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Ein Pottwal taucht vor den Bergen Kaikouras in die Tiefen des Indischen Ozeans ab . - © FOTO: PRIVAT
Ein Pottwal taucht vor den Bergen Kaikouras in die Tiefen des Indischen Ozeans ab . | © FOTO: PRIVAT

HERFORD Ein Jahr in Mittelerde

Christoph Heuermann arbeitet auf einer Farm in Neuseeland mit behinderten Menschen

VON DANIELA SCHUMACHER
24.05.2011 | Stand 24.05.2011, 11:20 Uhr

Herford. Den Schicksalsberg aus dem Film "Der Herr der Ringe" besteigen, die Seekulisse aus 4.000 Metern Höhe im freien Fall bewundern oder den Vulkan auf Rongitoto Island erklimmen: Christoph Heuermann erfüllt sich seinen Traum, auf den Spuren von Frodo, Gandalf und Aragorn zu wandern.

Seit August 2010 nimmt der Ex-Abiturient an einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) des Internationalen Christlichen Jugendaustauschs (ICJA), ein deutscher Ableger der weltweiten Organisation International Cultural Youth Exchange (ICYE) in Neuseeland teil. Das erste halbe Jahr hat Christoph Heuermann in der Amuri Area School in Culverden in der Nähe von Christchurch gearbeitet.

Dort musste er das Erdbeben im September miterleben. Beim zweiten starken Beben im Februar ist Christoph in Auckland. "Der Blog-Eintrag steht im Schatten der Ereignisse", schreibt Christoph Heuermann am 23. Februar auf seiner Homepage. "Es schmerzt, diese schöne Stadt großflächig zerstört zu sehen."

In Auckland in einer Einrichtung der "Mount Tabor Trust" Organisation, die geistig behinderten Menschen eine Heimat bietet, verbringt der Freiwillige die zweite Hälfte seines Auslandsjahres. Auf einer Farm in Helensville arbeitet er auf einer Farm mit und hilft bei der Organisation und Durchführung von Freizeitaktivitäten für die Bewohner.

Morgens startet der Tag um neun mit dem Saubermachen des Hauses. Anschließend beginnen die Aktivitäten für die Bewohner. Christoph Heuermann übernimmt Fahrdienste, hilft bei der Gartenarbeit und begleitet einen Bewohner zum Schwimmen, samstags zum Schnitzen und sonntags in die Kirche. Viele Aktivitäten wie Kochkurse, Fußballturniere und Tanzabende, dem sogenannten "Wiggle und Giggle"(dt. "Wackeln und Kichern") werden organisiert. Nach dem Abendbrot hat er Feierabend. Vom Gelände darf er sich jedoch nicht entfernen. "Eigentlich bin ich 24 Stunden da. Natürlich nur theoretisch", erklärt Christoph Heuermann. Praktisch muss er immer für die Bewohner ansprechbar sein.

Bei der Arbeit genießt er vor allem den Umgang mit den Bewohnern: "Ich habe eine sehr enge Beziehung zu einem der Bewohner. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass er mich ständig umarmt." Eine bedeutungsvolle Geste: Der Bewohner ist Autist. Typisch für diese Behinderung ist die Schwierigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren - aber auch besondere Fähigkeiten.

Diese und auch die Macken lieben die Mitarbeiter der Farm. "Ein Technikfreak hat das halbe Gelände bereits in einen Schrottplatz verwandelt: Einmal in der Woche darf er nach Auckland fahren. Dort sammelt er allen möglichen Schrott, verwertet ihn und verkauft ihn durchaus gewinnbringend", erzählt Christoph Heuermann.

An seinen freien Wochenenden erkundet er die entlegensten Ecken Neuseelands mit dem Auto. Mittlerweile meint er, sich geographisch dort besser auszukennen als in Deutschland. Wie viele Reisende, steht auch er in dem Bann von Neuseelands beeindruckender Landschaft. Diese ist kaum an Vielfalt zu übertreffen: malerische Landschaftsbilder entstehen an den Ufern von malerischen Fjorden, auf schneebedeckten Bergen und spektakulären Gletschern. Von urwüchsigen Wäldern gesäumten Seen sind perfekte Drehorte für Fantasyfilme.

Christoph Heuermann trieben die Handlungsorte seines Lieblingsfantasyromans nach Neuseeland: "Als Herr-der-Ringe-Freak wollte ich die großartigen Landschaften der Filme mit eigenen Augen sehen und Eindrücke von Büchern über Neuseeland selbst erleben." Christoph hat den 2.700 Meter hohen Vulkan Mount Ngauruhoe bestiegen und das Bergpanorama vor dem die "Herr der Ringe" Hauptstadt Edoras im Film stand, in den Southern Alps fotografiert.

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