Erster Waschgang: Samojede Artus hat dickes und dichtes Fell. Ronja Reimers braucht deswegen drei Waschgänge. Die unterste Fellschicht ist auch nach dem zweiten Waschgang noch nicht durchnässt. Ronja bürstet mit dem Schwamm Fell, Schmutz und Talg aus, so dass Artur schön und gesund bleibt. - © Alexander Jenniches
Erster Waschgang: Samojede Artus hat dickes und dichtes Fell. Ronja Reimers braucht deswegen drei Waschgänge. Die unterste Fellschicht ist auch nach dem zweiten Waschgang noch nicht durchnässt. Ronja bürstet mit dem Schwamm Fell, Schmutz und Talg aus, so dass Artur schön und gesund bleibt. | © Alexander Jenniches

Lippinghausen Hiddenhauser Hundefrisörin stellt sich vor

Ungewöhnlicher Beruf: Hundefrisörin Ronja Reimers wäscht, föhnt und schneidet Hunden das Fell. Artus hat eine ganz Menge davon. Wenn er zum Frisieren geht, fliegen die Fellbüschel

Alexander Jenniches

Lippinghausen. Samojede Artus steht ein bisschen bedröppelt in der Hundedusche, als Friseurin Ronja Reimers ihn einschäumt. Allerdings scheint ihm die Prozedur nicht so viel auszumachen, wie es auf den ersten Blick scheint: Artus ist drei Jahre alt, hat süße Schlitzaugen, und seine Vorfahren stammen aus Russland. Heute ist er bei Ronja Reimers, die ihn alle zwei Monate wäscht und putzt, damit Artus gesund bleibt und schön und prächtig aussieht mit seinem puscheligen weißen Fell. Ronja Reimers ist Hundefriseurin. Ein ungewöhnlicher Beruf, für den es keine Ausbildung gibt. Ronja bedauert das. Sie selbst beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren intensiv mit den Tieren, ist im Hundesportverein und macht Vielseitigkeitssport mit ihren Hunden. Erziehungskurse für die Vierbeiner gibt sie auch: „Dass es keine geregelte Ausbildung für unseren Beruf gibt, finde ich nicht gut. Wer ein Tier pflegt, sollte sich mit ihm sehr gut auskennen und als Friseurin auch viel über Fellstruktur und angemessene Behandlung wissen. Das ist leider nicht immer der Fall.“ Das überschüssige Unterfell fliegt büschelweise durch den Raum Die genaue Kenntnis über das Fell und seine Struktur kommt heute dem flauschigen Artus zugute. Er ist gerade die Treppen zur Hundedusche hochgetapst und stellt sich brav hin zum Bad: „Er kennt das schon“, sagt Ronja Reimers. „Artus ist einer der liebsten Hunde, die man sich vorstellen kann.“Ronja seift ihn dreimal ein. Nach jedem Mal wird Artus abgeduscht, und Ronja streicht mit einer weichen Bürste mehrere Hände voll nassem Fell aus: „Ich komme mit einem Waschgang gar nicht an die unteren Schichten heran, weil das Fell so dick ist und die Unterwolle – die tiefste Fellschicht – schlicht trocken bleibt. Aber gerade die unteren Schichten sollten regelmäßig gereinigt werden, weil sie direkt auf der Haut sitzen, und die Haut allein aus gesundheitlichen Gründen gepflegt werden sollte.“ Nach dem dritten Gang stapft Artus Pitsche-Patsche nass die Treppe der Dusche herunter, und Ronja setzt ihn auf den Behandlungstisch. Nun kommt der Arbeitsschritt, der am meisten Zeit braucht: Ronja pustet mit einem starken Föhn das Unterfell aus: „Das ist schonender, als im trockenen Zustand zu bürsten. Denn besonders die unteren Fellschichten verfilzen stark, und das ziepst den Hund dann beim Bürsten.“ Zwei Stunden dauert dieses „Blowern“, aus dem Englischen von Blasen. Das überschüssige Unterfell fliegt büschelweise durch den Raum. Artus trägt einen Schoner um den Kopf, damit er keine Ohrenschmerzen vom Föhnwind bekommt. Dann ist er fertig und sitzt ganz fein und prächtig da, wie wenn er wüsste, wie hübsch er ist. Er ist nicht nur ein Schlitzauge, sondern wohl auch ein Schlitzohr. www.ronjas-salon.de

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