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Praktikantin Antonia Rau und Büchereileiterin Christine Kuske zeigen am Märchen Hans im Glück, wie ein Kamishibai-Theater funktioniert. - © FOTO: THOMAS DOHNA
Praktikantin Antonia Rau und Büchereileiterin Christine Kuske zeigen am Märchen Hans im Glück, wie ein Kamishibai-Theater funktioniert. | © FOTO: THOMAS DOHNA

Hiddenhausen Erzählen mit Bildern

Die Gemeindebücherei veranstaltet einen Kamishibai-Wettbewerb

VON THOMAS DOHNA
10.04.2014 | Stand 08.04.2014, 19:39 Uhr

Hiddenhausen. Man könnte sich Christine Kuske so vorstellen. Die Büchereileiterin steigt auf ihr Fahrrad, radelt durchs Dorf, hält dort an, wo Menschen zusammenkommen, packt einen Holzrahmen aus, zeigt mit seiner Hilfe Bilder und erzählt dazu eine Geschichte. So haben es japanische Erzähler Anfang des 20. Jahrhunderts getan. Jetzt sollen Kinder in Tagesstätten und Schulen solche Geschichten erfinden.

"Kamishibai" heißt diese Erzähltechnik. Bilder stecken in einem Holzrahmen, der aussieht wie eine Theaterbühne. Mit den Fortschreiten der Geschichte nimmt der Erzähler die Bilder nach und nach aus dem Rahmen. Die japanischen Erzähler erzählten nicht um der Geschichten willen. Sie erzählten sie, um Geld zu verdienen. Es waren Süßigkeitenverkäufer. Die Zuschauer sollten während der Vorstellung ordentlich naschen.

Bei der modernen Kamishibai-Variante ist das ganz ähnlich. Vordergründig sollen die Kinder die Geschichten genießen und selbst welche erfinden. Hintergründig sollen sie sich so mit Sprache beschäftigen und und sie besser lernen. Damit die Kinder, die Einrichtungen und Schulen einen Anreiz haben, veranstalten mehrere Bibliotheken in Ostwestfalen einen Kamishibai-Wettbewerb. Sie bekommen ein Bild und den Beginn der Geschichte vorgegeben. Zum Beispiel heißt es zu einem Bild, auf dem ein Schneemann einen Schlitten durch eine Wüste zieht, auf dem ein Iglu steht: "Keiner aus seiner Gegend war je so weit gekommen. Was er tat, war lebensgefährlich, das wusste er. Doch immer, wenn ihm schwindelig wurde, öffnete er den Tresor..." Eine andere Geschichte dreht sich um ein Huhn im Himalaya. Die dritte Geschichte handelt von einem Riesen, der ein Paket bekommt, das er vor Monaten bestellt hat.

Die Kinder sollen die Bildergeschichte weitermalen, am besten auch einen Text dazu erfinden. "Es hat sich durch Untersuchungen herausgestellt, dass Kinder sich Geschichten, die mit der Kamishibai-Technik vorgetragen werden, besser merken können, als wenn sie auf übliche Weise erzählt werden", sagt Büchereileiterin Kuske, die immer auf der Suche nach Neuem ist, um Kinder zum Lesen zu bewegen.

Gefördert wird der Wettbewerb durch das Familienministerium des Landes. Preise gibt es auch. Andreas Röckener, Kinderbuchautor und Illustrator liest in der Gewinnereinrichtung. Ein Kamishibai-Rahmen kann gewonnen werden. Als dritten Preis gibt es Bücher von Andreas Röckener für die Schulbücherei. Teilnehmen können alle Klassen der Grundschulen und alle Gruppen der Kindertagesstätten. Teilnahmeschluss ist der 30. Juni. Wer mitmachen will, kann sich an Christine Kuske wenden. Bei der Preisverleihung gibt es vielleicht eine Kamishibai-Geschichte, vielleicht auch Süßigkeiten.

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