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Eine Depression kann jeden treffen. In Deutschland leiden immer mehr Menschen unter psychischen Erkrankungen. - © Pixabay
Eine Depression kann jeden treffen. In Deutschland leiden immer mehr Menschen unter psychischen Erkrankungen. | © Pixabay

Kreis Herford Wie psychisch Kranken im Kreis Herford immer mehr geholfen wird

Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind in Deutschland mittlerweile weit verbreitet. Hier finden Betroffene im Kreis Herford Hilfsangebote.

Elena Ahler
11.08.2019 | Stand 10.08.2019, 16:21 Uhr

Kreis Herford. Ein Jeder hat in seinem Leben hin und wieder Hoch- und Tiefphasen oder mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Viele kommen selbst aus dem Tief heraus. Manchmal jedoch entwickeln sich daraus Krankheiten wie Depressionen, Angststörungen oder bei zu hohem Stress ein Burn-out. Psychische Erkrankungen treten inzwischen besonders bei jungen Erwachsenen häufiger auf. Die genaue Anzahl der psychischen Erkrankungen im Kreis Herford gebe es zurzeit nicht, sagt Edwin Stille, Abteilungsleiter Gesundheitsplanung und psychosoziale Hilfen und Behindertenbeauftragter des Kreises Herford. "Die Krankenkassen berichten aber darüber, dass die Anzahl an Krankheitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen gestiegen sind und zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen überholt haben", sagt Stille. Laut Studie der Krankenkasse Barmer, dem Barmer Arztreport 2018, sei allein zwischen den Jahren 2005 bis 2016 der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Diagnosen um 38 Prozent und darunter bei Depressionen um 76 Prozent gestiegen. "Wir erleben ebenfalls, dass die Nachfrage nach Angeboten wie der Tagesstätte Die Klinke in Herford bei Psychotherapeuten oder Ärzten gestiegen ist", sagt der Abteilungsleiter. Angebote im Kreis Herford mit langer Tradition Im Wittekindkreis gibt es bereits seit den 1980er Jahren Angebote, die psychisch Kranken helfen. Mit lediglich einem Psychiater für den gesamten Kreis gestartet, habe sich seitdem das Angebot stetig erweitert. "Heute hat sich die Zahl der Mitarbeiter für diesen Bereich verhundertfacht", sagt Stille. Inzwischen haben sich verschiedene Einrichtungen entwickelt, bei denen Menschen auf verschiedene Art und Weise Hilfe finden können. Dazu zählen zum Beispiel der Sozialpsychiatrische Dienst mit einem Team aus den Fachbereichen Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologie, Sozialarbeit und Sozialpädagogik und Krankenpflege; stationäre Einrichtungen wie die Sozial-Psychiatrische Rehabilitationseinrichtung des Kreises Herford oder die teilstationäre psychiatrische Tagesklinik in Bünde. "Bei allen Angeboten gehen wir von einem personenzentrierten Ansatz aus. Das bedeutet, dass die Hilfe an die Person und ihren Bedarf angepasst wird. Jeder ist anders und braucht andere Unterstützung." Probleme bei Wohnraum- und Personalsuche Darüber hinaus gibt es mehrere betreute Wohngemeinschaften und -angebote, an denen sich der Kreis als Träger beteiligt. Auch Kontaktstellen wie die Tagesstätten Die Klinke in Herford und Kirchlengern, wo Menschen mit psychischen Erkrankungen einen geregelten Tagesablauf erhalten oder zum gemeinsamen Essen zusammenkommen, werden unterstützt. In drei Werkstätten finden behinderte Menschen berufliche Beschäftigung. Die Versorgung für Patienten sei gut, sagt Stille. Allerdings sieht er zukünftig Probleme auf den Bereich zukommen. "Die Wohnraumsituation im Kreis Herford ist ein schwieriges Thema." Es fehle an finanzierbaren Wohnungen, zum Beispiel für stationäre Plätze oder betreute Wohngemeinschaften. "Die Abdeckung in der Fläche ist schwierig. Gleichzeitig sollen Wohnungen nicht nur 'auf der grünen Wiese' liegen, sondern idealerweise in der Stadt. Dort, wo das Leben stattfindet. Damit soll die Ausgrenzung im Alltag verhindert werden", sagt Stille. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Personalknappheit. "Nicht nur im Bereich der Pflegekräfte, es fehlen perspektivisch auch Ärzte für psychiatrische Einrichtungen", sagt Stille. Der Experte plädiert für mehr Ausbildung. Auch der Bereich der häuslichen Pflege bei psychischen Erkrankungen sei noch unterversorgt und Unterstützung für die pflegenden Angehörigen fehlen. Wieso steigen die Erkrankungen an? Die Gründe für den Anstieg könnten nicht genau benannt werden, sagt Stille: "Dazu gibt es bei den Experten unterschiedliche Meinungen. Einige gehen von einem tatsächlichen Anstieg der Erkrankungen aus. Andere glauben, dass heutzutage aufgrund eines gesellschaftlichen Wandels schneller Hilfe gesucht wird." Dennoch dürfte die Dunkelziffer bei psychischen Erkrankungen noch um einiges höher liegen, denn Stille verweist auf veröffentlichte Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. aus Berlin. Aus einem Bericht vom Juli 2019 gehe hervor, dass in Deutschland jedes Jahr rund 28 Prozent der Erwachsenen von einer psychischen Erkrankung betroffen seien, das seien etwa 17,8 Millionen Menschen, von denen pro Jahr rund 19 Prozent Hilfe in Anspruch nehmen.

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