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Unter dem Sternenhimmel im Gebetsraum der Synagoge präsentieren Michael Helm, Sven Nieder, Björn Pollmeyer, Jürgen Escher und Christoph Laue ihr gemeinsames Werk. - © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Unter dem Sternenhimmel im Gebetsraum der Synagoge präsentieren Michael Helm, Sven Nieder, Björn Pollmeyer, Jürgen Escher und Christoph Laue ihr gemeinsames Werk. | © FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Herford Ein Stern am Bücherhimmel

Die Dokumentation zum Wiederaufbau der Synagoge ist fertig

VON MEIKO HASELHORST
29.04.2010 | Stand 28.04.2010, 19:48 Uhr

Herford. Sie hatten Hunger und wollten reden – also gingen sie ein kleines Restaurant am Gänsemarkt. Dort sprach eine Frau die zwei Fotografen an und schlug ihnen eine Dokumentation zum Wiederaufbau der Synagoge vor. Gut zwei Jahre später wird das Ergebnis präsentiert: Das Buch "Wir freuen uns und wir weinen".

Bei besagter Frau, die ebenfalls nur zum Essen ins Restaurant gekommen war, handelte es sich um Ingela Rothe, Gattin von Harry Rothe, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde. "Mir war damals schnell klar, dass das keine reine Bau-Doku werden durfte", erinnert sich Jürgen Escher, einer der beiden Fotografen, an die zufällige Begegnung. Noch beim Essen habe er mit seinem Freund und Kollegen Sven Nieder überlegt, wie sie den Wiederaufbau des jüdischen Gotteshauses fotografisch angemessen begleiten könnten.

Aus der Idee vom Bildband wurde die Idee von einem Buch mit Fotos, historischen Erläuterungen und Interviews, Fragen nach persönlichen Geschichten und jüdischem Leben, nach den Vorstellungen, Hoffnungen und Wünschen der Menschen. Ingela und Harry Rothe waren davon genauso angetan wie die späteren Sponsoren Dr. Ernst Stresemann, die Sparkasse Herford und die Carina-Stiftung. Mit Michael Helm und dem Herforder Stadtarchivar Christoph Laue fanden die Fotografen zwei Texter, mit Björn Pollmeyer einen Gestalter und mit Thomas Kiper und Roland Siekmann zwei Verleger.

"Untypisch" sei es gewesen, so Siekmann, dass man mit einem kompletten Team an sie herangetreten ist. Doch genau das sollte sich als glückliche Fügung erweisen: "Es war eine tolle Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten", findet Fotograf Escher, der in gut zwei Jahren einen Pool von 15.000 Bildern von der Grundsteinlegung bis hin zur Einweihung der Synagoge anhäufte – aus dem letztlich 200 den Weg ins Buch fanden. Nicht zuletzt aufgrund dieses immensen Aufwands ist er froh, nun einen Haken hinter das Projekt zu machen. In Anbetracht des wunderbaren Ergebnisses falle ihm "ein Stein vom Herzen".

Dass das Ergebnis "wunderbar" ist, finden auch die Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die in dem Buch offen und persönlich sprechen. Daphne Wolff hat ein dickes Lob für ihren Interviewer Michael Helm parat: "Er war einfühlsam und zurückhaltend", so Wolff: "Es sprudelte nur so aus mir heraus – so konnte ich alles ganz ohne Scham erzählen." Dasselbe gelte auch für die Fotografen, die "zwar immer irgendwo herumliefen", das Gespräch mit ihrer Anwesenheit aber nicht beeinträchtigt hätten.

Armin Otto von der gleichnamigen Herforder Buchhandlung ist es "ein Anliegen", das Buch in seinen Regalen auf Lager zu haben. Er hebt nicht nur die Wichtigkeit des Themas hervor, sondern lobt auch die "wirklich gekonnte Umsetzung". Annelie Brinkmann von der Buchhandlung Wolff empfindet das Buch als "echte Bereicherung unserer Regional-Literatur".

Wir freuen uns und wir weinen ist im Bielefelder tpk-Verlag in einer Auflage von 3.000 Exemplaren erschienen. Für 19,80 Euro ist es ab sofort in jeder Herforder Buchhandlung zu kaufen.
    

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