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Nicole Schrader von der SWK pustet das Laub der Bäume des Wallabschnitts "Unter den Linden" zunächst vom Weg auf den Randstreifen. Das seht je nach Feuchtigkeit der Blätter einfacher oder schwerer. Nasses Laub kann glatt wie Schmierseife sein, darum müssen die Gärtner regelmäßig anrücken.
Nicole Schrader von der SWK pustet das Laub der Bäume des Wallabschnitts "Unter den Linden" zunächst vom Weg auf den Randstreifen. Das seht je nach Feuchtigkeit der Blätter einfacher oder schwerer. Nasses Laub kann glatt wie Schmierseife sein, darum müssen die Gärtner regelmäßig anrücken.

Herford 600 Tonnen Laub fallen auf Straßen und Grünanlagen

Hochsaison für die Gärtner der Stadt / Jeder Bürger muss für Verkehrssicherheit auf seinem Bürgersteig und Grundstück sorgen

Text und Fotos von Frank-Michael Kiel-Steinkamp
27.10.2013 | Stand 25.10.2013, 19:33 Uhr
Küsterin Gudrun Jansen auf dem Kirchhof von St. Johannis.
Küsterin Gudrun Jansen auf dem Kirchhof von St. Johannis.

Herford. Der Herbst ist eine teure Zeit für die Stadt Herford. 100.000 Euro kostet die Beseitigung und Entsorgung des Laubes, das auf Straßen, Wege, Plätze, Grünanlagen und andere öffentliche Flächen vor Schulen und Rathäusern fällt. Rund 600 Tonnen bringen die Blätter auf die Waage, weiß der Geschäftsführer der Servicegesellschaft für Wirtschaft und Kommunen, Wolfgang Rullkötter. Die SWK hat als Auftragnehmer in diesen Tagen Hochsaison.

"Laubzeit ist Meckerzeit", sagt sein Bereichsleiter Straßenreinigung und Abfallbeseitigung, Uwe Friedrich. Kommt die SWK dem einen Bürger zu spät zum Einsatz, stöhnt der andere über die Laubbläser am frühen Morgen. Und Rullkötter ergänzt: "Alle wollen Bäume, aber niemand will das Laub."

Für die SWK ist es geboten, im Auftrag der Stadt die Verkehrssicherheit herzustellen. Denn nasses Laub ist glatt wie Schmierseife. Das bedeutet nicht, dass die Verkehrsteilnehmer rund um die Uhr frisch gefegte Straßen und Wege erwarten können. Im Schadensfall muss ein regelmäßiger Reinigungsrhythmus nachgewiesen werden, das reicht den Gerichten. Für die SWK mit ihrem Tourenplan ist das kein Problem. "Privatleute haben es da oft schwerer", sagt Rullkötter. "Beweisen Sie mal, dass Sie regelmäßig gefegt haben, wenn jemand Monate später, womöglich mit einem Zeugen, behauptet, er sei auf ihrem Laub ausgerutscht."

"Viele Leute glauben, wem der Baum gehört, der muss auch das Laub entfernen", sagt Rullkötter. Aber: "Das stimmt nicht. Entsorgen muss der, auf dessen Grundstück die Blätter fallen. Das ist eine Soziallast, die jeder zu tragen hat."

25.000 Einzelbäume der Stadt an Straßen, Plätzen und Grünanlagen verlieren im Herbst ihr Laub. Hinzu kommen die Blätter aus Waldstücken und die privaten Bäume. Oktober und November gelten als "Laubzeit". Für die SWK-Mitarbeiter bedeutet das jede Menge Überstunden. 1.800 Arbeitsstunden stecken nach Berechnungen Friedrichs in der Laubentsorgung. "Der Aufwand wiederholt sich alljährlich und ist immerhin einigermaßen kalkulierbar, auch wenn es einen Unterschied macht, ob die Blätter nass oder trocken sind", sagt er. Das ist anders als beim Winterdienst.

Für die SWK ist es rationeller, Laub schnell zu entfernen, als zu warten. Denn wenn erst die Abflüsse verstopft sind, ist der Aufwand der Reinigung höher. Zwei Drittel des "öffentlichen Laubes" sammeln die Kehrmaschinen ein, der Rest ist Handarbeit der Landschaftsgärtner mit Unterstützung von Laubbläsern. Das Laub von den Straßen gilt inzwischen wie der gesamte Straßenkehricht als so belastet mit Schmier- und Treibstoffen, dass es nicht kompostiert werden darf, sondern seit Jahren auf abgedichteten Sondermülldeponien verrotten muss. Die SWK kompostiert auch das Laub aus Grünanlagen nicht selbst, sondern bedient sich privater Dienstleister, die ebenso zertifiziert sein müssen, wie die SWK selbst.

Jeder Hausbesitzer ist verantwortlich für seinen Bürgersteig und darf das Laub nicht einfach in die Gosse fegen. Wenn in einer Straße die Reinigungspflicht beim Bürger liegt, muss er auch auf seine Kosten das Laub aus der Gosse entsorgen - allerdings nicht als Sondermüll. Vor Jahren hat die SWK in einigen Straßen von den Bürgern mit Laub gefüllt Säcke kostenlos abtransportiert. Das ist heute nicht mehr so, sagt Rullkötter, da es gebührenrechtlich zu einer Ungleichbehandlung von Bürgern geführt habe.

Wenn jemand stürzt - siehe oben - steht der Hausbesitzer in der Haftung. Das gilt auch, warnt Rullkötter, wenn sich der Postbote im Hauseingang das Bein bricht, weil nicht regelmäßig gefegt wurde. Vor Gericht ergeben sich allerdings oft schwierige Beweislagen, weil auch das Verhalten des Verunglückten eine Rolle spielt und rutschiges Laub auch als allgemeines Lebensrisiko aufgefasst wird. Auch in anderer Hinsicht ist die Rechtslage oft unbekannt. Nicht erlaubt ist es, Laub in den Wald zu karren, selbst wenn es von dort herüber geweht ist. "Viele glauben, das schadet dem Wald nicht", sagt Rullkötter. Dieser Irrtum wird als illegale Abfallentsorgung aufgefasst. Vor Strafe schützt preisgünstig der eigene Komposthaufen.

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