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Zu dem vierjährigen Mädchen hatte Antonia eine besondere Nähe.
Zu dem vierjährigen Mädchen hatte Antonia eine besondere Nähe.

HERFORD Nichts verdient, viel gewonnen

Was Antonia Pelshenke in einem tansanischen Waisenhaus lehrte und lernte

VON HARTMUT BRANDTMANN
17.04.2010 | Stand 16.04.2010, 19:49 Uhr

Herford. 20 Minuten zu Fuß zum Bach, Eimer füllen, auf den Kopf setzen und zurück balancieren. Diese Wasserversorgung hat Antonia Pelshenke praktiziert, damit gekocht werden konnte in dem tansanischen Waisenhaus, in dem die 19-Jährige ehrenamtlich gearbeitet hat. "Good Hope" heißt das Haus. Es soll 77 Kindern Hoffnung auf Zukunft geben.

Nach deutschen Ansprüchen ist die pädagogische Situation hoffnungslos: Eine Lehrerin unterrichtet alle Kinder gleichzeitig in einem Raum. Für anderthalb Monate war Antonia die zweite pädagogische Kraft. Doch was sie von Pädagogik weiß, hat sie am Friedrichs-Gymnasium als Schülerin erlebt. In der Good Hope-Schule gab sie Englisch, Mathe, Erdkunde und Kunst in einem Mix aus Englisch und Suaheli.

"Karibu" war das erste Wort, was sie selbst lernte, und das heißt "willkommen". Und das war sie. "Die Kinder müssen gespürt haben, dass ich ihnen nahe bin." Die "Lehrerin" hat nicht das Gefühl, den Kinder viel Fachliches beigebracht zu haben: "Ein Lächeln habe ich ihnen geschenkt. Und viel davon bekam ich zurück." Die hauptamtliche Lehrerin war gezwungen, unerbittlich autoritär zu sein. So war Antonia die Freundin, die Mutter, die Spielkameradin.

Das klingt so weich und schön und war doch so anstrengend - wie auch der Weg zum Waisenhaus. Antonia lebte in einer Gastfamilie. Der Schulweg war ein Fußweg - 90 Minuten bei 40 Grad ohne Schatten.Mitunter ist sie mit den Schuhen im aufgeweichten Straßenteer stecken geblieben.

Und was gab’s zu essen? Reis und Gemüsesoße bei den Gasteltern, ein Bohnen-Reis-Gemisch im Waisenhaus - jeden Tag. "Ab und zu holten wir uns eine Mango vom Baum, zum Schlickern." Die kleinsten Freuden lösten größte Freude aus. Aus einem Springseil machte Antonia eine Schaukel, und zu ihrem Handy-Klingelton wurde getanzt. "Diese Kinder, die gefunden oder im Waisenhaus abgegeben wurden, lachen mehr als ich je in Deutschland Kinder habe lachen sehen."

Vor den bewegenden Erfahrungen im Waisenhaus absolvierte die angehende Medizinstudentin ein Praktikum in einem Krankenhaus. "Ich habe geholfen wo’s ging, sogar im Operationssaal." Unverzichtbar war sie bei der Übersetzung von Beipackzetteln der Medikamente, die die deutsche Organisation "Feuerkinder" gespendet hatten. Apropos Spende: Gerne würde Antonia Pelshenke Geld für das Waisenhaus "Good Hope" sammeln. Wer sie unterstützen will, kann sie anrufen: 0170-89 40 464 oder ihr mailen: antonia.pelshenke@gmx.de

In jedem Fall will sie im Winter zu "ihren" Kindern in Tansania. Bei der Verabschiedung hatte sie "tuta onana" gesagt. Das heißt: bis bald.

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