Bild mit Symbolcharakter: So wie das Boot auf diesem gemeinsamen Ausflug zu Wasser, führte Vera Güttler auch ihren Kindergarten mit sicherer Hand durch die Fahrrinne. Von 1994 bis 2016 leitete sie die Einrichtung in Sundern. - © Kita Morgenstern
Bild mit Symbolcharakter: So wie das Boot auf diesem gemeinsamen Ausflug zu Wasser, führte Vera Güttler auch ihren Kindergarten mit sicherer Hand durch die Fahrrinne. Von 1994 bis 2016 leitete sie die Einrichtung in Sundern. | © Kita Morgenstern

Hiddenhausen Die unkonventionelle Leiterin der Waldorf-Kita geht in den Ruhestand

Abschied: Vera Güttler, unkonventionelles Urgestein und jahrzehntelange Leiterin des Waldorf-Kindergartens in Sundern, hat morgen ihren letzten Arbeitstag

Hiddenhausen. Fußball, Zigaretten, schnelle Autos - das ist also Vera Güttler. Karin Monkowius schlägt die Hände überm Kopf zusammen. "Um Gottes Willen, schreiben Sie das bloß nicht so", sagt die Leiterin der Waldorfkita Morgenstern in Sundern. "Ich wollte nur sagen, dass Vera für eine Waldorf-Erzieherin ziemlich unkonventionell ist", schiebt sie hinterher und lacht. Noch kann sie "ist" sagen, ab Freitagnachmittag ist besagte Kollegin Kita-Geschichte: Nach mehr als einem Vierteljahrhundert bei den Anthroposophen - von 1994 bis 2016 gar als Einrichtungsleiterin - geht Vera Güttler nun in den Ruhestand. Abschiedsparty mit Geigentönen und Ehemaligenchor Schon am vergangenen Samstag stieg im Kindergarten die große Abschiedsparty. Alle Kollegen waren gekommen, natürlich. Aber auch Eltern und viele ehemalige Kindergartenkinder. Ein Teil davon bildete den Ehemaligenchor, der am Samstagabend das ein oder andere Liedchen trällerte. Auch klassische Geigentöne fehlten nicht. Die Ärztin und Anthroposophin Barbara Treß von der Stiftung "Leben und Arbeiten" war eigens aus Hamburg angereist, um die 63-Jährige in einem sehr lebendigen Vortrag als humorvoll, zupackend und mitreißend zu würdigen. "Und wie vielen Kindern Sie diese Werte in einem Vierteljahrhundert vermittelt haben - Hut ab!" Karin Monkowius schloss sich nahtlos an: Gleich zu Beginn ihrer Kita-Zeit, so erinnerte sich die heutige Leiterin, habe Güttler im Gruppenraum die "Sixtinische Madonna" abgehängt. "Weil du nicht wusstest, warum die dort hängen sollte", erzählte Monkowius zum Amüsement ihrer Zuhörer. "Man macht das so bei Waldorfs", habe als Erklärung nicht gereicht. "Du wolltest immer verstehen. Und als du dich dann bewusst damit beschäftigt hast, hast du sie am Ende wieder aufgehängt. Und noch heute hängt sie an ihrem Platz in deiner Gruppe." Fußballfieber zur WM und Partys für die Eltern Fußball und Borussia Dortmund, so die Leiterin weiter, sei so ein weiteres unkonventionelles Ding von Vera Güttler gewesen - und ist es immer noch. Wen wundert?s - die Frau kommt aus dem Ruhrpott. "Da schwappte deine Begeisterung schon mal bis in den Kindergarten hinein - mit Fußballaufklebern, bunten Stempeln und Deutschlandfähnchen hast du sie alle angesteckt mit deinem WM- und EM-Fieber." Nicht zu vergessen die heute schon fast legendären "Elternpartys", die die künftige Ruheständlerin einst ins Leben gerufen hat: Einmal jährlich feiern und tanzen Eltern und Mitarbeiter die halbe Nacht lang in den Räumen des Kindergartens. Pünktlichkeit, Entschlossenheit, Ordnungsliebe, Sinn für Gerechtigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Diplomatie und den Blick fürs Wesentliche, nämlich für das Wohl des Kindes - das Loblied nahm an diesem Abend kein Ende. "Wir wollen künftig das weitertragen, was du in der Kita Morgenstern und in der Region angelegt hast", schloss Monkowius ihren sehr persönlich gefärbten und mit großem Applaus bedachten Vortrag. Die Leitung des Kindergartens hatte Vera Güttler schon vor einiger Zeit abgegeben, aber eine "Steuerfrau" im Wortsinne ist sie offenbar auch danach noch geblieben. Und als solche geht sie jetzt von Bord. Und was ist nun mit den schnellen Autos und mit den Zigaretten? "Na ja, Vera fährt halt gerne Auto, und wenn sie?s eilig hat, kann sie recht rasant unterwegs sein", sagt Karin Monkowius und muss schon wieder lachen. "Und wenn es mal so richtig stressig ist, geht sie auch mal vor die Tür, um eine zu rauchen - aber wirklich selten." Ausnahme-Erscheinungen also. Passt doch perfekt - zum Menschen Vera Güttler.

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