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HIDDENHAUSEN "Eule" und "Rostige Gartenschere"

BUND verleiht Umweltpreis an Friedel Heuwinkel und Elmar Brok

VON THOMAS HAGEN

Hiddenhausen. Bei der Diskussion um die Schaffung eines Nationalparks auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Senne sind diese Beiden innerhalb der Christdemokraten die personifizierten Ying und Yang: Europaparlamentarier Elmar Brok als vehementer Gegner und der lippische Landrat Friedel Heuwinkel als ebenso glühender Befürworter.

Für ihre jeweilige Haltung gab es am Wochenende auf Gut Bustedt Lob und Tadel - in Form des Umweltpreises "Eule" und der "Rostigen Gartenschere" von der Kreisgruppe Herford des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Brok und Heuwinkel sind in der Sache unnachgiebig.

Brok, der Polit-Profi aus Bielefeld, war in der zwölfjährigen Geschichte des Umweltpreises und seines Gegenstücks nach Rüdiger Meyer (Kirchlengern) erst der zweite "Preisträger", der den Gang in die Höhle des Löwen ins Biologiezentrum Gut Bustedt wagte. Zu vorgerückter Stunde bekam er "als Denkanstoß" ordentlich was eingeschenkt von Karsten Otte, dem Sprecher der heimischen Umweltverbände.

99 Prozent der Wälder forstwirtschaftlich genutzt

"Sie haben den Naturschutz zur politischen Kampfzone erklärt und sich an die Spitze der Gegner des Nationalparks gestellt, sogar kürzlich das Berger-Gutachten als bestellt bezeichnet. Wo bleibt denn Ihre Verantwortung für den Artenschutz?"

85 Prozent der Bevölkerung seien für das Projekt und auch die Bundesregierung habe die Eckpunkte festgeklopft: fünf Prozent des deutschen Waldes sollen unter Schutz gestellt werden. "Von den 180.000 Hektar Wald in Ostwestfalen sollen gerade mal 3,5 Prozent stillgelegt werden - in Deutschland werden 99 Prozent der Wälder forstwirtschaftlich genutzt - da sei ein Nationalpark Senne wahrlich kein Luxusprojekt, sagte Otte.

Brok verteidigte seine Haltung: "Ich bin ein Junge der Senne. Nicht alles ist an jedem Ort richtig, auch wenn es grundsätzlich richtig ist. Ich will die Senne so erhalten wie sie ist. Und so geblieben ist sie durch die militärische Nutzung." Ein Nationalpark in der Eifel sei dagegen völlig richtig.

Brok zog sich pikiert zurück

Vor allem anderen gelte: "Die Einheit aus Wirtschaft, Finanzen, Sozialem und Umwelt, sie muss die vernünftige Balance fürs Gemeinwohl sein. Mehr Tourismus in der Senne ist blanker Unsinn, wir müssen die Bundeswehr dort halten." Als Brok aus dem Auditorium Lobbyismus vorgeworfen wurde, zog er sich pikiert zurück.

Ganz anders "Eulen"-Preisträger Friedel Heuwinkel, ebenfalls CDU:
"Die Beharrlichkeit mit der Sie sich seit 2007 für den Nationalpark auch gegen Meinungen in der eigenen Partei stark gemacht haben, kann man nur so bezeichnen:

Sie sind ein lippischer Dickschädel", sagte Bernd Meier-Lammering in seiner Laudatio. Heuwinkel, ebenfalls am Rande des Senne-Areals groß geworden, will vor allem eines: "Die Natur Natur sein lassen."

Gerade wirtschaftsstarke Räume wie OWL müssten dazu in der Lage sein. "Wir denken nur in Schubladen, das ist schade." Natürlich werde der Tourismus ein wichtiger Faktor sein und für Arbeitsplätze sorgen, sollte der Nationalpark Wirklichkeit werden.

Schließlich seien speziell in der Möbelindustrie Lippes 6.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

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