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In die Zange genommen: Die Aktiven von Fridays for Future am Herforder Rathaus. - © FFF
In die Zange genommen: Die Aktiven von Fridays for Future am Herforder Rathaus. | © FFF

Herford Stadt Herford lässt "Fridays For Future" auf Müll sitzen

Die Schüler sammelten in der Innenstadt große Mengen Unrat ein. Als der nicht wie abgesprochen am Alten Markt abgeholt wurde, landeten die Säcke aus Protest kurzerhand vor dem Herforder Rathaus.

Eike J. Horstmann
04.06.2019 | Stand 04.06.2019, 08:43 Uhr

Herford. Wie man es als Jugendlicher macht, macht man es offenbar falsch: Schimpften viele ältere Bürger vor gar nicht allzu langer Zeit noch über die vermeintlich unpolitische und lethargische Jugend, schimpfen sie nun über die "Fridays For Future" (FFF)-Demonstrationen. Einer der gern ins Feld geführten Vorwürfe ist, dass die eigentlich für den Naturschutz kämpfenden Schülerinnen und Schüler bei ihren Demonstrationen Berge von Müll hinterließen - Plakate, Fast-Food-Verpackungen und ähnlichen Unrat. Dass mitunter genau das Gegenteil der Fall ist, zeigten nun die Aktiven von FFF Herford. Im Vorfeld ihres inzwischen wöchentlichen Protests gegen die Klimaerwärmung griffen rund zwei Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene zu Zange und Müllsack und sorgten so dafür, dass zumindest in ihrer Heimatstadt weniger Dreck in Grünanlagen, Büschen und auf Gehwegen herumliegt. Doch die gut gemeinte Aktion endete nicht ganz so gut, wie es sich die Schüler ursprünglich überlegt hatten. Die Müllabfuhr hatte schon Feierabend "Wir haben von 11 bis 13 Uhr in ganz Herford Müll gesammelt", sagt FFF-Sprecher Jan Lieberum und berichtet, dass es mit der Stadt Herford im Vorfeld Absprachen gegeben habe, dass der dabei zusammengetragene Abfall von Mitarbeitern der SWK bei der Fridays For Future-Kundgebung am Alten Markt abgeholt werden würde. Doch die Säcke blieben liegen, niemand tauchte auf. Die Jugendlichen griffen zum Telefon und versuchten, jemanden bei der Stadt zu erreichen. "Nach mehreren Anrufen wurde uns dann mitgeteilt, dass der Müll doch nicht abgeholt werden könne", sagt Lieberum. Die Erklärung: Alle Mitarbeiter seien bereits im Feierabend. Die Aktiven von FFF Herford entschlossen sich daraufhin, eine "Spontandemo am Rathaus" zu machen. "Wir haben den Müll dort platziert, um ihn dann gemeinsam mit dem Hausmeister des Rathauses zu entsorgen", sagt Jan Lieberum. Ihren Ärger machten die Aktiven dann direkt vor dem Haupteingang des Rathauses Luft. "Es ist schade, dass die Stadt Absprachen, die getroffen wurden, so nicht einhält", kritisiert Lieberum die gleichgültig wirkende Erklärung, warum der Müll nicht abgeholt wurde. Inzwischen hat die Stadt Herford in Person von Bürgermeister Tim Kähler auf den Protest der Jugendlichen reagiert und die Aktiven von Fridays For Future Herford zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen.

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