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Die Darstellung zeigt den Entwurf mit Blick zur Waisenhausstraße. - © GRAFIK: BORUTTA
Die Darstellung zeigt den Entwurf mit Blick zur Waisenhausstraße. | © GRAFIK: BORUTTA

Herford Abriss und Neubau auf der Kippe

Bäckerstraße 5-7: Das zweite Staffelgeschoss ist dem Beirat für Stadtbildpflege ein Dorn im Auge

VON CORINA LASS
06.05.2013 | Stand 06.05.2013, 12:00 Uhr

Herford. Die Bürger sind den Anblick schon lange leid: Die eingeschlagenen Fenster des Gebäudes Bäckerstraße 5-7 sind zugenagelt, die Wände beschmiert, Müll liegt in den Ecken, es stinkt nach Fäkalien. Schon vergangenes Jahr wollten die Eigentümer die Ruine abreißen und neu bauen. Der Bau- und Umweltausschuss könnte am Mittwoch, 8. Mai, die vorerst letzte Gelegenheit haben, ihnen das zu genehmigen.

Die ursprünglichen Pläne, die dem Gremium im September vorlagen, sahen ein viergeschossiges Gebäude mit Ladenlokal im Erdgeschoss, vier Wohneinheiten auf jeder der drei darüber liegenden Ebenen und zwei Penthauswohnungen im Staffelgeschoss vor (die NW berichtete). Die Parkplätze sollten an der Waisenhausstraße liegen.

Der Beirat für Stadtbildpflege begrüßte das Vorhaben, äußerte aber auch Kritik: Das Gebäude wirkte ihm entlang der Waisenhausstraße zu dominant und erdrückend. Er schlug eine Gliederung vor, zum Beispiel ein Vorder- und ein Hinterhaus herauszubilden oder den mittleren Teil in den oberen Geschossen zurückspringen zu lassen. Bis zur Bauausschusssitzung im September war der Investor darauf allerdings nicht eingegangen.

Wohl auch, weil er sich im Recht sah, wie Baudezernent Dr. Peter Maria Böhm damals erklärte. Die Einwirkungsmöglichkeiten der Stadt seien im Übrigen gering, betonte er. Der Bauausschuss sprach sich daraufhin einstimmig für das Vorhaben aus, bat den Investor aber, sich in Richtung der Wünsche des Stadtbildpflege-Beirats zu bewegen.

Im Laufe der nächsten Monate holten sich die Eigentümer mit der Gilde Stadtsanierung, die auch am Bergertor bauen will, einen potenten Partner ins Boot. Hintergrund ist nach Informationen der Neuen Westfälischen ein sich abzeichnender Nachbarschaftskonflikt; in solchen Rechtsstreitigkeiten hat das Schloß Holte-Stukenbrocker Unternehmen die größeren Erfahrungen.

Zudem musste wegen einer Brandschutzmauer umgeplant werden: Ursprünglich sollte in Richtung des Gebäudes des Kinderschutzbundes, Waisenhausstraße 1, eine Fensterfront entstehen. Dadurch geht ein Wohnraum verloren. Ein neuer Entwurf kompensiert die weggefallene Wohnfläche mit einem zweiten Staffelgeschoss. Irgendwie müssten sich die Investitionskosten ja refinanzieren, heißt es von Seiten der Gilde Stadtsanierung.

Die zweistöckige Maisonette-Wohnung sieht nun wiederum der Beirat für Stadtbildpflege "äußerst kritisch". Er empfiehlt dem Bau- und Umweltausschuss deshalb, dem Bauvorhaben nicht zuzustimmen. Damit wäre auch der versprochene Abriss bis zu den Hansetagen hinfällig. Der sei noch zu schaffen, wenn es am 8. Mai eine Baugenehmigung gebe, so ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage.

Gebe es keine Baugenehmigung, werde sich das Unternehmen allerdings vom Projekt zurückziehen. Und das sei keine leere Drohung. Das Unternehmen werde nicht in ein totgeredetes Projekt investieren, heißt es zur Begründung. "Denn dann würde unsere Reputation Schaden nehmen."

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