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Brotbäcker Daniel Blanz (r.) und Kunsthandwerker Michael Sohr im Ambiente des Münsterkirchplatzes. - © FOTO: KIEL-STEINKAMP
Brotbäcker Daniel Blanz (r.) und Kunsthandwerker Michael Sohr im Ambiente des Münsterkirchplatzes. | © FOTO: KIEL-STEINKAMP

Herford Dinneles und Drachentrunk

Handwerkerdorf auf dem Münsterkirchplatz fristet ein Schattendasein beim Weihnachtslicht

VON THOMAS HAGEN
21.12.2010 | Stand 20.12.2010, 19:47 Uhr

Herford. Stille, dafür gibt’s Atmosphäre. Der Münsterkirchplatz lebt vom urigen Auftritt der Bäcker vom Bodensee, dem Beerenwein-Stand und den Kunsthandwerkerbuden des Herforders Michael Sohr. Für Johannes Beer hat sich ein Wunsch erfüllt: "Ich habe schon lange daran gearbeitet, dass dieser schöne Ort endlich Heimstatt eines besinnlichen Adventsmarktes wird", sagt der Pfarrer der Münsterkirche.

Blickfang ist das Bodensee-Backhäusle mit seinem gespannten Segel und dem draußen aufgestellten Backofen. Hier gibt es typisch Badisches: Dinneles. Dünn ausgerollter Brotteig, der eigentlich als Test für die richtige Hitze des Ofens diente und nun mit Sauerrahm, Speck, Gemüse und Käse belegt den Weg in die Mägen der Kunden findet. Der Teig besteht aus einer Mischung aus Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl. Für den kleinen Hunger stehen Seelen auf dem Angebotsplan. Die Brotteigstangen wurden früher von Mönchen an Allerseelen an die armen und bedürftigen "Seelen" verteilt. Alles frisch auf Buchenholz gebacken.

Der "reisende Bäcker" Daniel Blanz aus Ditzingen, eigentlich gelernter Kaufmann, ist zum ersten Mal in Herford. "Ich sehe das als Versuchsballon. Auch nach zwei Wochen Anlaufschwierigkeiten haben sich unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt, aber wir werden im kommenden Jahr wieder dabei sein", verspricht er. Dann will er noch mehr Badisches im Gepäck mitbringen. "Wir planen, Bodensee-Obstbrände und vielleicht Glühmost aus Äpfeln anzubieten", sagt er. Am Stand gegenüber verkauft Solomon Gyimah Beerenwein. Klangvolle Namen wie Drachentrunk oder Koboldfeuer fließen in den Becher und wärmen vollmundig von innen. "Beerenwein ist eigentlich der Trank für Arme, denn früher konnten sich nur Adlige Wein aus Trauben leisten", sagt Daniel Blanz. Das passt perfekt zu Dinneles und Seelen.

Eigentliche Seele des Kunsthandwerkerdorfes ist Michael Sohr, der die neuen Buden für den Verkauf von Holzartikeln, Kerzen, Glas und Näherei und Stickerei in Eigenregie herstellte. Er hatte der Marketingagentur Pro Herford ein Angebot für den Münsterkirchplatz gemacht. "Etwas Besseres konnte uns nicht passieren", sagt Ralf Hammacher, Leiter der Tourist-Information und mit der Planung des Weihnachtslichts beauftragt.

Alle Beteiligten sehen weiteres Potenzial beim Münsterkirchplatz. "Ich habe mir gewünscht, dass es einen Glasbläser, einen Kunstschmied oder einen Tischler geben soll, der vor Ort seine Waren herstellt", sagt Pfarrer Beer. Dem soll entsprochen werden.

"Der Münsterkirchplatz soll eine Rückbesinnung auf das Wesen des Weihnachtsmarktes darstellen, aber keine Konkurrenz für die anderen Plätze", stellt Hausherr Beer klar.

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