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Herford Schmuckstück aus Ruinen

Renovierte Fassade des Hauses Lübberstraße 29 entzückt Passanten

VON FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
04.05.2013 | Stand 02.05.2013, 19:48 Uhr
Ein Schmuckstück

Herford. "Ich habe es Manfred Schürkamp als Initiator des Hansetags versprochen - zum Großereignis in Herford ist die Fassade fertig. Jetzt ist das Gerüst abgebaut und das Haus sieht so schön aus, wie meine Frau und ich es erhofft haben", freut sich Jost Hammen, der das über viele Jahre heruntergekommene und als Schandfleck empfundene Gebäude Lübberstraße 29 gekauft hat, um es wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln. Nicht ganz so flott wie erhofft geht es aber mit dem Umbau im Inneren des Hauses voran.

"Immer wieder bleiben Leute stehen und freuen sich", sagt Hammen, der jetzt gern unerkannt vor dem gegenüber liegenden Geschäft seiner Frau "Suite 1560" steht und lauscht, wenn Sätze fallen wie: "So schön hat es noch nie ausgesehen" oder "Da hat der Hammen aus Ruinen richtig was gemacht."

Über lange Zeit hatte es durch das Dach hereingeregnet, sodass die Bausubstanz nachhaltig Schaden nahm. "Das wahre Ausmaß haben wir erst spät erkannt", sagt Hammen. Zur Schadensbegrenzung erteilte die Stadt schnell eine Baugenehmigung zur Sanierung der Fassade, die jetzt unter Denkmalschutz steht, und vor allem des Daches.

Schick und stilvoll erscheint das Haus Lübberstraße 29 nach der Sanierung der Fassade. Das sah vor einem Jahr (kleines Foto) noch ganz anders aus.
Schick und stilvoll erscheint das Haus Lübberstraße 29 nach der Sanierung der Fassade. Das sah vor einem Jahr (kleines Foto) noch ganz anders aus.

Die Baugenehmigung für den Umbau im Inneren steht trotz guter Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung noch aus. "Immer wieder tauchen Probleme auf, die anfangs nicht zu erkennen waren", sagt Hammen. Schwierig sind zum Beispiel die Auflagen des Brandschutzes in so alten Gebäuden zu erfüllen. "Ich kann schon verstehen, dass viele Leute die Finger von alten Häusern lassen, es entstehen schnell hohe Kosten."

Den Plan, den Neuen Markt mit einer Premium-Eisdiele zu beleben, musste Hammen zunächst auf Eis legen: "Dem Interessenten war die Fläche zu klein." So sucht er wieder Nutzer für ein 110 bis 120 und für ein 60 Quadratmeter großes Geschäft, deren Angebot so attraktiv ist, dass es Kunden in Richtung Neuer Markt lockt. Die Ladenebene ist zur Straße mit geschmackvollen, dunkel gestrichenen Türelementen aus Holz gestaltet, die sich angenehm von gesichtslosen Schaufensterfronten abheben.

Über den Geschäften ist die historische Fassade in elegantem Grau-Weiß gestrichen. Im ersten Stock sieht Hammen eine Anwalts-/Notariatskanzlei als Wunschmieter. Darüber liegen eine 120 und eine 79 Quadratmeter große Wohnung mit Balkonen. Das Penthouse ist schon an ein Herforder Ehepaar vermietet.

Im Dachbereich, von der Straße aus nur zu ahnen, sind Schmuckelemente wie Erker und Türmchen aus Zinkblech aufwändig rekonstruiert worden.

Im Inneren soll das Haus einen modernen Standard für die Mieter erfüllen. "Sonst trägt es sich auf Dauer finanziell nicht", weiß der Geschäftsmann. Er ist überzeugt: "Es gibt einen Trend in die Stadt. Hochwertige Wohnungen sind gesucht."

Information

Herberge am Pilgerweg

Seit letztem Monat ist Herford wieder Station am Jakobsweg.

Im Mittelalter war auch ein Vorgängerbau das Hauses Lübberstraße 29 eine Herberge für Jakobspilger.

In lebhafterer Erinnerung dürfte aber die Eisdiele Cortina sein, die hier zwischen 1970 und 2000 zuhause war.

Jost Hammen kann sich gut vorstellen, dass in seinem Haus auch eine Gastronomie mit zündender Idee Gäste locken könnte.

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