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Staatsanwaltschaft sperrt Konten mit einer Million Euro

Die Spur führt nach Herford: Niedersächsische Schwerpunktermittler nehmen Firmengeflecht wegen Geldwäsche-Verdacht ins Visier

VON JOBST LÜDEKING
17.07.2009 | Stand 16.07.2009, 20:33 Uhr

Herford/Hannover. Wie hoch sind die Einnahmen, die Betreiber der dubiosen Internet-Seite Megadownload über Inkassodienste wie das Herforder Unternehmen Collector erwirtschafteten?

Offenbar kommen bei dieser Mahn-Masche binnen kürzester Zeit hohe fünfstellige Beträge zusammen. Das zumindest lassen aktuell Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hannover gegen das Inkasso-Unternehmen L&H - den mutmaßlichen Nachfolger von Collector - vermuten. Die Ermittlungen führen wieder bis in den Kreis Herford: "Wir ermitteln wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug", erklärte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe. Drei Kreditinstitute hatten die Ermittler nach Verdachtsanzeigen auf die Spur gebracht.

Geschäftsführer des Inkasso-Unternehmens, das genau so wie die Herforder Firma Collector arbeitet, ist ein Mann aus Vlotho.

Wie berichtet hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld Ermittlungen gegen Vertreter des Unternehmensgeflechts eingestellt. Parallel wurde von der Staatsanwaltschaft Detmold gegen eine 44-jährige Geschäftsführerin Betrugs-Anklage erhoben. Die Frau war von Bad Salzuflen aus für zweifelhafte Internet-Seiten tätig, die Kunden Filmangebote offerierten. In Expertenkreisen wird vermutet, dass das Firmengeflecht wegen der Ermittlungen seine Aktivitäten von Ostwestfalen schließlich ins niedersächsische Hannover verlegte. Vielleicht in der Hoffnung, in Ruhe weiter arbeiten zu können. Außerdem hatten Fernsehsender und auch die Verbraucherzentrale mehrfach vor den Aktivitäten des Herforder Inkasso-Unternehmens gewarnt.

Offenbar hat die niedersächsische Staatsanwaltschaft das Firmen-Geflecht mit seinen Abzock-Angeboten, wie es T-Online nannte, aber an seinem schmerzhaftesten Punkt getroffen: Die Ermittler sperrten die Konten des Inkasso-Unternehmens. Auf den gesperrten Konten geht immer noch Geld ein.

"Die Beträge haben mittlerweile eine Höhe von knapp unter eine Million Euro erreicht", erklärt Oberstaatsanwalt Knothe weiter. Über die Sperrung der Konten wird das Landgericht Hannover wahrscheinlich noch in diesem Monat entscheiden. Denn der Hiddenhauser Anwalt des Unternehmens, der bereits für Collector mahnte, hat Beschwerde gegen die Maßnahme der Staatsanwaltschaft eingelegt. Die sucht unterdessen bundesweit weiter nach Opfern, die unberechtigt Mahnbriefe des Inkasso-Dienstes L&H für die angebliche Nutzung von Megadownloads erhalten haben. Opfer können sich bei der Staatsanwaltschaft Hannover, Postfach 109, 30001 Hannover melden. Das Aktenzeichen lautet 5302 Js 41769/09.

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