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Hier soll es entstehen: Der Platz am Güterbahnhof.  - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Hier soll es entstehen: Der Platz am Güterbahnhof.  | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford So denken Experten und Betroffene über das geplante OWL-Forum in Herford

Soll das OWL-Forum gebaut werden oder nicht? Am Montag entscheiden die Politiker. Ein Nein könnte Folgen haben und das Aus für eine Spielstätte bedeuten.

Corina Lass
05.10.2019 | Stand 05.10.2019, 12:39 Uhr
Ilja Regier

Herford. Das Aus für das OWL-Forum zeichnet sich ab, bevor die Diskussion richtig begonnen hat: Wie berichtet, will Bürgermeister Tim Kähler grünes Licht für den Neubau, wenn er für je ein Drittel der Investitionen Fördermittel von Bund und Land erhält. Die Grünen wollen sich die Frage des Neubaus offenhalten, bis die Frage der Fördermittel geklärt ist. Die CDU lehnt das Vorhaben grundsätzlich ab. Der Rat entscheidet in einer Sondersitzung am Montag über das OWL-Forum und stellt somit die Weichen für die Kulturszene der Stadt. Viele aus dem Kulturbereich sprechen sich für das 97-Millionen-Projekt aus und blicken gespannt auf das Ergebnis der Politik. nw.de hat sich bei Vertretern aus der Kultur und Wirtschaft umgehört. Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur Herford gGmbH, kann verstehen, dass die im Raum stehenden 32 Millionen Euro, die die Stadt stemmen müsste, hoch erscheinen. Kornacki verdeutlicht aber erneut, dass die Sanierung des Stadttheaters (16 Millionen Euro) und des Schützenhofs (13,6 Millionen Euro) genauso teuer wären. Entscheidet sich der Rat gegen das OWL-Forum, weil das Geld fehle, könnten beide Gebäude nicht in Stand gesetzt werden, da das genauso teuer sei. "Wenn das Geld für ein Forum nicht vorhanden ist, warum sollte es für eine Sanierung da sein? Das könnte bedeuten, dass eine Einrichtung komplett wegfällt", blickt Kornacki voraus. Ihm kommt es deswegen vor, dass einige Fraktionen sich zu schnell festgelegt hätten und die Konsequenzen bei einem Nein für das Forum zu wenig beachten. Das Museum Marta als positives Beispiel Für Unternehmer Heiner Wemhöner wäre das Nein eine vertane Chance. Es müsse ja kein Votum für den Neubau geben, sondern gelte auszuloten, ob Bund und Land die Investitionen zu je einem Drittel fördern. Im weiteren Verlauf der Planungen sei Gelegenheit genug, das Für und Wider abzuwägen, so Wemhöner. Der Unternehmenschef zieht einen Vergleich mit den Investitionen in die Markthalle und in die Konversionsflächen auf dem Stiftberg. "Hätte die Stadt die Chance nicht ergriffen, würde die Markthalle verfallen und in den heutigen Bildungscampus wären schon längst die Ratten eingezogen", meint Wemhöner. Stattdessen höre er von den Händlern aus der Markthalle, dass sie nachbestellen müssen, weil es so gut läuft, und aus der Stadt, dass der Bildungscampus ein Plus abwerfe. Das komme der ganzen Stadt zu gute. Wenn er als Unternehmer mit Chancen umgehen würde, wie die Politiker es jetzt planten, dann wäre er nicht weit gekommen, sagt der Chef von Wemhöner Sufrace Technolgies, der auch Werke in China hat. "Die Möglichkeiten der Förderung müssten doch wenigstens mal geprüft werden." Wemhöners Kritik richtet sich vor allem gegen die CDU: Von ihr wünsche er sich Mut, um nach vorne zu denken, sagt er mit Blick auf ihr kategorisches Nein. Dabei geht es ihm nicht um einen möglichen Standortvorteil, der sich für ihn selbst durch eine attraktivere Stadt bei der Mitarbeiter-Suche ergeben könnte. "Unsere Mitarbeiter kommen aus der Region, deshalb arbeiten wir mit den Hochschulen zusammen und unterstützen den Studienfonds." Wemhöner geht es vielmehr um die positiven Effekte, die der Bau eines OWL-Forums für die Stadt hätte. "Ein absoluter Gewinn für die Stadt" Als Beispiel zieht Wemhöner das Museum Marta heran: Mit 65.000 Besuchern habe es das Bielefelder Museum übertroffen. Da in der Kategorie "defizitär" zu denken sei falsch: Die Besucher nutzten die Restaurants in der Stadt, sie kauften in Herforder Geschäften ein und sorgten so für höhere Steuereinnahmen. "Das kommt der Allgemeinheit zugute." Das gesamte Umfeld mit Alter Post, der sanierten Goebenstraße, dem Neubau eines Hotels habe sich verbessert. "Früher war dort ein Bordell ansässig." Auch Archwerk-Architekt Karsten Monke hält das OWL-Forum für eine "super Idee für Herford, ein absoluter Gewinn. Die Stadt kann solch ein Leuchtturmprojekt gut gebrauchen; und die Flächen, die frei werden, können städtebaulich genutzt werden". Die Lage am Güterbahnhof hält Monke für ideal. "Städtebaulich muss man mal etwas größer denken, bevor man ein Projekt in der Politik zerredet. Und die Gefahr ist in Herford groß, dass so etwas kaputt geredet wird." Sollten die 32 Millionen Euro nicht lieber in andere Projekte fließen? Was sagen diejenigen, die direkt betroffen sind? Für NWD-Orchestergeschäftsführer Christian Becker sei eine Renovierung des Schützenhofs kein Thema. "Wir benötigen eine Spielstätte mit Sälen, die in die Zeit passen." Die Parkplatzsituation und das Problem mit Lärmemission wären bei einer Renovierung nicht gelöst. Zudem benötige der Saal mehr Sitzplätze. NWD-Intendant Andreas Kuntze wünscht sich, dass das überregional und international bekannte Orchester einen vernünftigen Heimspielort bekommt: "Das wäre ein Zeichen für uns." Dass sich die Kommunalpolitiker für das OWL-Forum entscheiden, hofft auch Karl-Heinz Rohlf, Leiter des Stadttheaters: "Das neue Gebäude kann einen Mehrwert bieten und macht mit einer neuen Bühne Sinn für uns - wir leben derzeit von der Substanz." Aus kaufmännischer Sicht wäre die Investition in Ordnung, wenn zwei Drittel der Kosten aus Fördertöpfen stammen. Sollten die 32 Millionen Euro nicht lieber in andere Projekte fließen statt in die Kultur? Dazu entgegnet Rohlf: "Nein, das Theater und die Philharmonie gelten für mich wie eine Bibliothek als kulturelle Grundversorgung der Stadt." Auch für das Musik Kontor wäre eine neue Veranstaltungshalle eine gute Option mit neuen Perspektiven, wie Geschäftsführer Thomas Hagen erklärt: "Wir könnten dann noch bekanntere Künstler einladen, wenn die Stadt nicht zu viel für die Nutzung verlangt."

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