Herford Heinz Schön hat für Herford viel getan

Im Alter von 86 Jahren ist der Ex-Verkehrsdirektor und Chronist der "Gustloff-Katastrophe" gestorben

VON HARTMUT BRAUN
Heinz Schön ist am 7. April nach kurzer Krankheit gestorben. Von 1953 bis 1990 stand er in den Diensten der Stadt Herford.
Heinz Schön ist am 7. April nach kurzer Krankheit gestorben. Von 1953 bis 1990 stand er in den Diensten der Stadt Herford.

Herford. Das Fest der Eisernen Hochzeit hat er im Kreis der Familie noch fröhlich gefeiert im letzten Sommer. Da steckte der 86-Jährige voller Geschichten. Sogar ein weiteres Buch wollte er schreiben. Doch das schaffte er nicht mehr: Am 7. April ist der Marketing-Macher, Event-Manager, Theaterleiter, Historiker und vielfache Buchautor gestorben.

Bis wenige Wochen vor seinem Tod lebte er in seinem Haus in Lockhausen. Erst dann verließen ihn die Kräfte. In einem Seniorenstift in Bad Salzuflen verbrachte er die letzten Tage seines Lebens.

Letzten Freitag war die Trauerfeier in der Neuapostolischen Kirche in Herford, ohne lokale Prominenz, aber mit der Familie - Ehefrau, drei Kinder, acht Enkel, drei Urenkel - und der Gemeinde. Es war der Abschied von einem Mann, der mit seinen Talenten und seinem Fleiß die Nachkriegsentwicklung Herford geprägt hatte wie wenige andere.

Dass Herford ein Stadttheater hat, ist vor allem ihm zu verdanken. Er entwickelte ein Kulturangebot, das einer Großstadt würdig gewesen wäre, und zwar mit begrenzten finanziellen Ressourcen und lange Zeit als eine Art Ein-Mann-Agentur.

Die Innenstadtfeste - vom Hoekerfest bis zum Weihnachtsmarkt - sind von ihm "erfunden" und in Teamarbeit mit vielen Akteuren aus der Bürgerschaft weiter entwickelt worden. Er förderte vehement die internationalen Partnerschaften.

Dass Herford zeitweilig - trotz der Nähe zum Oberzentrum Bielefeld - eine in der Region gefragte Einkaufsstadt mit deutlich positivem Kaufkraft-Saldo war, hat viel mit ihm und seinen Marketing-Ideen zu tun.

Doch das sind nur seine örtlichen Meriten: Bundesweit bekannt wurde Heinz Schön als Chronist der letzten Weltkriegsereignisse auf der Ostsee und des Schiffes "Wilhelm Gustloff", dessen Untergang als Flüchtlingsschiff er als Zahlmeister-Assistent überlebte.

Er schrieb darüber viele Bücher, baute ein bedeutendes Archiv auf, beriet Filmemacher, Drehbuchautoren und Forscherkollegen. Heinz Schön war "der" Experte zu diesem Thema - und stand noch einmal im Mittelpunkt, als Josef Vilsmaier 2007 mit Heiner Lauterbach und Kai Wiesinger die Gustloff-Katastrophe als Zweiteiler für das ZDF verfilmte und ihn als Berater anheuerte.

Seine ersten Bücher hatte er neben der Berufstätigkeit geschrieben, das erste 1953. Nach 1990 konnte er dem Thema seines Lebens mehr Zeit widmen.

In Göttingen hatte der junge Flüchtling seine Ehefrau Käte 1945 kennen gelernt. Dort baute er eine Volkshochschule auf, ehe er 1953 als städtischer "Werbeleiter", später Verkehrsdirektor, nach Herford. - 1953 bis 1990: Das war seine aktive Zeit in Herford, es waren gute Jahre für das kulturelle Leben und den Einzelhandelsstandort. Herford hat Heinz Schön viel zu verdanken.

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