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Er erklärt, wie die Täter arbeiten und wie man sie stoppen kann. Am Montagnachmittag sitzt er am NW-Lesertelefon unter 05221-59157. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Er erklärt, wie die Täter arbeiten und wie man sie stoppen kann. Am Montagnachmittag sitzt er am NW-Lesertelefon unter 05221-59157. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Kreis Herford "Ein Einbrecher braucht fünf Sekunden"

Interview: Kriminalhauptkommissar Detlef Albers zum Schutz vor Eindringlingen

02.11.2013 , 15:00 Uhr

Kreis Herford. Mit Großkontrollen und Zivilfahndern, die in Wohngebieten unterwegs sind, geht die Polizei im Wittekindskreis gegen Einbrecher vor. Der Schutz vor den Tätern ist aber nicht nur Sache der Ermittler. Es gibt einfache Schritte, die Haus- und Wohnungseigentümer selbst umsetzen können, um so den Kriminellen einen Riegel vorzuschieben. Kriminalhauptkommissar Detlef Albers erklärte im Gespräch mit NW-Redakteur Jobst Lüdeking, wie das funktioniert.

Herr Albers, wie lange braucht ein Einbrecher durchschnittlich, um in ein Haus einzudringen?
DETLEF ALBERS: Das geht alles blitzschnell. Zwischen fünf und 20 Sekunden braucht ein geübter Täter, um Terrassentüren, Kellerfenster oder Fenster zu öffnen.

Das klingt so, als seien die Türen und Fenster eher aus Pappe gebaut, als aus Holz oder Kunststoff.
ALBERS: Das Problem ist in diesem Zusammenhang nicht das Material, das kann hundert Jahre und mehr halten. Das eigentliche Problem ist die Verriegelungstechnik, die von den Tätern so schnell überwunden werden kann.

Das bedeutet also, dass die weitaus meisten Gebäude im Kreisgebiet gar nicht sicher sind.
ALBERS: Richtig. Es gibt keine statistischen Zahlen, aber nach meinem Bauchgefühl sind mehr als 80 Prozent der Häuser und Wohnungen nicht oder aber nur unzureichend gesichert. Und davon profitieren die Täter. Für die ist damit fast jeder Tag ein Tag der offenen Tür.

Das heißt aber auch, es gibt Häuser, an denen die Kriminellen scheitern?
ALBERS: Sicher, nach den Statistiken sind etwa 40 Prozent der gemeldeten Taten Einbruchsversuche. Das sind also Tatorte, an denen entweder die Fenster und Türen verriegelt waren oder aber der Täter gestört wurde – etwa durch Nachbarn oder Spaziergänger.

Die Nachbarn und Zeugen sind offenbar entscheidend?
ALBERS: Für uns sind die meisten Einbrecher so genannte Gelegenheits-Einbrecher. Das heißt, sie fahren oder gehen tagsüber durch die Wohngebiete und dort, wo sie eine günstige Tatgelegenheit vermuten, versuchen sie einzusteigen. Die meisten Menschen glauben, dass Einbrecher die Häuser ihrer Opfer Tage oder Wochen vorher ausbaldowern. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich um ganz spontane Entscheidungen.

Wie arbeiten die Täter in den Wohngebieten?
ALBERS: Die Einbrecher – egal ob es sich um örtliche oder auswärtige Täter handelt – operieren meist nach dem gleichen Schema. Wenn sie sich ein Haus oder eine Wohnung ausgesucht haben, klingeln sie zunächst an der Haustür, um zu schauen, ob jemand daheim ist und sie ungestört "arbeiten" können. Wenn niemand öffnet, gehen sie um die Häuser herum, suchen nach den Einstiegsmöglichkeiten. Unter der Kleidung haben sie ihr Werkzeug versteckt, mit dem sie dann binnen Sekunden einbrechen. Dabei nutzen die Kriminellen auch gerne Gartenmöbel oder Mülltonnen als Aufstiegshilfen, um bis in die erste Etage zu kommen.

Wie kann man die Kriminellen erkennen?
ALBERS: Wenn ich als Nachbar aus dem Fenster schaue und die geschilderten Verhaltensweisen sehe, sollte ich sofort die Polizei unter 110 anrufen. Darüber hinaus hat das auch etwas mit dem Bauchgefühl zu tun. Aber hier sollten sich die Bürger weniger Gedanken machen: Sie sollten lieber einmal zu viel als einmal zu wenig bei uns anrufen. Auf keinen Fall sollten Zeugen selbst versuchen, den oder die Täter festzusetzen.

Was sollten Zeugen statt dessen tun?
ALBERS: Möglichst schnell bei uns anrufen, beobachten und sich die Kleidung und das Aussehen und eventuelle Fahrzeuge merken, die in der Nähe stehen.

Weitere Fragen der NW-Leser beantwortet Kriminalhauptkommissar Albers am Montag direkt am Lesertelefon der Neuen Westfälischen.