Dagmar Faißt-Blötscher will auch in Zukunft ihre Laufschuhe schnüren. Ein Halbmarathon muss es aber nicht zwingend noch einmal sein. - © Magnus Horn
Dagmar Faißt-Blötscher will auch in Zukunft ihre Laufschuhe schnüren. Ein Halbmarathon muss es aber nicht zwingend noch einmal sein. | © Magnus Horn

Kreis Herford NW-Projekt "Lauf geht's": Sechs Monate für das große Ziel

Die Aktion mit der Krankenkasse Viactiv und den Active-Sportshops geht in die nächste Runde

Magnus Horn
23.02.2019 | Stand 24.02.2019, 12:53 Uhr

Kreis Herford. Ist das nicht eine Nummer zu groß? Diese Frage stellte sich Dagmar Faißt-Blötscher oft im vergangenen Jahr. Würde sie den Halbmarathon (21,1 Kilometer) wirklich schaffen? Die Antwort im September hieß: ja. Ein halbes Jahr lang hat sich die Bünderin mit Hilfe des NW-Projekts „Lauf geht’s!" auf den Halbmarathon in Bochum vorbereitet.

„Ich wollte schon immer mal richtig laufen können", sagt die 50-Jährige. Doch ihr fehlte der richtige Ansatz – und die entsprechende Anleitung. „Ich hätte nicht gewusst, wie ich das anpacke", erklärt sie. Geholfen hat ihr „Lauf geht’s!". „Das Programm klang ganzheitlich gut und hat mich angesprochen." Die Mischung der Teilnehmer hat ihre anfänglichen Zweifel endgültig weggewischt.

Für Laufänfanger und Wiedereinsteiger

Ob Laufanfänger, Wiedereinsteiger oder Gelegenheitsläufer: „Lauf geht’s!" richtet sich an alle, die unter professioneller Begleitung das Ziel Halbmarathon erreichen wollen. Die Trainer, die in diesem Jahr ab dem 12. Mai die wöchentlichen Lauftreffs begleiten, orientieren sich an der sogenannten „F-AS-T"-Formel.

Die von Sportwissenschaftler Dr. Wolfgang Feil entwickelte Formel steht für Fettstoffwechsel, allgemeine Stabilität und topfit. Während der Projektlaufzeit ist Feil als wissenschaftlicher Leiter stets Ansprechpartner. Obendrein beinhaltet das Programm einen individuellen Trainingsplan sowie wertvolle Ernährungstipps.

Die Teilnehmer werden in drei Leistungsgruppen eingeteilt. Vergleichend mit Kaffee-Spezialitäten geht es nach Stärkegraden aufsteigend von Latte Macchiato über Cappuccino bis zu den Profis, die in der Espresso-Gruppe starten.

Fit für den ersten Lauftrefftag

In der Latte-Macchiato-Gruppe fing Faißt-Blötscher langsam an. Angefangen mit Stabilisation und Mobilisation ging es mit Walken weiter hin zu einem Wechsel aus Laufen und Gehen. Nach und nach stiegen die Zeitumfänge.

Unter der Woche standen selbstständiges Laufen und Stabilisierungsübungen auf dem Programm. Faißt-Blötscher betont, dass die Kontinuität sehr wichtig sei. Auf den Samstag als Lauftreff-Tag habe sie hingearbeitet. „Da wollte man nicht hinterherhecheln."

Darüber hinaus zog sie Motivation aus der Gruppe. Mit den Mitgliedern habe sie sich gut verstanden. Noch heute stehe sie mit vielen in Kontakt. „Die Gruppe hat mich auch durch das Projekt getragen", erinnert sich Faißt-Blötscher, als sie über gelegentliche Tiefs spricht.

"Ich wusste, wenn ich mir die Zeit nicht nehme, klappt's nicht"

Aufkommendem Stress wirkte sie entgegen, indem sie sich ihr Ziel immer wieder vor Augen führte. „Ich wusste, wenn ich mir diese Zeit für das Training nicht nehme, dann schaffe ich es nicht. Den Ehrgeiz entwickelt man im Laufe der Zeit."

Unterstützung hat Faißt-Blötscher darüber hinaus von ihrer Familie bekommen. „´Lauf geht’s' war mein Projekt und dafür hatten mein Mann und mein Sohn Verständnis – auch wenn sie scherzhaft gemeckert haben, wenn aufgrund der Ernährungstipps nur gesunde Sachen im Haus waren", sagt sie und lacht. Die Lauftreffs zog sie anderen Unternehmungen vor. „Ich brauchte die Gruppe, um dranzubleiben. Es hat mir einfach gutgetan."

"Das werde ich nie vergessen"

Der Aufwand hat sich gelohnt. In weniger als drei Stunden hat Faißt-Blötscher den Halbmarathon geschafft. „Das hätte ich niemals gedacht, als ich im März angefangen habe", sagt sie. Das Gefühl am Ende des Laufes? „Das war unglaublich. Das werde ich nie vergessen", sagt sie. Auf der langen Strecke war sie nie allein.

Immer wieder habe sie die roten „Lauf geht’s!"-T-Shirts gesehen. Die letzte Runde sei hart gewesen, sagt sie, doch das Adrenalin habe ihr geholfen. „Ich wusste, ich schaffe das jetzt, auch wenn ich krieche. Ich habe ein halbes Jahr geackert, um dort anzukommen". Ihr Mann sei im Ziel so stolz gewesen, als habe er es selbst geschafft, berichtet sie.

Das Laufen hat die 50-Jährige auch nach dem Ende des Projekts nicht aufgegeben. Zwei bis drei Mal in der Woche läuft sie noch – etwa acht bis zehn Kilometer. Auf den beginnenden Frühling mit der aufblühenden Natur freut sie sich besonders. „Ich laufe jetzt, weil es mir Spaß macht und weil es mit guttut."

Information

So nehmen Sie teil

  • „Lauf geht’s" ist ein Projekt der Neuen Westfälischen in Kooperation mit der Krankenkasse Viactiv und den Active-Sportshops.
  • Ziel ist es, fit zu werden für einen Halbmarathon, der am 3. November in Gütersloh stattfindet.
  • Vom 12. Mai an finden wöchentliche Lauftreffs in Gütersloh, Bielefeld, Herford und Bünde unter Anleitung von geschulten Trainern statt.
  • Anlässlich des diesjährigen Projekts gibt es am Donnerstag, 7. März, um 19 Uhr in der Ravensburger Spinnerei in Bielefeld eine kostenlose Infoveranstaltung. Um eine vorherige Anmeldung wird hier gebeten.
  • Infos gibt es auch unter Tel. (05 21) 55 53 97. Hier erreicht man Projektleiter und Ansprechpartner Stefan Gärtner. Er übernimmt in diesem Jahr die Rolle von Sven Kowalski, der im vergangenen Jahr Projektleiter war.
  • Der 33-Jährige nimmt auch selbst aktiv an „Lauf geht’s!" teil. „Ich freue mich darauf, nach längerer Verletzungspause wieder aktiv Sport zu treiben."


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