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Ein Bild mit Seltenheitswert gelang Gerhard Schäper. Auf dem Lippinghauser Horst sind derzeit drei Nilgänse zu sehen. Die beiden Störche sind in der näheren Umgebung unterwegs. - © Gerhard Schäper
Ein Bild mit Seltenheitswert gelang Gerhard Schäper. Auf dem Lippinghauser Horst sind derzeit drei Nilgänse zu sehen. Die beiden Störche sind in der näheren Umgebung unterwegs. | © Gerhard Schäper

Hiddenhausen Diese Gänse erheben Anspruch auf das Hiddenhauser Storchennest

Beobachter Gerhard Schäper wartet seit Ende Februar auf die Störche. Werden die Nilgänse wieder vertrieben?

Yvonne Gottschlich
10.03.2022 , 13:00 Uhr

Hiddenhausen. In der Nachbarschaft sind die Störche schon zurück auf ihrem Horst. Nur in Lippinghausen lassen die Windfriedstörche noch auf sich warten. Anwohner Gerhard Schäper, der seit Jahren den Horst und die Tiere dort beobachtet, hat jetzt Nilgänse auf dem Horst beobachtet.

Seit Ende Februar wartet Schäper eigentlich auf die Störche. „Ich habe jetzt aber mehrfach die Nilgänse auf dem Windfriedhorst beobachtet. Meist landeten sie frühmorgens, wenn die Windfriedstörche zum ,Frühstück’ ins Revier geflogen waren“, beschreibt er seine Beobachtungen. Dann inspizierten die Gäste das Nest und setzten sich hinein. Schäper hat sich die Frage gestellt, ob die Nilgänse zu Nestkonkurrenten werden könnten. Er hat nachgelesen und sich informiert und sagt: „Dass Nilgänse an Storchennestern interessiert sind und auch versuchen, dort zu brüten, ist bekannt. Allerdings werden sie von den aus dem Winterquartier zurückkehrenden Vorjahresstörchen in der Regel wieder vertrieben.“

Eine solche Zurückeroberung konnte er bei einem anderen, videoüberwachten Storchenhorst selbst miterleben. Nachdem die Störche dort das Nilganspaar verjagt hatten, warfen sie ein bereits gelegtes Ei aus dem Nest und nahmen den Horst mit Geklapper wieder in ihren Besitz.

Die Küken müssten vom Horst herunterspringen

„Einen Kampf zwischen Gänsen und Störchen um das Windfriednest habe ich aber noch nicht beobachtet“, so Schäper. Nach seinen Beobachtungen verließen die Nilgänse den Horst immer zehn bis 50 Minuten, bevor die Störche von der Nahrungssuche zurückkehrten. „Vielleicht hatten sie realisiert, dass der Windfriedhorst im Hinblick auf ihren Nachwuchs kein optimaler Brutplatz ist“, stellt Schäper eine vage Vermutung an. Die Gänseküken müssten als noch flugunfähige Nestflüchter nämlich von dem 30 Meter hohen Horst herunterspringen.

„Mehr Probleme als die Nilgänse machen den Störchen im Revier auftauchende Fremdstörche“, weiß der langjährige Beobachter. Wenn sie dann nicht bereits auf dem Horst stehen, sind die Windfriedstörche überraschend schnell aus dem Revier zurück, um mit gespreizten Flügeln und Abwehrgeklapper den Eindringlingen zu verdeutlichen, dass ihr Horst schon lange besetzt ist.

Ein einzelner Fremdstorch ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken und landete direkt auf dem Horstrand. „Er wurde aber vom Windfriedpaar sofort wieder verdrängt und vertrieben“, so Schäper.

In den letzten Jahren hat Schäper viele Aufzeichnungen vorgenommen. Nach Abzug der bisher insgesamt sechs beobachteten Fremdstörche konnten sich die Revierbesitzer jeweils wieder um die Brutvorbereitung kümmern. „Ihren Frühstart in der ersten Februarhälfte mussten sie allerdings erneut abbrechen“, sagt Schäper. War es im letzten Jahr die Schneedecke, veranlassten sie diesmal die drei Sturmtiefs Ylenia, Zeynep und Antonia, andere Schlafplätze aufzusuchen.

So richtig ist im Horst noch nichts los

Doch so richtig ist im Horst noch nichts los. Nach dem Ende der Stürme verlief der Neustart in die 9. Brutsaison in Lippinghausen bislang eher verhalten. „Nur gelegentlich konnte ich einzelne brutvorbereitende Aktivitäten beobachten“, so Schäper. Die Störche genossen, oft nur auf einem Bein stehend, stundenlang die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. „Aufgrund der frostkalten Nächte ein verständliches Verhalten“, findet er. Bis zum möglichen Brutbeginn Anfang April bleibt noch genug Zeit. Für den Beobachter ist wieder viel Geduld gefragt.

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