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Visite im Krankenhaus in Lwere: Dr. Kathrin Baumgartner (3.v.r.) hat Projektbesuch von Bernd Göken, dem Cap-Anamur-Geschäftsführer. Seit 1997 betreibt Cap Anamur ein Hospital und mehrere Gesundheitsstationen in den Nuba-Bergen. - © Jürgen Escher
Visite im Krankenhaus in Lwere: Dr. Kathrin Baumgartner (3.v.r.) hat Projektbesuch von Bernd Göken, dem Cap-Anamur-Geschäftsführer. Seit 1997 betreibt Cap Anamur ein Hospital und mehrere Gesundheitsstationen in den Nuba-Bergen. | © Jürgen Escher

Lwere/Herford Ein Hospital am Ende der Welt

Am Horn von Afrika: Herforder Cap-Anamur-Fotograf Jürgen Escher berichtet von den einzigen Krankenhäusern für die notleidende Bevölkerung in den Nuba-Bergen im Sudan

11.02.2019 | Stand 11.02.2019, 15:06 Uhr

Lwere/Herford. Dieses Hospital wird niemals Drehort für eine Klinik-Seifenoper. Es liegt weder am Meer, noch gibt es Palmen – aber es spendet Zuversicht. Das Krankenhaus der deutschen Hilfsorganisation Cap Anamur ist oft die einzige Hoffnung auf Heilung in der Weltabgeschiedenheit der Nuba-Berge an der Grenze zum Süd-Sudan. Mehr als 6.000 Patienten – sie kommen mit akuten Malariainfektionen, Verbrennungen oder Verletzungen von Bombensplittern oder zur Geburtshilfe – werden monatlich behandelt. Elektrische Energie für die Operationen und Untersuchungen liefern aus Spendenmitteln finanzierte moderne Photovoltaikanlagen, ein Traktor sorgt im unwegsamen Gelände für Nachschub von allem Lebensnotwendigen. Die Ärzte von Cap Anamur gehen dahin, wo sonst niemand hilft Die Bevölkerung (hier das Volk der Nuba) leidet seit Jahrzehnten unter dem andauernden zermürbenden Bürgerkrieg. Wer medizinische Hilfe braucht, ist meist mittellos und nimmt tagelange Fußmärsche durch die flirrende Hitze und über staubige Pfade auf sich, um sich vom komplett aus Spenden finanzierten deutschen Team behandeln zu lassen. Vor allem Frauen, Kinder und Alte kämpfen sich durch die Abgeschiedenheit der wunderschönen Nuba-Berge. Garant für die medizinische Versorgung ist Cap Anamur – Deutsche Not-Ärzte e.V. seit nunmehr 21 Jahren. Der Herforder Fotograf Jürgen Escher dokumentiert seit 34 Jahren die unverzichtbare Arbeit des Vereins. Nach einer Pause von zehn Jahren war er wieder in den Nuba-Bergen und musste erneut Leid, Qualen, Gewalt, gesellschaftlichen Stillstand und politische Zerrissenheit mit ansehen – aber auch ein Fünkchen Hoffnung kam ihm vors Objektiv. Abenteuerlich ist die Anreise. „Wer nicht zu einer anerkannten Hilfsorganisation gehört, hat keine Chance ins Land zu kommen", berichtet Escher. Mit dem Flieger geht es nach langem Warten in Nairobi nach Juba. Von dort weiter mit einer UN-Transportmaschine nach Yida in ein riesiges Flüchtlingslager. Hier steigt die Reisegruppe um in einen Geländewagen, um nach acht Stunden Tortur auf Rüttelpisten endlich in den Nuba-Bergen anzukommen. „Ich habe danach jeden Knochen im Leib gespürt", erinnert sich Escher. Es gibt kaum Wasserreserven und fast keine medizinische Versorgung Cap Anamur betreibt und finanziert im Sudan zwei Hospitäler und mehrere angeschlossene Gesundheitsstationen im jeweiligen Umkreis von 100 Kilometern. Und das bereits seit 21 Jahren – wohl die längste Mission einer Hilfsorganisation in einem Land. „Der Staat ist quasi nicht existent, ohne ausländische Hilfe wären die Menschen verloren", sagt der Fotograf. Seit Jahrzehnten ist das bitterarme Land Sudan Schauplatz in Zentralafrika kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der offiziellen Regierung und Rebellengruppen. Die vor acht Jahren vollzogene Abspaltung eines vom Norden unabhängigen Südsudans verschärfte die Kämpfe. Vor allem im grenznahen Bundesland Südkordofan, das durch fragwürdige Wahlergebnisse nicht dem neu gegründeten Staat im Süden zugerechnet wurde, sondern im Einflussgebiet Khartums verblieb.Wie so oft war es die Zivilbevölkerung, die unter den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen litt. Die Menschen müssen aus ihren Heimatdörfern fliehen und in den Höhlen der Nuba-Berge Schutz suchen. Dort jedoch ist die Versorgung mit Nahrung fast unmöglich, es gibt kaum Wasserreserven, und die medizinische Versorgung ist quasi nicht vorhanden. Das alles lässt das Leben in dieser grandiosen Landschaft schnell zum Überlebenskampf werden. Auch eine Flucht in den benachbarten Südsudan bringt keine Verbesserung im Bemühen, einfach nur die nackte Haut zu retten. Denn der Landstrich versinkt seit der Staatsgründung mehr und mehr im Bürgerkrieg – und im Chaos.

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