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HERFORD/HANNOVER LKA ermittelt im Internet-Fall

Spuren führen nach Herford und Vlotho

VON JOBST LÜDEKING
24.09.2011 | Stand 23.09.2011, 20:25 Uhr

Herford/Hannover. Es ist eines der umfangreichsten Wirtschaftsverfahren, das Beschuldigte aus dem Kreis Herford betrifft: Die Ermittlungen rund um die als "Internet-Abzock- und -Abofalle" bekannt gewordene Seite "Megadownloads" und das Inkassounternehmen L&H. Geführt wird der Komplex bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hannover, die Konten mit mehr als einer Million Euro eingefroren hat.

Wie jetzt bekannt wurde, hat das Landeskriminalamt Niedersachsen die Ermittlungen übernommen, bestätigte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Anklagebehörde ermittelt seit mehr als eineinhalb Jahren "wegen des Verdachts des Betrugs und wegen möglicher Verstöße gegen das Urheber- und Markenrecht". Der Fall habe möglicherweise auch Auslandsbezüge. Nach Informationen aus dem Internet führt eine der Spuren dabei zu mehreren Verdächtigen nach Österreich. Deshalb und auch aufgrund des Umfangs sei das Landeskriminalamt (LKA) eingeschaltet worden - es habe einfach größere Kapazitäten.

Eine der wichtigsten bundesdeutschen Spuren in dem Fall führt nach Vlotho, zu einem Unternehmenskonstrukt, zu dem auch der bundesweit in die Schlagzeilen geratene Herforder Inkassodienst "Collector" gehörte. Der Dienst, gegen den auch die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelte (das Verfahren aber einstellte) verschickte wie L&H Mahnungen an angebliche Kunden, die die Dienste der Internet-Seite Megadownloads mit Sitz in den arabischen Emiraten genutzt haben sollten.

Die Grundlage von Megadownloads: es wurden Gratis-Computerprogramme wie etwa "Open Office" oder die Bildbearbeitungssoftware Irfanview - die zwar gratis aber urheberrechtlich geschützt sind - kostenpflichtig angeboten, wobei Virenfreiheit garantiert wurde.

Die niedersächsischen Ermittler gehen der Frage nach, ob die angeschriebenen Personen überhaupt die Plattform genutzt haben. Ein Verdacht, der bereits in der Vergangenheit geäußert wurde: Es bedurfte gar keines Klicks im Internet. Bei den angeschriebenen und jeweils mit 96 oder 150 Euro zur Kasse gebetenen angeblichen Kunden handelt es sich um Menschen, deren Anschriften aus Adressverzeichnissen oder von Adresshändlern bezogen wurden.

Zumindest der Rückfluss auf die von der Staatsanwaltschaft Hannover gesperrten Konten zeigt, dass die Mahnungen erfolgreich waren: Binnen Wochen waren auf den zunächst wegen Geldwäscheverdachts gesperrten Konten mehr als eine Million Euro eingegangen.

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