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Loewe Logistik und Pro Werk - © Eike J. Horstmann
Loewe Logistik und Pro Werk | © Eike J. Horstmann

Herford/Bielefeld Herforder Unternehmen bietet Menschen mit Behinderungen Chancen auf Arbeitsmarkt

Seit zehn Jahren beschäftigt das Logistikunternehmen Loewe Menschen mit Behinderungen direkt im Betrieb. Ein Gewinn für beide Seiten – auch wenn es von beiden Seiten Vorbehalte gab.

Eike J. Horstmann
13.07.2019 | Stand 13.07.2019, 14:28 Uhr

Herford/Bielefeld. Als er noch in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeitete, hatte Norbert Reuffurth einen schweren Stand. Die Arbeit entsprach nicht seinen Neigungen und Fähigkeiten, mitunter wurde er als „ungeeignet" oder gar „untragbar" weggeschickt. Inzwischen ist er beim Betheler Stiftungsbereich Pro Werk angestellt, im Berufsleben angekommen – und rundum glücklich. Seit zehn Jahren sind er und seine Pro Werk-Kollegen beim Herforder Logistikunternehmen Loewe Logistics & Care im Einsatz. Und sie sind inzwischen eine nicht mehr wegzudenkende Größe in dem Unternehmen. Geschäftsführer ziehen Bilanz Den runden Jahrestag der Kooperation und des Aufbaus der betriebsintegrierten Arbeitsplätze nahmen die Geschäftsführer von Loewe und Pro Werk jetzt zum Anlass, mit ihren Mitarbeitern zu feiern. Gleichzeitig wurde eine Bilanz gezogen, die deutlich positiv ausfällt: Neben der beruflichen Inklusion und Teilhabe hat sich für einige Pro Werk-Mitarbeiter das Engagement an der Röntgenstraße zum Sprungbrett auf den Arbeitsmarkt entwickelt. Zuletzt absolvierte ein Mitarbeiter eine Ausbildung zur Fachkraft für Lager und Logistik – mit Bestnote, wie Loewe-Geschäftsführerin Kerstin Liefting betont. Andere wechselten von der Beschäftigung bei Pro Werk in ein reguläres Arbeitsverhältnis bei Loewe. „Der Arbeitsmarkt ist momentan wie leer gefegt", sagt Liefting. „Wir sind froh, dass wir über diese Zusammenarbeit qualifizierte und loyale Mitarbeiter bekommen." Der Startschuss für die Zusammenarbeit fiel, als Loewe einen Großauftrag erhielt, der das Unternehmen vor eine Herausforderung stellte. Tausende Artikel mussten auf Wunsch eines Kunden mit Etiketten versehen werden. „Bei der Menge war es einfach nicht zu bewerkstelligen, dass wir die Waren erst zur Werkstatt hin und dann wieder zurück bringen", sagt Kerstin Liefting. Entsprechend fiel die Entscheidung, vor Ort betriebsintegrierte Arbeitsplätze zu schaffen. „Das war am Anfang nicht ganz einfach, beide Seiten mussten sich aneinander gewöhnen", sagt Logistik-Leiter Udo Ebert. Die Loewe-Mitarbeiter trieben ganz konkrete Fragen um, etwa: Würden die „Neuen" die ihnen übertragenen Aufgaben bewältigen können? Oder wie sollte man reagieren, wenn einer der Behinderten plötzlich umkippt oder einen Anfall hat? Auch die Pro Werk-Mitarbeiter hatten anfangs ihre Probleme. So wurde 2009 zunächst für sie ein Bus eingesetzt, damit sie überhaupt in das Industriegebiet gelangten. „Der reinste Kindergarten", sagt Norbert Reuffurth und rollt mit den Augen. »Da fragte man sich schon: Was mache ich hier eigentlich?« Zudem hatte es anfänglich noch bei der Zuteilung der Arbeit gehakt. „Hin und wieder hatten wir nichts zu tun und haben „Mensch-ärgere-Dich-nicht gespielt", sagt er. „Da hat man sich schon gefragt: Was mache ich hier eigentlich?" Inzwischen kommen Norbert Reuffurth und seine Kollegen selbstständig mit dem öffentlichen Nahverkehr , die Anbindung der Röntgenstraße ist nicht zuletzt durch den Einsatz des Unternehmens zumindest von Herford aus erheblich besser geworden. Über mangelnde Arbeit kann sich auch niemand beschweren, im Gegenteil. Denn im Verlauf der Zeit haben die Verantwortlichen von Loewe und Pro Werk festgestellt, dass durch gezieltes Fördern und Fordern die ursprünglichen, recht simplen Tätigkeitsfelder bei weitem nicht mehr ausreichen. „Die Leute sind mit ihren Aufgaben immer weiter gewachsen", berichtet Ebert. Irgendwann wurden die Pro Werk-Mitarbeiter auch bei der Kommissionierung, bei der Verpackung oder bei der Lagerlogistik eingesetzt. Inzwischen haben die ersten Mitarbeiter sogar einen Staplerführerschein gemacht und befüllen Regale in zehn Metern Höhe. „In Spitzenzeiten planen wir die Pro Werk-Mitarbeiter fest ein", sagt Ebert und räumt ein, dass er sich diese „totale Normalität" vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können. Eine Einschätzung, die Mitarbeiter Norbert Reuffurth und seine Kollegen sicherlich zu 100 Prozent teilen.

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