Wie damals: Die Schülerinnen und Schüler der Olof-Palme-Gesamtschule sollten in der historischen Stunde auf ihre Schiefertafeln schreiben, was ihnen im Jahr 1914 zu Kaiser Wilhelm II. eingefallen wäre. Danach hielten sie die Schreibtafeln hoch, damit die Lehrerin die Wörter sehen und kontrollieren konnte. - © Alexander Jenniches
Wie damals: Die Schülerinnen und Schüler der Olof-Palme-Gesamtschule sollten in der historischen Stunde auf ihre Schiefertafeln schreiben, was ihnen im Jahr 1914 zu Kaiser Wilhelm II. eingefallen wäre. Danach hielten sie die Schreibtafeln hoch, damit die Lehrerin die Wörter sehen und kontrollieren konnte. | © Alexander Jenniches

Schweicheln-Bermbeck Eine Schulstunde wie im Kriegsjahr 1914

Geschichte live: In der Museumsschule in Schweicheln können Schüler jetzt eine historische Schulstunde wie vor 100 Jahren erleben. Die Museumsschule ist nun offiziell ein besonderer außerschulischer Lernort

Schweicheln-Bermbeck. Eine historische Schulstunde wie im Kriegsjahr 1914 führten Schülerinnen und Schüler der Olof-Palme-Gesamtschule jetzt in der Museumsschule Schweicheln vor. Es war der Leistungskurs Geschichte des 12. Jahrgangs, der die Stunde gemeinsam mit Lehrer Benjamin Forman und Christa Gante vorbereitet hatte, der 2. Vorsitzenden der Museumsschule. Gefördert wird das Projekt vom Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL). Der Verband hat die Museumsschule im Rahmen des "Projektes Europa in Westfalen" als einen von mehreren Beispielorten benannt, an dem sich Schulklassen und Erwachsenengruppen über europäische Geschichte austauschen können. Ab sofort können Schulklassen jeder Stufe die historische Stunde in der Museumsschule buchen. Kriegseuphorie von 1914 findet sich in der Schulchronik Als Deutschland im August 1914 in den Ersten Weltkrieg eintrat, druckten die Zeitungen eine euphorische Rede von Kaiser Wilhelm II. Die wohl berühmtesten Zeilen lauten: "Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande." So stand es am 6. August im Reichsanzeiger. Und genau das war die Stimmung, die auch die Schüler der Olof-Palme-Gesamtschule der "Kriegs-Chronik, evangelische Volksschule zu Schweicheln" entnehmen konnten, als sie sich auf die historische Stunde vorbereiteten. Geschrieben hat die Chronik der einstige Museumsschullehrer Johannes Schnücke. Sie ist sein Tagebuch, in dem er kleinere und größere Ereignisse im Dörfchen Schweicheln in der Zeit zwischen 1914 und 1926 aufzeichnete. Das besondere Lernerlebnis, das die OPG-Schüler einigen offiziellen Gästen wie Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer und dem stellvertretenden Landrat Hartmut Golücke näherbrachten, bestand aus zwei Teilen. Im ersten Part führten die OPG?ler gemeinsam mit der 2. Vorsitzenden der Museumsschule, Christa Gante, eine typische Schulstunde aus dem Jahr 1914 vor. Gante trat dabei als das "Fräulein Lehrerin" auf. Die Schulglocke läutete, und Gante betrat den Raum: "Aufgereckt, gerade gesessen - Hände auf den Tisch!", schallte es eindrucksvoll bis in die letzten Reihen des Klassenzimmers. Das resolute "Fräulein Lehrerin" gab bei Rezitationsaufgaben seiner Autorität mit einem Stock auf den Tisch schlagend eindrucksvoll Nachdruck. Die Schüler mussten auf den alten Schiefertafeln ihre Gedanken über Kaiser Wilhelm II. niederschreiben, natürlich so, wie sie im Jahr 1914 gedacht hätten, als das gesamte Land euphorisiert war vom Kriegsbeginn. "Hilfsbereit" und "Liebe" war auf den Täfelchen zu lesen. Den Gegenpart zur historischen Stunde leitete dann der OPG-Geschichtslehrer Benjamin Forman. Er interpretierte mit den Schülern original Quellen aus Lehrer Schnückes Kriegs-Chronik und stellte dem gegenüber die Richtlinien für die gymnasiale Oberstufe aus dem Jahr 1999. Beide Schriften könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Jahr 1914 ging der blinde Patriotismus durch die Decke, mit all seinen verheerenden Folgen. Im Jahr 1999 steht der europäische Gedanke von Frieden und Miteinander im Mittelpunkt. Damalige und heutige Gedanken kennen und verstehen lernen Das herauszuarbeiten, zu verstehen und jungen Menschen zu vermitteln, ist auch eine der Ideen hinter der historischen Schulstunde, die Schulklassen aller Stufen ab sofort bei der Museumsschule buchen können. Das Projekt der sogenannten "Europastunde" läuft im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres 2018. Ziel ist dabei, dass sich Menschen generationsübergreifend der Geschichte Westfalens nähern können. www.museumsschule.de

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