Die Firma Wemhöner Systems ist erneut in Turbulenzen geraten - © FOTO: BITTNER
Die Firma Wemhöner Systems ist erneut in Turbulenzen geraten | © FOTO: BITTNER

HERFORD Wemhöner Systems: Zweiter Gang in die Insolvenz

Defizitäre Auslandsprojekte zwingen Maschinenbauer mit rund 90 Mitarbeitern zu diesem Schritt

VON THOMAS HAGEN

Herford. Zum zweiten Mal innerhalb von 30 Monaten muss der System-Spezialist Wemhöner Systems AG den Gang in die vorläufige Insolvenz antreten. Gestern teilte Vorstand Karl-Josef Röpke mit, dass er einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Bielefeld gestellt hat.

Als Grund für den neuerlichen wirtschaftlichen Engpass gibt Röpke "defizitäre Auslandsprojekte und eine konjunkturell bedingt schleppende Auftragsvergabe" an.

Das weltweit agierende Unternehmen (ehemals Wemhöner Anlagen) für die Branchen Dämmstoffe, Fußboden, Holzwerkstoff und Reifen sehe sich zu diesem Schritt gezwungen, um ausreichend Zeit für eine Sanierung des Unternehmens zu gewinnen.

Aufgrund seiner Marktstellung und der absehbaren Belebung der relevanten Märkte sei der Vorstand zuversichtlich, dass im Rahmen eines Insolvenzverfahrens die Grundlage geschaffen werden könne, den wesentlichen Teil der rund 90 Arbeitsplätze zu erhalten, heißt es in der Mitteilung. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Mindener Rechtsanwalt Olaf Handschuh bestellt.

Im April des Vorjahres war das Unternehmen in die Schlagzeilen geraten, weil 30 der 100 Stellen wegfallen sollten. Die IG Metall hatte diese Pläne heftig kritisiert. Auf der Fachmesse Ligna 2009 hatte Wemhöner Systems (WST) noch einige Neuentwicklungen vorgestellt. Besonders mit der "Solid Edge", einer neuen Phasen-Fertigungsanlage für Laminate, wollte die Firma Boden gut machen.

Im April 2008 war das Unternehmen mit Sitz am Hasenbrink an den Investor Frankfurt Capital Partners verkauft worden, der den Anlagenbauer als Aktiengesellschaft weiter führte.

Wie es weiter gehen könnte, darüber wird der Insolvenzverwalter heute um 14 Uhr mit der Belegschaft in einer anberaumten Betriebsversammlung sprechen. Aus Kreisen der Beschäftigten war zu hören, dass die Auftragslage nicht schlecht sei und die Vertriebsmitarbeiter in Kundengesprächen über die Lieferung weiterer Maschinen seien.

Hinderlich sei die Ungewissheit vieler Kunden über den zukünftigen Produktionsstandort und Probleme mit Genehmigungsbehörden in der jeweiligen Ländern, sagte gestern Vorstand Karl-Josef Röpke gegenüber der NW. Auch die Sommerpause habe sich negativ auf das Betriebsergebnis ausgewirkt und tiefe Löcher in die Firmenkasse gerissen. Er sehe die Wemhöner Systems AG aber entgegen früherer Jahre breiter aufgestellt und damit auch attraktiv für potenzielle Investoren.
 

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