Herford Material, das Ordnung schafft

Einer der größten deutschen Hersteller für Büro- und Lernbedarf produziert in Herford

VON HARTMUT BRAUN
Inhaber Ralf Niehaus vor einer Musterwand mit Büroprodukten aus Herford. Jedes Jahr wird die Produktpalette ergänzt _ seit 1957. ⋌⋌Fotos: Frank-Michael Kiel-Steinkamp - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Inhaber Ralf Niehaus vor einer Musterwand mit Büroprodukten aus Herford. Jedes Jahr wird die Produktpalette ergänzt _ seit 1957. ⋌⋌Fotos: Frank-Michael Kiel-Steinkamp | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford. Wohl dem, der sein Wissen in Karteikästen zu ordnen versteht. Der dem täglichen Büro-Chaos mit Ablagen und Hängemappen, Sammelboxen und und Sortern begegnet, mit Haltern, Schalen, Spießern und Köchern. Das Lernen wird leichter, die Arbeit schneller, der Mensch behält die Übersicht. Ralf Niehaus weiß, warum seine Firma erfolgreich ist.     

Niehaus (Jahrgang 1965) ist Bielefelder, Familienunternehmer in zweiter Generation. Doch seine HAN Bürogeräte GmbH Co KG ist längst eine Herforder Firma. Die macht 13 Millionen Euro Umsatz, beschäftigt annäherd 80 Leute, hat zwei Standorte im Industriegebiet Diebrock und eine kleine Holz-Fertigung in Griechenland _ und gehört zu den führenden deutschen Bürobedarf-Herstellern. In Herford ist das kaum bekannt.
Angefangen hat Vater Hans-Benno Niehaus 1957 mit der Herstellung von Karteikästen aus Holz. Erst 1975 kamen Kunststoffprodukte dazu.

"Bei Karteikästen sind wir eindeutig Marktführer", sagt der Chef heute. Seine Croco-Lernboxen stehen in Abertausenden von Klassenzimmern. Die eleganten Kugelschreiber-Ständer mit Kette setzen Sparkassen bundesweit ein. HAN formt Schubladenkästen, Briefablagen, Boxen, Kuli-Köcher, Papierkörbe, Klammerspender; vielfarbig, transluzent, teils aus Recycling-Granulaten, für Fachhändler in 60 Ländern.

"Der Wettbewerbsdruck ist hoch und erzwingt jedes Jahr Neuigkeiten", verrät der Inhaber, der seinen Entwicklern eine feste Regel mit auf den Weg gibt: "Jedes neue Produkt muss einen Vorteil, einen zusätzlichen Nutzen, haben, sonst bringen wir es nicht." Immerhin sind so im Lauf der Jahre 1.000 Produkte zusammen gekommen, gruppiert in drei Zielgruppen-Sparten: Büro, Home-Office, Schule.

Zur Extrafunktion _ Beschriftung, Sockel, Spezialeinsätze, Farbakzente _ gehört das Design. HAN sieht sich als Markenartikler, da muss man den Unterschied zur Konkurrenz sehen. Die puristische i-Box, für die die Herforder den begehrten Red Dot-Award bekamen, zeigt, wie HAN diese Aufgabe angeht. Einige Produkte finden sich auch im Manufaktum-Programm. Niehaus: "Wir arbeiten seit Jahren mit einem Münsteraner Design-Büro zusammen."

1980 ist HAN mit der Produktion von Bielefeld nach Herford gezogen, als erste Firma im neuen Industriegebiet an die Daimlerstraße. 1985 wurde die Kunststoffertigung ausgeweitet; 2.000 entstand das Logistikzentrum an der Zeppelinstraße für 9.000 Paletten.

Ein Drittel der Produktion _ täglich werden in Diebrock bis zu fünf Tonnen Kunststoff aus den großen Silos verarbeitet _ geht in den Export. Frankreich ist der wichtigste, Rußland ein stark wachsender Markt.

Bislang hat die Digitalisierung die Expansion des lange auf klassische Papier-Kommunikation ausgerichteten Herforder Büro-Ausstatters nicht stoppen können. Doch die Bürowelt verändert sich. "Bestimmte Ablagen und andere Archiv-Produkte gibt es so nicht mehr", stellt der HAN-Inhaber fest, auch CD-Archivierung sei kaum noch ein Thema.

Er spricht statt dessen von neuen Produkten, die Tablets und Smartphones einbeziehen und erinnert daran, dass heute in fast jedem Haushalt ein Farbdrucker steht. Niehaus: "Auch das digitale Zeitalter braucht Hilfen für die Organisation des täglichen Lebens. Wir haben die Mittel und die Ideen, sie zu liefern."

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