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Herford Wandel durch Handel

Herford will alten Hanse-Wirtschaftsbund beleben und fit für die Moderne machen

VON THOMAS HAGEN
20.04.2013 | Stand 19.04.2013, 19:31 Uhr
Wollen die Handels-Idee neu beleben, so etwas wie eine Wirtschafts-Initiative auf Hanse-Ebene formen. Auf die Gründungsversammlung im Juni freuen sich Ulrich Euscher, Birger Puls, Bruno Wollbrink, Marion Köhn und Manfred Schürkamp (v.l.). - © FOTO: BITTNER
Wollen die Handels-Idee neu beleben, so etwas wie eine Wirtschafts-Initiative auf Hanse-Ebene formen. Auf die Gründungsversammlung im Juni freuen sich Ulrich Euscher, Birger Puls, Bruno Wollbrink, Marion Köhn und Manfred Schürkamp (v.l.). | © FOTO: BITTNER

Herford. Einen richtig großen Brocken will die Stadt Herford bei den internationalen Hansetagen im Juni stemmen: Unternehmer aus Herford, Deutschland und dem Ausland werden die Wirtschafts-Hanse gründen. Die alten Werte des ehrbaren Kaufmanns sollen Basis für den grenzüberschreitenden Handel und Dienstleistungen des mittelständischen Unternehmertums aus der Region mit den Partnern sein.

"Es ist schon überraschend zu erfahren, dass gerade auch für junge Unternehmer die Werte der hanseatischen Kaufleute gefragt sind", sagt "Mr. Hanse", Manfred Schürkamp. Gerade in Zeiten globalen Handels legten die Kaufleute wieder Wert darauf, ihre Partner von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen und hätten auch keine Scheu vor dem Ritual, Geschäfte per Handschlag zu besiegeln.

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Das Erfolgsmodell Hanse

Sie wird als ältester und erfolgreichster Zusammenschluss von Kaufleuten gehandelt. Seit dem 12. Jahrhundert gab es den losen Verbund von Fernhändlern.

Grundlage der Geschäfte waren die Werte Ehrlichkeit, Fairness und Vertrauen.

Die positiven Charaktereigenschaften des ehrbaren Kaufmanns sind bis heute untrennbar mit der Hanse verbunden.

Hanse wurde die 1980 in Zwolle als touristisch und kulturell ausgerichtetes Netzwerk aus aktuell 182 Städten in 16 europäischen Ländern als größte freiwillige Städtegemeinschaft neu gegründet.

"Die Qualität der Kontakte und Partnerschaften hat durch Globalisierung und Internet gelitten", sagt Marion Köhn, Projektleiterin für die Hanse-Wirtschaftskonferenz. Seit den Tagen der Wirtschafts-Hanse habe sich vieles geändert - nicht die Grundsätze kaufmännischen Handelns. "Es geht um Umsatz und Gewinn", sagt Köhn.

Nun soll der wirtschaftliche Gedanke die Hanse durchströmen. Das Leitmotiv ist simpel: Moderner Handel auf Basis traditioneller Werte. "Die Wirtschafts-Hanse soll eine Heimstatt sein für Unternehmen, die wieder Wert auf Werte legen in der globalisierten Geschäftswelt", sagt Köhn.

Birger Puls arbeitet in Bad Salzuflen bei der Treu, Gesellschaft für Kommunikation, und ist ganz sicher, dass seit den jüngsten Krisen der Wunsch nach dem "Brutto-Wohlfühl-Faktor" stärker geworden ist. "Die Eckpfeiler sind Vertrauen und Sympathie. Es geht doch darum, dass es einem gut geht. Was zählt ist das Wahrhaftige, das Echte."

Einer der bislang zehn Gründungsmitglieder der Wirtschafts-Hanse ist Ulrich Euscher, dessen Firma Archimedes gerade in Herford an der Engerstraße seinen Unternehmenssitz neu baut. "Unsere Region wird getragen vom Mittelstand, die Hanse auch. Da ist es nur logisch, dass man als Kaufmann da mitmacht", sagt Euscher. Ein hanseatischer Kaufmann habe stets den Gedanken fairen Geschäftemachens gelebt - auch mit einem gesunden Risiko.

"Was vorangebracht werden will, muss ein Gesicht haben", ist sich Euscher sicher. Dass die Region die Krisen so gut bewältigt habe, liege daran, dass es immer noch viele Inhaber geführte Unternehmen mit hohem Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern gibt. Auch seine Erfahrung sei, dass junge Unternehmer zunehmend das Wertegerüst der Hanse suchen.

Nun gilt es, die Hanse als Marke und Synonym für ehrenwerte Geschäfte wieder aufzubauen. Nicht nur für Firmen aus Hanse-Metropolen wie Hamburg, sondern auch aus Herford oder Minden. "Diese Neugründung bringt uns in besondere Verantwortung Wir sind zum Erfolg verdammt", sagt Bürgermeister Bruno Wollbrink.

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