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Kreis Herford Einbruch in 14 Trauerhäuser

Angeklagter legt zu Prozessbeginn Geständnis ab

VON PETER JOHNSEN
11.04.2013 , 12:39 Uhr

Kreis Herford/Bielefeld. Mit einer nicht neuen, dafür aber besonders niederträchtigen Masche soll der 57-jährige Irhad S. in der Zeit vom 4. Juni bis 6. Juli 2012 in ganz Ostwestfalen Wohnungseinbrüche begangen haben.

Er sah sich die Traueranzeigen in Zeitungen an und plünderte die Häuser aus, während die Bewohner auf der Beerdigung waren. Mehrere Opfer kommen aus dem Kreis Herford.

Vor der II. Großen Strafkammer des Landgerichts begann gestern der Prozess gegen den Bosnier, der bereits wegen anderer Straftaten abgeschoben wurde und illegal wieder einreiste.

Staatsanwalt Golo Osthoff wirft ihm 14 derartige Taten vor, begangen im Kreis Herford in Enger, Löhne, Bielefeld, Versmold, Enger, Detmold, Ahlen, Lügde, Bad Salzuflen, Oerlinghausen und Hüllhorst. Der Angeklagte räumte gestern sämtliche Fälle pauschal ein, wollte aber zunächst keine weitergehenden Fragen beantworten.

Als die Zahl der Wohnungseinbrüche ab April 2012 drastisch anstieg und sich das Muster, nach denen sie verübt wurden, abzeichnete, wurde bei der Bielefelder Kripo die Ermittlungskommission "Requiem" gegründet. Am 6. Juli tappte der Täter in die ihm gestellte Falle. An diesem Tag hatten sich in allen in Frage kommenden Häusern Polizisten versteckt.

Gegen 11.20 Uhr bemerkten die drei Beamten, die in einem Zweifamilienhaus in Heepen lauerten, den Angeklagten. Nachdem er ein paarmal an dem Gebäude vorbeigefahren war, drang er durch ein Toilettenfenster in das Haus ein und wurde im nächsten Augenblick festgenommen. Er hatte Einbruchwerkzeug und 2.400 Euro Bargeld bei sich.

Zu Beginn des Prozesses erörterten die Verfahrensbeteiligten die Möglichkeit eines sogenannten Deals. Zu dieser umstrittenen Verständigung im Strafverfahren nach dem Prinzip Geständnis gegen mildes Urteil hatte das Bundesverfassungsgericht vor kurzem eine Grundsatzentscheidung gefällt.

Verteidiger Detlev Binder hielt im Falle des Zustandekommens eine Haftstrafe von drei bis vier Jahren für angemessen. Staatsanwalt Osthoff zeigte sich nicht grundsätzlich abgeneigt und nannte als Mindeststrafe vier Jahre. Das Gericht spielte jedoch nicht mit.

Vorsitzender Georg Zimmermann teilte nach Beratung mit, dass sich die Kammer nicht im Stande sehe, eine Strafunter- oder -obergrenze festzulegen. Danach begann die Beweisaufnahme mit Zeugenvernehmungen. Der Prozess wird heute fortgesetzt.