Die Mauer steht neben der Normal-Uhr, die auf 11 Minuten nach 12 Uhr stand, als der Fotograf auf den Auslöser drückte. Bürgermeister Bruno Wollbrink dankt den vor ihm stehenden Spendern, Peter Koch (mit Hut) und seiner Frau Evelin. - © FOTOS: RALF BITTNER
Die Mauer steht neben der Normal-Uhr, die auf 11 Minuten nach 12 Uhr stand, als der Fotograf auf den Auslöser drückte. Bürgermeister Bruno Wollbrink dankt den vor ihm stehenden Spendern, Peter Koch (mit Hut) und seiner Frau Evelin. | © FOTOS: RALF BITTNER

Herford Herfords neue Achse der Erinnerung

Ein Stück Berliner Mauer: Offizielle Übergabe im Beisein von rund 50 Herfordern an der Berliner Straße

Herford (cla). Ein Symbol deutscher Geschichte hat seinen Platz gefunden: 20 Jahre nach dem Mauerfall wurde der rund vier Tonnen schwere und drei Meter hohe Abschnitt der Berliner Mauer, den die Familie des Berliners Unternehmers Peter Koch der Stadt geschenkt hat, offiziell übergeben. Ein denkwürdiges Ereignis, an dem auch rund 50 Herforder teilnahmen.

Die von DDR-Funktionären als "antifaschistische Schutzwall" bezeichnete Berliner Mauer war mehr als 28 Jahre lang ein Teil der innerdeutschen Grenze. Daran erinnerte Koch, der in Herford mehrere Wohnanlagen mit mehr als 200 Wohnungen gebaut hat, vor dem Betonsegment an der Berliner Straße.

Mit dem Besitz dieses Mauerstücks befinde sich die Stadt in guter Gesellschaft: Auch der Neubau des US-Geheimdienstes CIA, die Vatikanischen Gärten, das französische Friedensmuseum in der Normandie und das Museum Imperial in London besitzen Stücke der Berliner Mauer.

Die Übergabe verband Koch mit der Hoffnung, dass "auch die junge und zukünftige Generation in Ihrer Stadt die Mauer als Symbol entsetzlicher politischer Verirrung und der damit verbundenen menschlichen Tragödien erkennt". Sein Dank galt allen, die bei Transport, Installation und Standortsuche geholfen hatten.

Zum Standort hatte es unterschiedliche Auffassungen gegeben, daran erinnerte Bürgermeister Bruno Wollbrink. Hineininterpretiert worden sei, dass die Stadt kein Interesse an dem Mauerstück habe. Das sei aber falsch, sagte Wollbrink und betonte, dass er den jetzigen Standort für den richtigen halte.

Wollbrink erinnerte an den 9. November als schwieriges Datum in der deutschen Geschichte: 1918 war es der Tag, an dem die Deutsche Republik ausgerufen wurde. Seit 1938 steht das Datum für die Reichspogromnacht, in der überall in Deutschland Synagogen zerstört wurden und rund 1.400 Menschen starben. Seit 1989 sei der Tag nun mit dem Mauerfall verbunden. Ein Tag der Freude, der aber auch mahne, an all das Leid zu denken, das diesem Datum vorausgegangen sei. Das Mauerstück bedeute daher auch einen Appell, Freiheit und Demokratie zu schützen.

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