Günter Wöhrmann, Vorsitzender des Holzhandwerksmuseums, zeigt die kleinen Schiffchen, die Kinder am Sonntag basteln können. Die Geschichte der beiden Museumsscheunen kann er auch erzählen. - © Alexander Jenniches
Günter Wöhrmann, Vorsitzender des Holzhandwerksmuseums, zeigt die kleinen Schiffchen, die Kinder am Sonntag basteln können. Die Geschichte der beiden Museumsscheunen kann er auch erzählen. | © Alexander Jenniches

Hiddenhausen Beim Museumstag Geschichte erleben

Das Holzhandwerksmuseum und die Museumsschule laden zum Erkunden ein. Leonardo da Vinci wäre möglicherweise erstaunt

Wussten Sie, dass die beiden Scheunen des Holzhandwerksmuseums einst frei in der Luft schwebten? Oder, dass Leonardo da Vinci sich vermutlich wundern würde, wenn er heute das Museum beträte? Warum das alles so ist, und wie es dazu kam - das und vieles mehr lässt sich am kommenden Sonntag beim Internationalen Museumstag in Erfahrung bringen. Außerdem kann man mit Holzschuhen an den Füßen erleben, wie es in einer preußischen Schule zuging. Im Holzhandwerksmuseum gibt es alte Handwerksgeräte zu sehen. Die meisten davon lassen sich auch noch benutzen. Holzhandwerker im Ruhestand zeigen zu den Öffnungstagen wie das geht, und Kinder können auf Geburtstagen dort selbst etwas tischlern. Die Geschichte des Museums ist erstaunlich. Günter Wörmann ist Vorsitzender des Museumsvereins und kennt sie genau. Alles fing mit einer zufälligen Beobachtung auf einer Müllkippe an: "Der Gründer des Museums, Heinrich Möhlmann, war dienstlichauf der Müllhalde in Kirchlengern. Was er dort sah, machte ihn wohl ziemlich nachdenklich - und auch traurig.” Holz-Enthusiasten versammelten sich Möhlmann war unter anderem Kreisheimatpfleger und in der Gemeinde Hiddenhausen Beauftragter für Denkmalpflege. Als er auf der Müllhalde stand, fuhr ein Lastwagen nach dem nächsten vor und kippte Handwerkzeuge in den Dreck, auf nimmer wiedersehen. Möhlmann jedoch liebte seit seiner Kindheit das Arbeiten mit Holz. Von der Müllhalde zurück, scharrte er ein paar andere Holz-Enthusiasten um sich und begann, Handwerksbetriebe abzuklappern, die ihre alten Werkzeuge nicht mehr brauchten. Die Männer waren von einer Sammelleidenschaft gepackt – bis es irgendwann ihren Ehefrauen zu bunt wurde. Günter Wörmann: "Als die ersten Geräte unter den Betten im Schlafzimmer landeten, war es dann doch Zeit. Es musste eine Halle oder ähnliches für die vielen alte Werkzeuge her.” Über Umwege gelangte man an die beiden, damals maroden Scheunen auf Gut Hiddenhausen. Doch die waren tatsächlich in einem erbärmlichen Zustand: Die tragenden Balken faulten vor sich hin, und dazwischen waren Schweine-, Kuh- und Pferdeställe. Wöhrmann: "Es half nichts, da musste einiges getan werden. Die Scheunen wurden auf ihre ursprünglich-historische Form zurückgebaut.” Um das Fundament neu legen zu können und zur Anbringung neuer hölzerner Stützbalken, wurden beiden Scheunen mit Metallstützen komplett angehoben. Die Häuser schwebten nun eine Zeit lang frei in der Luft. Als alles fertig war, wurden sie wieder abgesenkt, und das Museum konnte einziehen. Besser Drechseln mit einer Erfindung des Universalgenies Wie die Jahrhunderte an den Scheunen gearbeitet haben, lässt sich besonders gut an den Außenwänden beobachten: Die Wände sind im Originalzustand belassen und mit Feldbrandsteinen, Holz und Lehm gemauert. Über die Jahre jedoch hat sich das Holz ausgedehnt, und deswegen sind die Mauern nicht mehr gerade. Das Holz hat sie in eine Wellenform gebogen. Sehr gut kann man das an der rechten Wand der rechten Scheune erkennen, und zwar bei einem Blick über den Gartenzaun. In dem Gebäude werkeln auch die Museumsmitglieder und Besucher regelmäßig an historischen Gerätschaften. Am kommenden Sonntag haben Kinder dort die Möglichkeit, unter Anleitung kleine Holzschiffe zu basteln. In der linken Scheune gibt es regelmäßig Ausstellungen zu sehen. Dort steht auch eine Konstruktion, die Universalgenie Leonardo da Vinci einst zeichnete, die aber zunächst nicht umgesetzt wurde: Eine Drechselbank mit Fußantrieb. Sie erblickte erst Jahrhunderte später das Licht der Welt und ermöglichte es mit einem starkem Schwungrad, auch größere Holzstücke zu bearbeiten. Wie das funktioniert, und was sich da Vinci bei seiner Zeichnung gedacht haben mag - auch das kann man ausprobieren und ergründen. Das Museum liegt auf Gut Hiddenhausen. Hausherrin Anna von Consbruch hat am Sonntag ihre Privatgärten ebenfalls geöffnet und lädt zum Schlendern ein mit anschließendem Besuch im Café Alte Werkstatt. Mit Holzschuhen in die Zeit zurück Das zweite Museum in Hiddenhausen steht im Ortsteil Schweicheln. Es ist die Museumsschule, eine alte Dorfschule, die im Jahr 1847 ihren Betrieb aufnahm. Wer schon immer mal wissen wollte, wie eine Schulstunde zu der Zeit und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts ablief, der ist im Schulmuseum genau richtig. Schon am Eingang beginnt die Reise zurück in die Zeit: Holzschuhe stehen für die Besucher bereit, speziell für Männer Matrosenschärpen und für Frauen Schürzen, eben das, was Schulkinder damals trugen. Regina Wachowiak vom Museumsverein wird genauso wie andere Vereinsmitglieder am Sonntag da sein und bietet Führungen für Einzelpersonen und Gruppen an: "Wir haben hier acht Räume. Die Lehrer lebten zu Preußens Zeiten direkt in den kleinen Dorfschulen. Und so bekommt man einen schönen Eindruckvom Lehreralltag und dem seiner Familie.” Sowohl die Küche mit dem einen Quadratmeter großen Bad ist zu sehen, als auch die Schlafzimmer. Auf vielen Wandtafeln ist das mühselige Leben der Lehrerfamilien nachgezeichnet. Denn Lehrer verdienten nicht viel und betrieben nebenbei noch als Selbstversorger eine Art Mini-Bauernhof. Der Internationale Museumstag beginnt in beiden Museen und im Garten von Familie von Consbruch um 14 Uhr und geht bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Holzhandwerksmuseum und der Garten befinden sich im Ortsteil Hiddenhausen an der Maschstraße 16 und die Museumsschule an der Blumenstraße 60 in Schweicheln.

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