Wo noch Humana draufsteht, ist schon länger MIG drin – und die produziert auch für andere Babynahrung-Marken. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Wo noch Humana draufsteht, ist schon länger MIG drin – und die produziert auch für andere Babynahrung-Marken. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford Bei der MIG soll Hipp mehr Einfluss bekommen

Hintergründe der geplanten Verlagerung der Humana-Vertriebs GmbH nach Bremen

VON HARTMUT BRAUN

Herford. Die Humana-Vertriebsgesellschaft verlässt Herford – und trotzdem soll die Bedeutung von Herford als Produktionsstandort für Babynahrung auf Milchbasis wachsen. Des Rätsels Lösung: Auf dem einstigen Molkereigelände an der Bielefelder Straße werden längst nicht mehr nur Humana-Produkte, sondern auch die einer anderen großen Babynahrungsmarke hergestellt.

Dieser Sachverhalt wird offiziell nicht an die große Glocke gehängt. Doch für die über 500 Mitarbeiter ist es längst kein Geheimnis, dass sie mindestens ebenso viele Päckchen für Humana wie für das im bayrischen Pfaffenhofen beheimatete Familienunternehmen Hipp herstellen, verpacken und ausliefern.

Die Anfänge dieser Kooperation reichen ein Jahrzehnt zurück und waren der Grund dafür, dass der gesamte Produktionsbereich an der Bielefelder Straße in eine neue Firma namens MIG – Milchwirtschaftliche Industriegesellschaft mbH – ausgelagert wurde. An dieser Gesellschaft beteiligte Hipp sich mit 25 Prozent.

Für Herford war diese Kooperation äußerst fruchtbar: Die MIG konnte so in hoch spezialisierte Produkte sowie eine absolut zeitgemäße technologische Ausstattung einschließlich eines Hightech-Sprühturmes investieren. Sie steigerte die Produktionsmenge und erhöhte die Beschäftigtenzahl in wenigen Jahren um mehr als ein Fünftel.

Dass immer noch der Schriftzug "Humana Milchunion" über dem Standort schwebt, wird dem, was dort geschieht, längst nicht mehr gerecht: Erstens gibt es die Firma dieses Namens längst nicht mehr und zweitens werden hier mindestens ebenso so große Mengen für Hipp wie für Humana hergestellt.

Dieser Sachverhalt führt jetzt nach NW-Informationen auch zu einer Änderung der Beteiligungsverhältnisse bei der MIG zugunsten des bayrischen Partners: Hipp und Humana sollen danach je zur Hälfte an der Produktionsfirma beteiligt sein; es soll keinen Vorrang mehr für Humana geben.

Vor diesem Hintergrund bekommt der erzwungene Umzug des Humana-Vertriebs von Herford nach Bremen eine andere Bedeutung: Damit würden Humana und MIG endgültig, auch räumlich, entkoppelt. Humana und Hipp wären dann gleichberechtigte Auftraggeber für die MIG, die ihre technologischen Stärken dann gleichermaßen zwei großen europäischen Babynahrungsanbietern zur Verfügung stellen würde.

Seit einiger Zeit wird an der Bielefelder Straße rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche produziert – Babynahrung auf Milchbasis, wie Anfangsmilch und Folgemilch, ebenso wie Heilnahrung und andere anspruchsvolle Spezialprodukte. Hipp hat seinen Umsatz in diesem Marktsegment in den letzten Jahren stark ausgeweitet – mit weiter steigender Tendenz. Und auch im Deutschen Milchkontor (DMK), zu dem die Marke Humana gehört, strebt man Umsatzausweitungen, vor allem im Export, bei Kindernahrung an.

Auf den Standort Herford kommen also noch erhebliche Anforderungen zu – und damit neue Chancen und neue Jobs. Schon 2014 soll für fünf Millionen Euro eine Dosenabfüllanlage installiert werden.

In der Herforder Humana-Belegschaft mag man die Argumente für den Standortwechsel trotzdem nicht einfach so akzeptieren, zumal die für Bremen behaupteten "Synergien" reichlich konstruiert wirken. Zu stoppen ist die Entwicklung nach Ansicht von Insidern trotzdem nicht – auch der DMK-Aufsichtsrat hat dem "Projekt Umzug" inzwischen zugestimmt.

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