Brand Feuerwehr Hochhaus Lübberstraße an der Werre - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Brand Feuerwehr Hochhaus Lübberstraße an der Werre | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Feuer in Herforder Innenstadt: Einsatzkräfte löschen über 24 Stunden

Fünf Menschen mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht

Björn Vahle
04.04.2019 | Stand 04.04.2019, 16:28 Uhr |
Angelina Kuhlmann

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Nach mehr als 24 Stunden Arbeiten hat die Feuerwehr den Brand an der Lübberstraße unter Kontrolle bringen können. Die Löscharbeiten der Feuerwehr konzentrierten sich am Donnerstagmorgen zunächst auf den Fahrstuhlschacht des Hauses, wie eine Polizeisprecherin sagte. Dort entstanden immer wieder kleine Brandnester. Die Kriminalpolizei hat die Brandstelle mittlerweile beschlagnahmt. Die vermisste Bewohnerin der ausgebrannten Dachgeschosswohnung ist noch nicht gefunden worden. Die Polizei berichtet jetzt aber von einer neuen Spur im Fall der 72-Jährigen. Man gehe aktuell einem neuen Hinweis zu ihrem Verbleib nach, so Polizeisprecher Uwe Maser. Die Ursache für das Feuer ist weiter unklar Mittlerweile hat sich auch Bürgermeister Tim Kähler zum Einsätzer der Feuerwehr- und Rettungskräfte geäußert. Man sehe, dass "die Herforder zusammen rücken, wenn es schwierig wird", so Kähler im Gespräch mit nw.de. Im Namen der Einsatzkräfte bitte auch er um Verständnis, "dass die Arbeiten am Einsatzort noch dauern". Die Sicherheit und Arbeit der Polizei gehe da vor. Zuvor hatte die Feuerwehr eine Pressemitteilung verschickt , in der Kähler ebenfalls zu Wort kommt: "Ein großes Dankeschön geht an alle Rettungskräfte, an die Nachbarkommune, das Deutsche Rote Kreuz und an die Herforderinnen und Herforder, die die Kameraden vor Ort am Mittwoch und in der Nacht mit ihrer Hilfesbereitsschaft super unterstützt haben",so der Bürgermeister. Gegen 8.30 Uhr zogen die erschöpften Feuerwehrmänner aus Herford zunächst  ab, um neue Kraft zu tanken. Die Löschzüge Mitte und Elverdissen waren die ganze Nacht im Einsatz. Die Kollegen aus Vlotho und Bielefeld übernahmen die Brandwache. Unterdessen haben die  Brandermittler der Kriminalpolizei ihre Suche nach der Ursache des verheerenden Feuers  begonnen. Aktuell sind die Einsatzkräfte nun dabei, die Brandwohnung "von möglichst viel Brandlast zu befreien", so Feuerwehr-Pressesprecher Christoph Büker. Der Autokran platziert zeitgleich eine Mulde vor dem Balkon. So wollen sie nach und nach ins Innere der Wohnung vordringen. Ob die komplette Wohnung heute noch begangen werden kann, steht noch nicht fest. Für die Autofahrer ist (Stand  13.30 Uhr) die  Berliner Straße wieder in beiden Richtungen zu befahren. Die Lübberstraße  am Lübbertor ist allerdings  weiter gesperrt. Darüber hinaus teilt die Feuerwehr mit, dass es durch den Brand zu keiner Schadstoffbelastung gekommen sei. Ein Messwagen sei gestern vor Ort gewesen, so Pressesprecher Christoph Büker, und habe die gesamte Umgebung auf eine "mögliche Gefährdung der Bevölkerung kontrolliert". Das Feuer in dem fünfstöckigen Wohnhaus war am Mittwochmorgen ausgebrochen. Fünf Menschen erlitten Rauchvergiftungen und wurden in Krankenhäuser gebracht. Zwei Feuerwehrleute wurden mit Erschöpfungserscheinungen in ein Krankenhaus gebracht. In dem Haus befinden sich laut Polizei insgesamt 15 Seniorenwohnungen. Zehn ältere Menschen hat die Herforder Feuerwehr am Mittwochmorgen in einem dramatischen Großeinsatz aus dem brennenden sechsstöckigen Wohn- und Geschäftshaus an der Lübberstraße 2 gerettet, fünf mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Auch das Nachbarhaus wurde evakuiert Das Schicksal der 72-jährigen Bewohnerin einer Wohnung im Dachgeschoss, in der das Feuer am Mittwoch wohl kurz vor 8 Uhr ausgebrochen ist, ist ungeklärt, sagen Polizei und Feuerwehr. Wenn sie sich jedoch in der Wohnung zum Brandzeitpunkt aufgehalten habe, gebe es allerdings keine Hoffnung, dass sie noch lebt. Aus Sicherheitsgründen wurde im Laufe der Löscharbeiten auch das Nachbarhaus evakuiert. Für die Bewohner des Nachbarhauses wurde zunächst ein weiteres Zelt des Roten Kreuzes auf der Lübbertor-Brücke aufgestellt. Die Nacht verbringen sie in einem Hotel. Der Einsatz erwies sich als schwieriger als gedacht, weil die Wohnung der 72-Jährigen bis über die Fensterbänke hinaus mit Kleidung vollgestopft war. Weil Dach und obere Etage von einem Statiker und Fachleuten des Technischen Hilfswerks als einsturzgefährdet eingestuft wurden, musste sich die Feuerwehr schnell ganz aus dem Haus zurückziehen. Deckenkonstruktion brennt bis in die Nachtstunden Am Mittwochvormittag hatten die Einsatzkräfte über das Informationssystem "Katwarn" eine erste Warnstufe für Herford gemeldet. Sie baten Anwohner im großen Umkreis Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch Lüftungs- und Klimanlagen sollten abgestellt werden, so die Warnung. Es komme es zu einer "starken Rauchentwicklung, die Richtung Süden zieht", so die Einsatzkräfte. Gegen 15 Uhr wurde diese Warnung wieder aufgehoben. Fünf gerettete Bewohner wurden vom Rettungsdienst behandelt und ins Krankenhaus gebracht. Das Rote Kreuz baute ein Zelt als Behandlungsplatz für alle in Sicherheit gebrachten Bewohner - überwiegend Senioren - in der Werrestraße auf und betreut sie. Die zwei Feuerwehrleute, die ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, waren nach kurzer Zeit aber wieder am Brandort im Einsatz. Im Gebäude sind Seniorenwohnungen untergebracht Zuerst vor Ort waren hauptamtliche Feuerwehrleute und Feuerwehrchef Michael Stiegelmeier aus Herford. Die lösten unmittelbar Großalarm Feuerstufe 3 "Menschen in Gefahr" aus. Bis zu 50 Feuerwehrleute und 20 Rettungskräfte sind im Einsatz. In der Wohnung muss eine Hitze von über 700 Grad entstanden sein. Wann die Brandwohnung das erste Mal von einem Sachverständigen betreten werden kann, ist noch nicht klar. Die Herforder Feuerwehr musste Drehleitern aus Hiddenhausen, Enger und Bad Salzuflen anfordern, weil der eigene Teleskopmast zur Wartung ist und kein Reservefahrzeug vorhanden ist. Da diese Drehleitern aber am Donnerstag wieder anderweitig gebraucht wurden, wurde am Morgen eine Drehleiter aus Bielefeld angefordert. Im Erdgeschoss des Gebäudes sind das Eiscafé Cerdo, ein türkischer Imbiss und ein Wettbüro untergebracht. Bei den Wohnungen in den fünf oberen Stockwerken handelt es sich um Seniorenwohnungen und betreutes Wohnen. Dort befindet sich das Seniorendomizil "Am Lübbertor", das von der Wilhelmshof Senioren Wohnen GmbH betrieben wird. Nach nw.de-Recherchen sollen die Bewohner des Seniorendomizils zunächst in einer anderen Einrichtung untergebracht werden. Die Frage, ob die Bewohner überhaupt wieder zurück in das Gebäude kommen, kann aber erst dann geklärt werden, wenn Sachverständige das Haus betreten können. Dieser Schritt kann aber erst dann folgen, wenn keine Gefahr mehr besteht. Ob das schon am Donnerstag der Fall sein könnte, ist noch unklar. Facebook-Gruppe startet Spenden-Aufruf Gedanken um den Verbleib der betroffenen Senioren hat sich unterdessen auch schon die Facebook-Gruppe "Du lebst schon lange in Herford, wenn..." gemacht. Claudia Czyz von der Gruppe ruft auch öffentlich zu einer Sammelaktion von Klamotten und Möbeln auf. "Sammelplatz wird wahrscheinlich das alte Praktikergelände sein. Dies kann aber in Einzelfällen auch noch abgesprochen werden", sagt Czyz. Wie genau die Aktion ablaufen soll, ist aber noch nicht klar. Auch die Gruppe will Meinungen von Gutachtern abwarten, ob die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkönnen. Dieter Glander, Mitarbeiter der Firma Duka, die im Auftrag  des Seniorenheim-Betreibers Umzüge und Haushaltsauflösungen erledigt, findet es gut, dass viele Menschen helfen wollen. Er sagt aber aber: "Die Bewohner des Hauses brauchen jetzt erstmal ein Dach über den Kopf. Noch steht  nicht fest, wo die Menschen untergebracht werden können und ob oder wieviel Möbel benötigt werden. Hier sehe ich auch die Stadt Herford in der Pflicht, bei der Suche nach Wohnraum zu helfen."

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