerentscheidung" Gerhard Hempelmann von der CDU wies darauf hin, dass der Ausschuss lediglich ein Konzept erarbeite, dass dann realisiert werden könne. Und direkt an die Anwohner und Grundstücksbesitzer gerichtet: "Es ist kein Muss! Sie werden ja nicht gezwungen, sie werden ja auch nicht enteignet oder dazu angehalten, zu verkaufen. Das alles ist immer noch in ihrer freien Entscheidung.” Der Ausschuss sei lediglich dafür verantwortlich, ein Konzept zu schaffen, das baurechtlich in Ordnung und vertretbar sei Auch Andreas Torkler von der SPD wies noch einmal darauf hin, dass die Idee für Baugrundstücke von Anwohnern komme und keineswegs aus Politik oder Verwaltung. Man müsse den Wunsch derjenigen Anwohner akzeptieren, die ihre Grundstücke als Bauland in Betracht zögen. 17 von 26 Bewohnern hatten im Vorfeld auf eine entsprechende Anfrage der Gemeinde reagiert. Von den 17 sprachen sich wiederum elf für eine mögliche Bebauung aus und sechs dagegen. Neun Anwohner reagierten auch nach verlängerter Frist bis Ende August nicht. Eine Erschließung wird kommen, welcher Art auch immer Wie es nun weitergeht, steht noch nicht fest. Die SPD stellte den Antrag, das Thema nochmals in den Fraktionen zu beraten und dann zurück in den Gemeindeentwicklungsausschuss zu geben. Dem wurde stattgegeben. Ausschussvorsitzender Axel Meyse sagte, er habe aus der Diskussion herausgehört, "dass es eine Erschließung - in welcher Form auch immer – sicherlich geben wird. So dass wir denjenigen, die dort bauwillig sind, sicherlich keine Steine in den Weg legen.” Der Ausschuss tagt wieder am Montag, 18. November, um 18 Uhr im Rathaus in Raum 103. Dann steht das Thema erneut auf der Tagesordnung, und eine Entscheidung darüber, welche Art von Erschließung kommt, wird nach Meyses Worten an dem Abend gefällt werden.

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