Zum Abschied von Gerhard Homburg (4. v. l.) waren die früheren geschäftsführenden Gesellschafter Erich Hempelmann (2. v. l.) und Hermann Meier (r.) noch einmal gekommen. Udo Donges (l.) bleibt, Stefan Schneider (Mitte) kommt neu hinzu. - © FOTO: BITTNER
Zum Abschied von Gerhard Homburg (4. v. l.) waren die früheren geschäftsführenden Gesellschafter Erich Hempelmann (2. v. l.) und Hermann Meier (r.) noch einmal gekommen. Udo Donges (l.) bleibt, Stefan Schneider (Mitte) kommt neu hinzu. | © FOTO: BITTNER

Herford Die Männer, die Febrü neu erfanden

Mit dem Ausscheiden von Gerhard Homburg ist der Generationswechsel beim Büromöbelhersteller vollzogen

VON HARTMUT BRAUN

Herford. Nach der letzten Schicht vor den Betriebsferien traf sich die Febrü-Belegschaft noch einmal auf dem Rasen vor dem Bürogebäude zum Grillen. Es gab Salate, Getränke, Grillgut und einen besonderen Anlass: Abschied von Gerhard Homburg. Wobei man bei Febrü keine salbungsvollen Reden mag, wie sich wieder zeigte.

Hier geht man direkt, sachlich und pragmatisch miteinander um. Brunhild Redecker bat also nur kurz um die Aufmerksamkeit der 130 Kollegen und der Geschäftsführung: "Wir wollten", sagte die Marketing-Frau, "uns für all das bedanken, was Sie für dieses Unternehmen getan haben". Sprach's und überreichte dem langjährigen geschäftsführenden Gesellschafter einen Gutschein für eine Wochenendtrip mit Weinprobe in die Pfalz.

Derweil gingen die Gedanken der älteren Mitarbeiter zurück ins Jahr 1996: Das Jahr, in dem das stolze Herforder Büromöbel-Unternehmen mit dem Namen Felix Brünger (Febrü) und mehr als 1.000 Mitarbeiter, davon 400 in Herford, zahlungsunfähig wurde und Insolvenz anmeldete.

Für die Stadt Herford war es, nicht lange nach dem Konkurs des Schlafzimmerbauers Stüker, ein Schock: Febrü war eine Marke, international aufgestellt, zeitweilig Trendsetter in der Welt des modernen Büros. Allein in Herford drohte 400 Leuten die Arbeitslosigkeit, auch den Führungskräften.

Irgendwann setzten sich vier leitende Köpfe zusammen: Homburg gehörte dazu, Vertriebsleiter Erich Hempelmann, Hermann Meier und "Youngster" Udo Donges, der damals noch keine 40 Jahre alt war. Die anderen waren über 50.

Jetzt standen die Vier noch einmal zusammen und erinnerten sich daran, wie sie damals Febrü gerettet haben. "Wir haben Glück gehabt", stellt Erich Hempelmann fest. Und: "Die Kunden wollten, dass wir Erfolg hatten, sie wollten unsere Produkte." Doch es war nicht nur Glück.

Hempelmann hatte den Kontakt zu den Händlern. Ihm gelang es, zwei von ihnen als Gesellschafter ins Boot zu holen. Die anderen kalkulierten Kosten, analysierten die Produktion und durchforsteten die Programme.
Doch für ein "Management buy out" brauchten sie alle ihre Ersparnisse. "Wir mussten manche kritische Frage unserer Familien beantworten", verrät Homburg.

Mit der örtlichen Sparkasse gewannen sie einen umsichtigen Finanzpartner. Ulrich Girnus von der IG Metall half, dass Ansprüche der Alt-Beschäftigten die neue Firma nicht von vornherein in die Knie zwingen würden.

"Nedolux" hieß die neue Firma. Sie hatte ihren Sitz in Bünde und übernahm 39 Mitarbeiter. Man tat alles, um den Eindruck eines direkten Firmenübergangs zu vermeiden, nicht zuletzt weil 70 Mitarbeiter auf Übernahme geklagt hatten – die neue Firma hätte sie keinesfalls bezahlen können.

Es gab andere Risiken: Der Büromöbelmarkt gilt als sehr schwer kalkulierbar. Doch das Konzept der Vier ging auf. "Wir haben uns auf das Wesentliche konzentriert", sagt Udo Donges im Rückblick, "Qualität, Serviceanspruch, Flexibilität." Schon im ersten Jahr schrieb die neue Firma schwarze Zahlen.

Gewinne wurden sofort wieder investiert. Sie kauften die Marke Febrü vom Konkursverwalter und von Hettich eine Halle in Herringhausen. Schon nach zwei Jahren beschäftigte die Firma mehr als 90 Leute. 1999 zog das Unternehmen wieder komplett nach Herford um.

Seither hat sich der Markt für Büromöbel glatt halbiert. Viele Firmen haben aufgegeben. Doch Febrü ist gut aufgestellt: Hohe Fertigungstiefe in Metall- und Holzbau, Maschinenpark auf dem neuesten Stand, Konstruktion, Musterbau. Durch Messeauftritte und Eröffnung neuer Showrooms in Hamburg und Ansbach machen die Herforder sich wieder bekannt. Ihr Designanspruch erfüllt sich in mehreren "Red Dots". Aktuell bemüht man sich mit gutem Anfangserfolg um den russischen Markt.

Mit dem Ausscheiden von Gerhard Homburg (Jahrgang 1947) ist der Generationswechsel vollzogen. Hempelmann und Meier sind schon früher ausgeschieden. Homburg kommt aus Sundern, Vater und Großvater hatten eine Schreinerei. Nach Tischlerlehre und Studium in Detmold sammelte er Erfahrungen bei Siematic und Poggenpohl, ehe er 1980 zu Febrü kam.

Für ihn ist Stefan Schneider gekommen. Auch er kommt aus der Küchenbranche, hat für Nobilia und Siematic gearbeitet. Ganz am Ende ergriff Gerhard Homburg noch einmal das Wort. Auch er sagt nur zwei Sätze. Sie gelten den Mitarbeitern, die schon 1996 dabei waren und mit angepackt haben. "Ohne Sie", sagt der scheidende Geschäftsführer aus vollem Herzen, "ohne Sie hätten wir es nicht geschafft".

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