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Auf dem Parkplatz des Alten Güterbahnhofs rechts unten im Bild könnte ein Gebäude mit je einem Saal für Theater und Konzerte entstehen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Auf dem Parkplatz des Alten Güterbahnhofs rechts unten im Bild könnte ein Gebäude mit je einem Saal für Theater und Konzerte entstehen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford CDU misstraut den Zahlen für den Bau eines OWL-Forums in Herford

Bürgermeister möchte mit Zuschüssen ein Veranstaltungshaus mit Sälen für Theater und Philharmonie für 97 Millionen Euro bauen. Das sagen die Fraktionen dazu.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
11.09.2019 | Stand 11.09.2019, 11:04 Uhr

Herford. 97 Millionen Euro soll der Bau des neuen Veranstaltungszentrums "OWL-Forum" als ökologisches Vorzeigeprojekt mit je einem speziellen Saal für das Theater und für die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) kosten. Bürgermeister Tim Kähler legte am Montag einen Beschlussvorschlag für den Rat mit einer Machbarkeitsstudie vor, nach der der Neubau auf dem Gelände am Herforder Güterbahnhof mit zu erwartenden Zuschüssen von Bund und Land nicht teurer würde, als die sonst notwendige Sanierung des Stadttheaters und der NWD-Spielstätte Schützenhof. Kähler rät dazu, das Forum zu bauen, wenn Bund und Land je ein Drittel bezahlen. Was sagen die Ratsfraktionen? "Eine Nummer zu groß für Herford" "Das halte ich für eine Nummer zu groß für Herford. Ich bin auch den Zahlen für Bau- und Betriebskosten gegenüber sehr, sehr skeptisch", sagte am Dienstag auf NW-Anfrage der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Wolfgang Rußkamp. "Beim Bildungscampus mussten wir Millionen nachschießen, und die Markthalle ist auch teurer geworden. Die Verwaltung soll sich um Zuschüsse für die Sanierung der vorhandenen Gebäude bemühen. Darin haben wir auch Kleinode." Rußkamp kann sich nicht vorstellen, dass selbst ein energieeffizienter Neubau unter dem Strich ökologisch sinnvoller sein soll als Erhalt und Sanierung vorhandener Bausubstanz. Gerade weil die Stadt den Klimanotstand ausgerufen habe, müsse es möglich sein, für die Sanierung Zuschüsse zu bekommen. Rußkamp spricht sich für eine neue Eishalle aus Für einen Neubau dieser Art sieht Rußkamp zu viel Konkurrenz in der Region. Eine neue Eishalle dagegen wäre nach seiner Meinung ein Alleinstellungsmerkmal für Herford. Seine Fraktion müsse noch tagen und sich ausführlich mit dem umfangreichen Gutachten beschäftigen. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass die CDU grünes Licht gebe: "Wir versuchen, wirtschaftlich vernünftig mit öffentlichem Geld umzugehen." "Alle Fakten und Optionen sorgfältig prüfen" SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Heining war gestern nicht zu erreichen. Sein Fraktionskollege Andreas Rödel kündigte aber auf Nachfrage an, dass man schauen werde, ob der Bau Verbesserungen für das kulturelle Leben bringe: "Wir können erst eine seriöse Aussage treffen, wenn alle Fakten und Optionen sorgfältig geprüft sind." Ähnlich äußert sich die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Angela Schmalhorst: "Wir müssen uns die Unterlagen in Ruhe anschauen. Wir wissen, dass es eine hohe Investitionssumme ist, aber wir werden nicht gleich nein sagen." Heinz-Günter Scheffer von Liste 2004 äußert sich in einer Mail an die Redaktion nicht überzeugt "von den Zahlenspielen" und hätte sich gewünscht, dass vor der Veröffentlichung der Pläne ein politischer Mindestkonsens erzielt worden wäre.

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