Auf dem Friedhof "Ewiger Frieden" ist Heiko Ploeger beigesetzt. Er wurde im Alter von 46 Jahren von den Nazis hingerichtet. Stadtarchivar Dieter Begemann hat das Leben des Widerstandskämpfers aufgearbeitet und den Preis initiiert. Das Foto mit ihm am Grab entstand im Juni 2008. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Auf dem Friedhof "Ewiger Frieden" ist Heiko Ploeger beigesetzt. Er wurde im Alter von 46 Jahren von den Nazis hingerichtet. Stadtarchivar Dieter Begemann hat das Leben des Widerstandskämpfers aufgearbeitet und den Preis initiiert. Das Foto mit ihm am Grab entstand im Juni 2008. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

HERFORD Politik streitet um Heiko-Ploeger-Preis

Mehrheit im Rat setzt die Abschaffung nach 22 Jahren durch

VON BARBARA GLOSEMEYER

Herford. Eine Ratsmehrheit aus CDU, FDP, Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004) und Heiko Krüger (Bürger für Herford) hat am Freitag entschieden, dass in Zukunft kein Heiko-Ploeger-Preis mehr vergeben werden soll. Dennoch wird es ihn weiter geben: Die Stadtverbandsvorsitzende der SPD, Christa Kollmeier, kündigte an, dass die SPD den Preis für Zivilcourage, Freiheit und Menschenrechte künftig alle zwei Jahre stiften werde.

Vorausgegangen war eine Diskussion, in der es im wesentlichen um die Frage ging, ob es in der Gegenwart geeignete Preisträger geben kann.

Information
Der Preis

Der Heiko-Ploeger-Preis wurde seit 1988 vergeben, zunächst jährlich, dann alle zwei Jahre. Er war mit 1.000 Euro dotiert. Die Idee dazu hatte Stadtarchivar und Heiko-Ploeger-Biograf, Dieter Begemann.

Die Preisträger: 1988 Mathilde Möller, 1989 Herbert Heinemann , 1990 Max Lackmann, 1991 Wilhelm Wiedemann, 1992 Anneliese Höcker, 1993 kein Preisträger, 1994 Erich Neugebauer, 1996 Ursula Hasse-Dreesing, 1998 Karin Paetow-Froese und Rüdiger Froese, 2000 Geschichtswerkstatt (Helga Kohne), 2002 Deutscher Kinderschutzbund (Ortsverein Herford), 2004 Dr. Winfried Eisenberg, 2006 Jutta Heckmanns, 2008 Hilde Lehnert.
(bag)

Hintergrund

Hintergrund für die Diskussion um eine Neuausrichtung des Heiko-Ploeger-Preises sind Querelen um den Kandidaten des Jahres 2010, Pfarrer Berthold Keunecke. Er hatte eine Kurdin und deren Töchter bei sich aufgenommen, deren Asylantrag abgelehnt worden war. Die CDU lehnte den Pfarrer ab, weil er gegen geltendes Recht verstoßen hatte und sie in ihm keinen würdigen Preisträger sah. Kritik äußerten neben der CDU aber auch andere Parteien daran, dass die Nominierung durch Indiskretionen früh öffentlich geworden war und auch, dass es keine weiteren Vorschläge gab. Daraufhin wurde die Preisverleihung 2010 ausgesetzt. (bag)

Für die CDU kann es sie nicht geben, weil, wie Bärbel Müller sagte, es "zynisch ist, den Widerstand von Heiko Ploeger im Nationalsozialismus mit zivilem Ungehorsam in unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung gleichzusetzen ".

Die CDU plädierte stattdessen für eine Kranzniederlegng und eine Gedenkveranstaltung jeweils am 15. September eines Jahres, dem Todestag von Heiko Ploeger, der 1944 wegen "Hochverrats" von den Nazis hingerichtet wurde. Er hatte ausländische Rundfunksender abgehört und mit Arbeitskollegen über eine neue Gesellschaftsordnung nach einer Ablösung der NS-Diktatur diskutiert.

Aus Sicht von Ruth Fricke (SPD) dient der Preis dagegen nicht nur der "Erinnerungskultur". Er sei auch "kein verkappter Ehrenamtspreis", sondern stehe für Zivilcourage. "Die braucht man auch heute noch, um auf Missstände hinzuweisen", sagte die Vorsitzendes des Kulturbeirats.

Irine Broßeit (Die Grünen) betonte, dass die Stadt mit diesem Preis ein "Alleinstellungsmerkmal" habe, das man nicht aufgeben solle.

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