Heiko Ploeger wurde im Alter von 46 Jahren von den Nazis hingerichtet. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Heiko Ploeger wurde im Alter von 46 Jahren von den Nazis hingerichtet. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

HERFORD Das zukünftige Erinnern an Heiko Ploeger

Schulen sollen Gedenkveranstaltung ausgestalten / Preisvergabe nach politischem Streit abgeschafft

VON BARBARA GLOSEMEYER

Herford. Der Kulturbeirat hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, für den Herforder NS-Widerstandskämpfer Heiko Ploeger jährlich eine Gedenkveranstaltung an dessen Geburtstag, dem 15. September, auszurichten. Damit es aber nicht nur beim Erinnern bleibt, sollen Schüler der weiterführenden Schulen die Veranstaltung modern und zukunftsgerichtet ausgestalten.

Stadtarchivar und Ploeger-Biograph Dieter Begemann stellte den Beiratsmitgliedern diesen Vorschlag der Verwaltung vor. Alle stimmten nach kurzer Diskussion dafür.

Damit ist eine neue Regelung gefunden worden, nachdem der Heiko-Ploeger-Preis für Zivilcourage 2010 erstmals nach 22 Jahren nicht vergeben werden konnte. Die aus Politikern besetzte Jury hatte sich damals nicht auf einen Preisträger einigen können. Der aussichtsreiche Kandidat, Pfarrer Berthold Keunecke, war von der CDU abgelehnt worden, weil er gegen geltendes Recht verstoßen habe. Keunecke hatte eine Kurdin und deren Töchter bei sich aufgenommen, nachdem deren Asylantrag abgelehnt worden war.

Der Streit darüber hatte eine grundsätzliche Diskussion über die Preisvergabe in Gang gesetzt, am deren Ende der Ratsbeschluss im Oktober vergangenen Jahres stand, den Preis ganz abzuschaffen.

Dieter Begemann erläuterte im Kulturbeirat, dass die angedachte Gedenkveranstaltung keine Konkurrenz zu anderen Kranzniederlegungen, geschweige denn zu anderen Opfern sein dürfe. Es sei auch zu wenig, "ein Treffen Gutwilliger" zu organisieren, die "sich gegenseitig versichern, dass sie einer Meinung sind".

Ausgangspunkt der Gedenkveranstaltung sollten deshalb Worte Ploegers aus seinem Abschiedsbrief sein, den er aus der Todeszelle an seine Frau und seine Eltern schrieb: "Ich hoffe, dass ein freies Deutschland für Euch entsteht. Ich habe dafür gestrebt und gelitten. Deutschland wird es anerkennen." Dieser Gedanke, Ploegers Hoffnung für die Zukunft, "verbieten jede Form des ritualisierten Gedenkens", sagte Begemann. Deshalb soll die inhaltliche Ausgestaltung des Gedenkens jedes Jahr an eine der weiterführenden Schulen vergeben werden. Vorschriften für die Art der Präsentation gibt es nicht, einzige Vorgabe ist, dass sie sich inhaltlich mit den letzten Worten Ploegers auseinandersetzt. Für die Ausgestaltung bekommen die Schüler die 1.000 Euro, die früher der Preisträger erhalten hat.

Eine kurze Diskussion gab es im Kulturbeirat über die Modalitäten der Vergabe an die Schulen: Wie läuft das Bewerbungsverfahren, wer entscheidet, und wollen die Schulen das überhaupt? Letztere Bedenken konnte Begemann ausräumen. Er habe bereits vorgefühlt und sei auf großes Interesse bei Lehrern wie Schülern gestoßen, so dass dies kein Problem darstelle. Bei der Auswahl der jeweiligen Schule und Klasse bat Kulturdezernent Ernst Meihöfer um Vertrauen in die Verwaltung: Sie werde das einvernehmlich mit den Schulen regeln. Außerdem versprach Meihöfer auf Vorschlag von Christa Kollmeier (SPD), sich um Fördermittel des Landes zu bemühen.

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