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HERFORD Der Weg des Abofallen-Geldes

Im Dresdner Kino.to-Prozess und in einem Herforder Wirtschaftsstrafverfahren gibt es eine Schlüsselfigur

VON JOBST LÜDEKING VON JOBST LÜDEKING
09.06.2012

Herford. Tausende Bundesbürger haben sie erhalten, weil sie angeblich auf der Internet-Seite Megadownloads Computerprogramme heruntergeladen und einen Abo-Vertrag abgeschlossen haben sollen: Rechnungen und Mahnungen über bis zu 156 Euro, die von Inkassobüros aus dem Kreis Herford stammten. Dafür interessiert sich die Staatsanwaltschaft Hannover. Wie nun bekannt wurde, gibt es über Herford und Wien Spuren zu einem der größten Internet-Strafverfahren der letzten Jahre: Kino.to.

Die Seite Kino.to, auf der Raubkopien von Filmen gezeigt wurden, hatte Millionen Nutzer und gehörte bis zu ihrer Sperrung durch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden zu den Top 50 der meistgeklickten deutschen Internet-Seiten. Als Schlüsselfigur gilt hier und auch in dem Herforder Verfahren ein Geschäftsmann aus Wien.

Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft bestätigte Ermittlungen gegen den Mann, ebenso die Staatsanwaltschaft Hannover: "Die Dezernenten in Hannover und in Dresden haben Kontakt aufgenommen, um sicherzustellen, dass es nicht zu Überschneidungen bei den Ermittlungen kommt", ergänzte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe, Sprecher der Schwerpunktsaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hannover. Die niedersächsischen Strafverfolger haben mehrere Personen aus dem Kreis Herford im Visier. Das hochkomplexe Verfahren wegen Betrugs, Geldwäsche und Verstoßes gegen das Urheberrecht wird beim Landeskriminalamt geführt.

Wie viel Geld durch die Abo-Masche und Inkassobüros eingenommen wurde, konnte die Staatsanwaltschaft Hannover erahnen, als sie 2009 Konten eines Firmen-Ablegers der Herforder einfror und damit die Ermittlungen ins Rollen brachte: Binnen Wochen hatten Tausende Opfer weit mehr als eine Million Euro eingezahlt. Geld, das letztendlich nach Wien wandern sollte, so der Verdacht.

Parallel zeigte sich der mutmaßliche Wiener Empfänger bei der Seite Kino.to generös. Nach Angaben verurteilter Kino.to-Betreiber vor dem Landgericht Dresden soll der als Abofallenbesitzer geltende Wiener nach einer Abmachung monatlich Zahlungen in Höhe von 250.000 Euro an die illegale Webseite geleistet haben. Damit trug er maßgeblich zu deren Finanzierung bei.

Für das Geld wurde auf Kino.to wiederum Werbung für eigene fragwürdigen Webseiten gemacht...

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