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Die Stadt Herford verhandelt mit Landwirten über Blühstreifen – in einigen Fällen durchaus erfolgreich. - © Kreis Herford
Die Stadt Herford verhandelt mit Landwirten über Blühstreifen – in einigen Fällen durchaus erfolgreich. | © Kreis Herford

Herford Glyphosat-Verbot bis 2020 auf allen Flächen der Stadt Herford

Bis 2020 will die Stadt alle Pachtverträge an die Regelung anpassen

Corina Lass
14.05.2019 | Stand 13.05.2019, 20:43 Uhr

Herford. Auf 8,5 Hektar (85.000 Quadratmeter) städtischer Fläche dürfen Landwirte kein Glyphosat und keine Neonicotinoide mehr verwenden. Das entspricht 47 Prozent der gesamten Fläche, die Landwirte zur Bewirtschaftung von der Stadt gepachtet haben. Die Verwaltung hat jetzt über die Umsetzung des Verbots auf städtischen Flächen informiert. Der Bau- und Umweltausschuss hatte es, wie berichtet, im März vergangenen Jahres beschlossen. Dabei gab sie auch bekannt, wo überall Blühstreifen entstehen. Die Grünen hatten die Verhandlungen mit den Eigentümern darüber als kleinen Schritt gegen das Artensterben beantragt. Der Verwaltung zufolge gibt es zwischen der Stadt und Landwirten neun Pachtverträge mit einer Gesamtfläche von rund 18 Hektar (180.000 Quadratmeter), die von der Änderungspflicht betroffen sind. Bei sechs dieser Verträge sei bisher ein Verbot für die Anwendung von Glyphosat und Neonicotinoiden vertraglich geregelt worden. Drei Pächter hat die Stadt verpflichtet, Blühstreifen anzulegen Die Stadt plant, zwei weitere Pachtverträgen noch 2019 und den letzten Vertrag 2020 anzupassen. Die Verzögerungen seien den Restlaufzeiten der Verträge geschuldet, so die Stadt. Die Verwaltung hat zudem eine neu hinzu gekommene Fläche von rund 2,4 Hektar (24.000 Quadratmeter) verpachtet und auch in diesen Vertrag ein Verbot für Glyphosat und Neonicotinoiden aufgenommen. Zugleich hat sie vereinbart, dass auf der betreffenden Fläche rund 2.200 Quadratmeter Blühstreifen angelegt werden. Im Einzelnen bedeutet das: Blühen wird es auf diesen 2.200 Quadratmeter an der Höhenstraße. Blühstreifen werden außerdem neu angelegt auf 900 Quadratmeter am Wüstener Weg, auf 500 Quadratmeter an der Straße Im Heidsiek und auf 300 Quadratmeter an der Mindener Straße. Blühstreifen von 3.900 Quadratmetern in der Stadt neu angelegt Im Herforder Stadtrat hatten die Linken das Glyphosat-Verbot vergangenes Jahr zum Thema gemacht. Unterstützt wurde Ratsfrau Inez Déjà damals von SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Im Hintergrund der Debatte um Pflanzenvernichtungsmittel stehen unterschiedliche Auffassungen über die Schädlichkeit von Glyphosat: Déjà verwies im vergangenen Jahr auf Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach das Pflanzenvernichtungsmittel in Verdacht steht, krebserregend zu sein. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld, Hermann Dedert, hält sich hingegen an das Bundesamt für Risikobewertung, das diese Frage anders beurteilt. Eine ensprechende Glyphosat-Entscheidung für Kreis-Flächen fiel 2018 noch weitreichender aus: Demnach dürfen auf kreiseigenen Flächen keine Herbizide und keine Insektizide mehr verwendet werden. Das Verbot umfasst auch Glyphosat und Neonicotinoide. Für die Grünen sagte Herbert Even im Bau- und Umweltausschuss, dass die Stadt offenbar trotz größerer Diskussionen an dem Verbot im vergangenen Jahr mit den Landwirten Vereinbarungen habe treffen können. Wie berichtet, hatte es Widerstände von Seiten der Landwirtschaft gegen ein Glyphosat-Verbot gegeben. Insbesondere hatte Dedert kritisiert, dass der Beschluss ohne vorherige Gespräche mit den Landwirten gefällt worden war.

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