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Mathias Polster (v. l.), Wolfgang und Werner Kaiser sowie Dokumentarfilmer Norbert Kaase haben auf dem oberen Parkdeck einen guten Blick über den Innenstadtring. - © Natalie Gottwald
Mathias Polster (v. l.), Wolfgang und Werner Kaiser sowie Dokumentarfilmer Norbert Kaase haben auf dem oberen Parkdeck einen guten Blick über den Innenstadtring. | © Natalie Gottwald

Herford Deswegen dreht diese Filmcrew jetzt in Herford

Mit Zeitzeugen auf der Suche nach dem alten Herford

Natalie Gottwald
22.03.2019 | Stand 21.03.2019, 19:51 Uhr

Herford. „Wir hatten das letzte Haus, an dessen Grundstücksende meine Mutter noch die Wäsche in der Bowerre waschen konnte", erinnert sich Werner Kaiser. Nächstes Jahr wird er 90 Jahre alt und ist damit ein wichtiger Zeitzeuge für ein Filmprojekt, das der Dokumentarfilmer Norbert Kaase mit Unterstützung von Stadtführer Mathias Polster umsetzen will. Die Geschichte von Herford soll darin dargestellt werden. Wie sah es an markanten Punkten der Stadt früher aus? In welchem Haus war mal ein Metzger ansässig und in welchem ein Tante-Emma-Laden? Was wurde im Krieg zerstört und was ist an dieser Stelle später entstanden? Solchen Fragen wird der Film nachgehen. Auf Dachböden und Kellern versteckt „Als Quellen dienen uns das Kreisarchiv und auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster. Am wichtigsten sind aber die Privatarchive, zum Teil sind das alte Fotos oder sogar Filmdokumente aus alter Zeit, die hier irgendwo in Kellern oder auf Dachböden verstauben. Und die suchen wir", sagt Polster. Und natürlich werden Zeitzeugen gesucht. „Was zum Beispiel die Bombenangriffe auf Herford im Zweiten Weltkrieg angeht, gibt es nicht mehr viele", so Polster, der es wichtig findet, die privaten Erinnerungen dieser Menschen für die Nachwelt zu sichern. Etwa die von Werner Kaiser, der im Haus Nummer 19 an der Bergertormauer lebte. „Ich kann mich noch erinnern an die Bomben, von denen eine einen Volltreffer auf das Hotel Zur Post landete", erzählt Kaiser, der mit seinem Sohn Wolfgang zu einem ersten Termin mit den Filmemachern auf das obere Parkdeck des Saturn-Parkhauses gekommen ist. Erinnerungen der Zeitzeugen sind wertvoll Von dort aus zeigt er auf die Stelle hinter dem heutigen Innenstadtring, an der früher die Bergertormauer verlief und wo sein Elternhaus stand. „Wir interessieren uns dafür, wo durch einzelne Bomben Lücken entstanden sind und was dazu führte, dass der Durchbruch für den Innenstadtring gemacht wurde", sagt Polster. Das ist übrigens auch der Arbeitstitel für den Film: „Der Durchbruch". Wer sich noch an die Planungen für den Innenstadtring, das Zuschütten der Bowerre die Planungen für die heutige Fußgängerzone, den Abbruch des Friedrichsgymnasiums, den Neubau von Siedlungen und von Theater, Schützenhof und Hallenbad erinnern kann, sei aufgerufen, sich zu melden, appelliert Matthias Polster an die Herforder. „Generell sind auch Erinnerungen an die Nachkriegszeit mit der Besatzung und den Vertriebenen, die nach Herford kamen, sehr wertvoll. Und andere ehemalige Bewohner der abgebrochenen Straßenzüge wie der Bergertormauer können sich sehr gerne melden." Der Stiftberg sei in der Nachkriegszeit zum Beispiel besetzt gewesen. „Es wäre spannend mit jemandem zu sprechen, der damals vom Stiftberg vertrieben worden ist und sich an diese Zeit noch erinnern kann", sagt Polster. Bis Weihnachten 2020 soll der Film fertig sein Im kommenden Jahr – wenn alles gut geht zur Weihnachtszeit – soll der Film fertig sein. Der aus Bünde stammende Filmer Norbert Kaase hat bereits Dokumentationen über seine Heimatstadt und über Vlotho gedreht und bringt damit einiges an Erfahrung mit. Er weiß auch, dass ein solches Projekt Zeit braucht. „Wir werden das gesamte Jahr 2019 nutzen, um Erinnerungen zu sammeln", sagt Polster. Dafür sind auch Veranstaltungen in der Volkshochschule geplant. „Ich werde dort Fotos zeigen – oft helfen alte Bilder der Erinnerung auf die Sprünge", weiß Polster, der für das Filmprojekt auch Zugriff auf das umfangreiche Fotoarchiv von Rainer Pape, langjähriger Leiter des Städtischen Museums und des Stadtarchivs, hat. „Mit dem Film wollen wir die Zeit des Umbruchs nach dem Krieg und die daraus folgenden Entwicklungen dokumentieren", sagt der Stadtführer zur Motivation für den Film. „Wir wollen nicht darüber jammern, dass alles weg ist, sondern rein dokumentarisch zeigen, was passiert ist und warum." Die Termine für die Infoveranstaltungen in der VHS stehen noch nicht fest und werden noch bekannt gegeben. Wer aber noch alte Dokumente hat oder sich selbst als Zeitzeuge zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne schon bei Mathias Polster melden unter Tel. (0173) 5 34 20 90 oder per E-Mail.

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