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So soll der eigene Garten einmal aussehen: Ein Foto mit einem Beispiel für ein gemütliches Plätzchen in der Natur hängt im Büro von Simona Langenberg, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herford, an der Pinnwand. - © Foto: Natalie Gottwald
So soll der eigene Garten einmal aussehen: Ein Foto mit einem Beispiel für ein gemütliches Plätzchen in der Natur hängt im Büro von Simona Langenberg, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Herford, an der Pinnwand. | © Foto: Natalie Gottwald

Kreis Herford "Ab und zu muss ich auf die Bremse treten"

NW-Serie: Seit zwei Jahren ist Simona Langenberg Gleichstellungsbeauftragte für den Kreis Herford. Im NW-Gespräch erzählt sie, warum Sandkörnchen für ihre Position eine wichtige Rolle spielen

Natalie Gottwald
12.02.2019 | Stand 12.02.2019, 15:48 Uhr

Kreis Herford. Dass Frauen in Führungspositionen auch heute noch unterrepräsentiert sind, stimmt zwar, aber Simona Langenberg drückt diese Tatsache bewusst anders aus. "Ich sage, dass Männer überrepräsentiert sind. Das löst meist nicht so viel Widerstand aus, weil es weniger nach einer Forderung klingt." Dass solche vermeintlichen Kleinigkeiten in der Wortwahl das Wirken einer Gleichstellungsbeauftragten vereinfachen können, hätte Simona Langenberg selbst nicht gedacht, bevor sie vor rund zwei Jahren die Position beim Kreis Herford übernahm. Genauso wenig hätte sie erwartet, dass diese Tätigkeit sich selbst im Privatleben auswirkt. "Wenn ich sage, was ich beruflich mache, löst das immer etwas aus. Es werden Diskussionen angeregt, die man vorher schon lange nicht mehr geführt hat." Dass diese Diskussionen aber auch heute noch geführt werden müssen, davon ist Simona Langenberg überzeugt. "Es hat sich zwar viel getan in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau", sagt sie. "Frauen sind heutzutage so gut ausgebildet wie noch nie zuvor. Aber dennoch kommen sie nicht an bestimmte gesellschaftliche Schaltstellen." »Frauen machen heute noch 70 Prozent mehr Hausarbeit« Im Kreishaus sei man da zwar schon ziemlich gut aufgestellt, aber selbst dort bestehe noch Nachbesserungsbedarf. "Bei den Mitarbeitenden liegt die Frauenquote bei 60 Prozent, bei den Abteilungsleitungen immerhin schon bei 50 Prozent. Aber bei den Amtsleitungen sind wir erst bei einem Drittel Frauen. Auf der Dezernenten-Ebene liegen wir derzeit leider bei null Prozent." Es sei wichtig, die für den Bereich der Gleichberechtigung relevanten Forschungsergebnisse zu kennen und immer wieder an passenden Stellen einzubringen, sagt Simona Langenberg. "Es ist zum Beispiel erwiesen, dass Frauen immer noch rund 70 Prozent mehr Hausarbeit machen als Männer - auch wenn keine Kinder im Haus sind. Außerdem leisten sie 52 Prozent mehr so genannte Sorgearbeit als Männer. Damit ist neben dem Haushalt auch die Erziehungs- und Versorgungsarbeit bei Kindern oder auch Pflege von Eltern gemeint", so die Gleichstellungsbeauftragte. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen werde schnell deutlich, weshalb Frauen häufig davor zurückschreckten, im Beruf Vollgas zu geben und mehr Verantwortung zu übernehmen. "Dennoch müssen wir die Wünsche und Rahmenbedingungen so verändern, dass das auch für Frauen möglich wird. Und wir müssen die Frauen ermutigen, keine Abstriche in ihrer beruflichen Entwicklung zu machen." Schließlich sei eine gesunde Mischung von Jung und Alt, von Frauen und Männern für jedes Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Als Gleichstellungsbeauftragte wirft sie hin und wieder Sand ins Getriebe Simona Langenberg ist bereits seit 1989 bei der Kreisverwaltung Herford. "Ich habe selbst den Eindruck, dass es damals, als ich noch normal in der Verwaltung arbeitete, darauf ankam, ständig Öl ins Getriebe zu schmieren, um den Laden am Laufen zu halten. Jetzt, als Gleichstellungsbeauftragte, bin ich eher dafür zuständig, hin und wieder Sandkörnchen ins Getriebe zu werfen, um auf Ungleichheiten aufmerksam zu machen und zu sagen: Stopp. Guckt da noch einmal genauer hin! Da muss ich manchmal einfach auf die Bremse treten." Die Themen, die in der Gleichstellungsstelle eine Rolle spielen, sind vielfältig und können in jedem anderen Bereich eine Rolle spielen. Nicht zuletzt deshalb ist die Gleichstellungsstelle, die im Kreishaus mit 1,5 Stellen besetzt ist, keinem Dezernat, sondern als Stabstelle dem Landrat direkt zugeordnet. Simona Langenberg betreut die Gleichstellungsstelle gemeinsam mit Ella Kraft. Im vergangenen Jahr spielte das Thema "100 Jahre Frauenwahlrecht" eine bedeutende Rolle. "Dazu haben wir zum Beispiel Veranstaltungen und Vorträge organisiert", sagt Simona Langenberg. Auch die Themen "Gewalt gegen Frauen" oder das Prostituiertenschutzgesetz spielten eine Rolle. "Unsere Arbeit ist eng an die Gesellschaft und an Aktualität geknüpft", so Langenberg. "Es ist wichtig, dass wir aktiv Themen aufgreifen und ins Bewusstsein holen." Privat lebt sie in einer Patchworkfamilie mit Mann und insgesamt vier Kindern Mit "wir" meint Simona Langenberg übrigens auch die anderen acht Gleichstellungsstellen im Kreisgebiet, die bei den Kommunen angegliedert sind. Simona Langenberg wohnt in einer dieser Kommunen - in Löhne. Die 47-Jährige lebt mit ihrem Mann in einer "Patchworkfamilie mit insgesamt vier Kindern", wie sie selbst sagt. "Die Kinder sind 17, 19, 23 und 24 Jahre alt, und jeder von uns hat ein Mädchen und einen Jungen mit in die Familie gebracht." Das große Hobby Langenbergs ist ihr Garten. Stauden und Kräuter wachsen dort vorwiegend auf einem rund 950 Quadratmeter großen Grundstück. "Ich habe noch sehr viele Umgestaltungsideen", sagt die 47-Jährige. "Aber an meiner Geduld muss ich in diesem Zusammenhang noch arbeiten." Die schwierigen Arbeiten werden dabei an Mann und Sohn delegiert. "In diesem Jahr haben wir viel geschafft. Neue Beete angelegt, mit dem Presslufthammer alte Betonwege beseitigt", erzählt Simona Langenberg und deutet auf eine kleine Karte hinter ihrem Schreibtisch an der Pinnwand. Ein gemütliches Plätzchen, inmitten von bunt blühenden Stauden ist dort auf einem Foto abgebildet. "Das ist mein Vision-Board", sagt die Garten-Freundin. "So soll es irgendwann einmal aussehen."

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