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HERFORD Neue Briefe enthalten alte Abzock-Masche

Im Kreis Herford sind wieder Zahlungsaufforderungen von Abofallen eingegangen

VON JOBST LÜDEKING
01.10.2011 | Stand 30.09.2011, 20:29 Uhr
Dafür interessiert sich die Staatsanwaltschaft.
Dafür interessiert sich die Staatsanwaltschaft.

Herford. Während die Staatsanwaltschaft Hannover und das Landeskriminalamt Niedersachsen im Kreis Herford bereits gegen mutmaßliche Hintermänner einer so genannten Internet-Abofalle ermitteln, kursieren im Kreisgebiet neue Mahnschreiben.

Wieder ist es ein Unternehmen, dessen Angebot und Mahnverfahren stark an das Vorgehen der Firmen um die als Internet-Abzockseite bekannte Adresse Megadownloads erinnern: Gratissoftware wie das Textverarbeitungsprogramm Open Office oder die Fotosoftware Irfanview, die eigentlich gratis heruntergeladen werden können, werden auch hier kostenpflichtig angeboten. Aktuell stammt die Post aber aus Mecklenburg-Vorpommern, genauer aus Kröpelin von einer Firma namens "Miranavo Content Plus".

96 Euro für einen angeblich abgeschlossenen Abo-Vertrag plus 10 Euro Mahngebühr soll etwa ein Herforder Rentner zahlen. "Ich bin niemals auf der Seite gewesen, noch habe ich deren Angebot genutzt", so der angemahnte Herforder, der anonym bleiben möchte. Auch habe er zuvor keine Rechnungen erhalten. Dennoch heißt es im Schreiben "Trotz Zahlungserinnerung haben Sie die Rechnung vom 22.8.2011 bisher nicht zum Ausgleich gebracht.

Leider sehen wir uns nun gezwungen, diese Angelegenheit durch unsere Anwaltskanzlei einzufordern." Schließlich wird mit Folgen eines gerichtlichen Mahnverfahrens wie einem Schufa-Eintrag gedroht. Die Opfer sollen so offensichtlich massiv unter Druck gesetzt werden.

Verbraucherzentralen, die seit Jahren gegen Abofallen kämpfen, raten, Widerspruch einzulegen und auch Strafanzeigen zu erstatten. Wegen Betrugsverdachts hat auch der Herforder den Weg zur Kripo an der Hansastraße gewählt. "Ich werde nicht zahlen", erklärt der Mann. Wie bereits berichtet, geht die Staatsanwaltschaft Hannover im Herforder Ermittlungsverfahren dem Verdacht nach, dass die Kunden gar nicht die Internetseite besucht haben, sondern ihre Adressdaten gekauft oder eventuell irgendwo kopiert wurden.

Zumindest einträglich war das Geschäft, denn auf den von der Staatsanwaltschaft Hannover eingefrorenen Konten befinden sich weit mehr als eine Million Euro. Offenbar möchten auch die Verantwortlichen des Kröpeliner Unternehmens Kasse machen. Über eine 900-er Nummer im Internet für knapp einen Euro je Minute könnten sich die Opfer an sie wenden - oder aber per Mail. Die Anfrage der NW zum Thema Abofalle wurden nicht beantwortet.

Dafür ist die Firma mit ihren Verantwortlichen ein Fall für die Rostocker Staatsanwaltschaft. "Es gibt ein umfangreiches Sammelverfahren bei uns", bestätigte die Sprecherin.

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