0
Die Fotos zeigen die Soja-Säuglingsnahrung und das Herforder Humana-Werk. - © MONTAGE/ARCHIVFOTO: KIEL-STEINKAMP
Die Fotos zeigen die Soja-Säuglingsnahrung und das Herforder Humana-Werk. | © MONTAGE/ARCHIVFOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford Urteil im Skandal um Babynahrung

Richter: Remedia-Mitarbeiter in Israel der fahrlässigen Tötung schuldig

VON JOBST LÜDEKING VON JOBST LÜDEKING
14.02.2013 | Stand 13.02.2013, 20:21 Uhr

Herford/Petach Tikva. Rund neun Jahre nach dem Soja-Säuglingsnahrungsskandal um das Herforder Unternehmen Humana und seinem israelischen Partner Remedia hat ein Gericht in der israelischen Stadt Petach Tikva einen Nahrungsmittel-techniker wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und einen früheren Remedia-Vorstandschef sowie dessen Stellvertreter und Anteilseigner freigesprochen. Das berichtet die Zeitung Haaretz. Das Strafmaß gegen den Angeklagten soll in Kürze verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft in Israel hatte bereits 2004 Anklagen gegen die Beschäftigten des Unternehmens erhoben. Dabei ging es um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung.

Die fehlerhafte koschere Soja-Milch, deren Vitamin-B1-Gehalt zu gering war, war von Humana in Herford produziert worden. Zwei Kinder sollen aufgrund des Vitaminmangels im November 2003 gestorben sein. Weitere 23 Kinder sollen schwere gesundheitliche Schäden davongetragen haben.

Nach Ansicht des israelischen Gerichts liegt die Hauptschuld bei Humana: Dort sei es zu einer Serie schwerwiegender Fehler gekommen, erklärte der Richter. Was immer Humana aber auch getan habe, entbinde den angeklagten Lebensmitteltechniker nicht von seiner Verantwortung für den Vertrieb sicherer Nahrungsmittel.
Humana und Remedia hatten bereits im Jahr 2004 Schadenersatzzahlungen an die Familien der Kinder geleistet. Nach unbestätigten Berichten hatte das heimische Unternehmen, das mittlerweile in Teilen mit Nordmilch fusioniert ist, 18,5 Millionen Euro an die Familien bezahlt.

Der Milchprodukthersteller hatte eine Verantwortung am Tod der Kinder in Israel eingeräumt. Durch fehlerhafte Berechnungen habe das Unternehmen in der für den israelischen Markt bestimmten Sojamilch zu wenig Vitamin B1 beigemischt, hatte der damalige Vorstandssprecher mitgeteilt. Ursache sei menschliches Versagen in der Produktionskontrolle gewesen. Das Management hatte von einer Verkettung unglücklicher Umstände gesprochen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte danach Ermittlungen gegen mehrere Humana-Mitarbeiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Die jahrelangen Ermittlungen, die sich unter anderem wegen wechselnder Gutachter und fehlender Autopsie-Ergebnisse der Babys als schwierig darstellten, waren 2009 gegen Geldzahlungen eingestellt worden.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group