Lehrer Mohamed Kaid hilft dem 14-jährigen Siljan aus Albanien beim Lernen. - © Johannes Hülstrung
Lehrer Mohamed Kaid hilft dem 14-jährigen Siljan aus Albanien beim Lernen. | © Johannes Hülstrung

Lippinghausen Ein Schüler als Dolmetscher

Seit Beginn des Schuljahres lernen Migrantenkinder in einer speziellen Klasse an der Olof-Palme-Gesamtschule Deutsch

Johannes Hülstrung

Lippinghausen. Siljan sitzt in einem großen Klassenraum und lernt Deutsch. Es gibt Tischgruppen, eine mobile Tafel, eine Computer-Ecke. An den Wänden hängen herbstlich gestaltete Gedichte, aufgeschrieben in wackeliger Schrift, und bunte Zettel zum Thema „Über mich". An der Olof-Palme-Gesamtschule ist die „Internationale Vorbereitungsklasse", die Kinder vor allem sprachlich für den Regelunterricht fit machen soll, gut angelaufen. Neun Jungs und ein Mädchen umfasst die Klasse inzwischen. Einer von ihnen ist Siljan aus Albanien. Seit elf Monaten lebt er in Deutschland, seit drei besucht er die Olof-Palme-Gesamtschule. Vorher war er auf der Hauptschule Meierfeld in Herford. Wie es ihm in der Klasse gefalle? „Gut", sagt der 14-Jährige und überlegt. Er ergänzt: „Normal." Und dann: „Perfekt." Was er damit meint, wird deutlich, als er von den Unterschieden zur Schule in Albanien erzählt. „Der erste ist Respekt, den alle Lehrer für mich haben", sagt Siljan und wirkt dabei stolz und dankbar. „Der zweite ist Ordnung. Die Schule ist immer gut organisiert. Und der dritte ist der Unterricht. Der macht mir großen Spaß." Siljan spricht sehr gut Deutsch, am besten von allen in der Klasse. Wenn er im Redefluss ist, hört man ihm gar nicht an, dass er noch kein Jahr in Deutschland ist. Einen Akzent hat er kaum. Nur wenn er stockt und nach dem passenden Wort sucht, gepaart mit einem schüchternen Lächeln, ist seine Unsicherheit noch leicht spürbar. Dolmetscher für Jungs aus Mazedonien In seiner Heimat Albanien hatte Siljan kein Deutsch gelernt, auch kein Englisch. Trotzdem hilft er in der Vorbereitungsklasse gelegentlich als Dolmetscher aus. „Zwei Jungs aus Mazedonien sprechen auch Albanisch", erzählt Siljan. „Sie benutzen zum Teil andere Wörter, aber ich kann sie verstehen." Ab und zu vermittelt er zwischen den beiden und den Lehrern. „Manchmal sprechen wir auch Englisch, vor allem mit zwei syrischen Kindern, die das sehr gut können. Hauptsächlich wird im Unterricht aber Deutsch gesprochen. So lernen die Kinder am besten", sagt Lehrer Mohamed Kaid. Er stammt aus Marokko, siedelte aber schon mit knapp fünf Jahren nach Deutschland über. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in den Kindergarten kam und kein Wort Deutsch konnte", sagt Kaid. „Von der Sprache und der Kultur ist meine Herkunft auf jeden Fall ein Vorteil. Ich kann mich so besser in die Schüler hineinversetzen." Mit Siljans Entwicklung ist Kaid sehr zufrieden: „Siljan spricht schon so gut Deutsch, dass er nachmittags problemlos in den Regelunterricht kann." Einige andere Schüler tun das ebenfalls, wobei jeder seinen individuellen Stundenplan hat. „Mein Lieblingsfach ist Mathe. Und Sport mag ich", sagt Siljan. Genau so mag er es aber auch, in seinem großen Klassenraum zu sitzen und Deutsch zu lernen.

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