Aus der Serie "Palettenbilder" stammt die "Jahrhundertpalette". In dem Motiv zitiert Inge Höher weltbekannte Gemälde von Cézanne, Picasso, Matisse und Max Ernst. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Aus der Serie "Palettenbilder" stammt die "Jahrhundertpalette". In dem Motiv zitiert Inge Höher weltbekannte Gemälde von Cézanne, Picasso, Matisse und Max Ernst. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford Malerin mit eigener Weltsicht

Inge Höher präsentiert im Pöppelmann-Haus gegenständliche Malerei

Von Lothar Nenz

Herford. Mit gegenständlicher Malerei eröffnet der Herforder Kunstverein  die Ausstellungssaison 2013/14. Eingeladen hat er Inge Höher, Malerin aus Bielefeld und Florenz, wo sie  wechselseitig lebt und arbeitet.

In der Region und darüber hinaus ist die Kunstschaffende keine  Unbekannte. 32 Jahre war Inge Höher Professorin für Malerei und Zeichnung an der Fachhochschule Bielefeld,  Fachbereich Gestaltung.  "Malerhimmel _ Im Blickfeld des Malers" hat die Künstlerin ihre  Werkschau überschrieben, die punktuelle Einblicke in fast 50 Jahre bildhafte Auseinandersetzung bietet und bei  aller Weiterentwicklung in Ausdruck und Form eines unterstreicht: Inge Höher sieht stets ganz genau hin,  bevor sie mit der Umsetzung per Pinsel und Farbe beginnt.

Das Beobachten des Gegenüber, das Erfassen der Formen und Farben, münden  in exakten Vorzeichnungen, denn eine so überlegt gestaltende Malerin wie Inge Höher bringt nichts aus  dem Bauch heraus auf die Leinwand. Sie wägt jeden platzierten Pinselstrich ab. Das muss sie auch, denn die  von ihr verwandten, im Handumdrehen trocknenden Acrylfarben, fordern viel Konzentration.

"Da muss man  wie ein Weltmeister malen können", kommentiert sie den eiligen Farbauftrag.

Daneben sind Bilder in Dispersions- und Temperafarben zu sehen, ein  Sujet der Serie "Palettenbilder" ist mit Kohle auf die ungrundierte Leinwand skizziert. Daneben das Motiv in  zwei verschiedenformatigen Farbfassungen, in denen sie Arbeiten von Picasso, Max Ernst, Matisse und Cézanne  zitiert. In dieser Serie erinnert Frau Höher an die Paletten (und Motive) bekannter Maler. Gleich im Eingang (die Werkschau ist nicht chronologisch gehängt)  empfangen sechs Stillleben den Besucher, die mit einem recht locker gedeckten Tisch mit Sammelsuriumsstühlen  korrespondieren. Unschwer sind die "Künstler am Tisch" anhand typischer Beigaben zu entschlüsseln. Sehr offen aufgefasste Gouachen skizzieren den Garten der Villa Romana  oder Durchblicke zwischen Platanen hindurch.

Alle diese Blätter schildern Situatives, ohne ins gestaltete  Detail zu gehen. Immer malerisch in der Form, niemals fotorealistisch pingelig, sind die  vier großen Tempera-Arbeiten 1974 in Cadaques gemalt, und auch der aus vier Formaten zusammengesetzte  Gesamteindruck des Florentiner Fensters ist eine Hommage an die gegenständliche  Motivumsetzung á la Höher, die – es ist nicht zu leugnen – sich auf der selben Wellenlänge mit  David Hockneys Auffassung von Malerei bewegt. Vor der Natur studiert, im Atelier realisiert sind die Großformate  aus dem Boboli-Garten in Florenz. Mit der Kamera fotografierte Inge Höher von unterschiedlichen Standorten die  Gartenpracht. Aus den Fotos arrangierte sie eine Collage, in die sie möglichst viele Gartenelemente einfließen ließ.  

Diese Collage war wiederum Grundlage für die Zeichnung, deren farblich-malerische Umsetzung sie zwar im Atelier, aber  unter ständiger Konfrontation mit dem natürlichen Gegenüber in ruhigen Schritten verwirklichte.

Dass sie  dabei nicht das komplette Format farbig gefüllt, sondern Freiflächen als Kontrapunkte zum farbig gestalteten Motiv stehen gelassen hat, sorgt für zusätzliche Spannung im Bild.

Die Künstlerin, seit jeher der Schilderung von Interieurs zugeneigt, hat  in gleicher Technik ihr Florentiner Zuhause dargestellt, in der sich Formen präsentieren, überschneiden, Ornamente  aufleuchten, Aus- und Hinblicke zu einer ganz intimen Rundum-Information verschmelzen: Perfekt gemalt  und mit viel Atmophäre bereichert.

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