So oder ähnlich in Herford: Wie bei der Wissensnacht Ruhr im Dortmunder U 2014 soll es bei der Maker Faire OWL im und am Güterbahnhof am ersten Juni-Wochenende zugehen. Das sind keine Verrückten, die sich so präsentieren, betont Annette Klinkert. ⋌Foto: Rupert Oberhäuser - © Rupert Oberhäuser
So oder ähnlich in Herford: Wie bei der Wissensnacht Ruhr im Dortmunder U 2014 soll es bei der Maker Faire OWL im und am Güterbahnhof am ersten Juni-Wochenende zugehen. Das sind keine Verrückten, die sich so präsentieren, betont Annette Klinkert. ⋌Foto: Rupert Oberhäuser | © Rupert Oberhäuser

Herford Ideen an der Schittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit

Maker Faire OWL: Hinter der Ideen- und Erfindermesse steht das Herforder Büro city2science. Geschäftsführerin Annette Klinkert bringt bereits an vielen Orten auf der Welt Wissenschaft und Gesellschaft zusammen

Herford. An der Schnittstelle von Hochschule und Öffentlichkeit, von Wissenschaft und Städten/Regionen arbeitet das Herforder Büro city2sience. Annette Klinkert hat es Mitte 2012 in Bielefeld gegründet. Nach vier Jahren war sie damit auch international so bekannt und gefragt, dass sie die Universitätsstadt als Adresse nicht mehr brauchte und mit dem Büro an ihren Wohnort nach Herford umzog. Am Wochenende des 1. und 2. Juni wird das Unternehmen die erste „Maker Faire OWL" im Herforder Güterbahnhof ausrichten. Die Veranstaltung bringt Bastler, Tüftler, Erfinder, Querdenker und andere kreative Köpfe jeden Alters aus der Region und ganz Deutschland zusammen. Das Ideen- und Erfinderfestival ist eine originelle Mischung aus Wirtschaftsmesse, Wissenschaftsfestival und Do-It-Yourself-Treffpunkt. Faire steht für Messe, Jahrmarkt, Ausstellung, aber auch für ein Fest, dem ein besonderer Zauber inne wohnt. Maker sind die Selbermacher aus Wissenschaft und Forschung, aus Garagen und Kellern. Retro-futuristische Steam-Punks, die, die wie aus einem der Romane von Jules Verne entsprungen scheinen, werden dabei zudem für Unterhaltung sorgen. „Das sind keine Nerds", sagt Annette Klinkert, sondern Menschen, die „der Digitalisierung und dem Fortschritt etwas Menschliches, Spielerisches geben wollen. Sie fragten sich, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn neue Techniken mehr an altes Design und Ästhetik angebunden würden." Maker Faires gibt es noch gar nicht so lange: seit 2006 in den USA, seit 2003 in Deutschland, auf deutschem Boden weniger als zehn große Veranstaltungen dieser Art. Eine dieser großen Events soll nun im Güterbahnhof stattfinden – mit bis zu 100 Ausstellern und 3.000 Besuchern. Die Maker Faire im Güterbahnhof ist eine der ersten großen in Deutschland Die Lizenz für das Internationale Format hat Klinkert auch deshalb bekommen, weil sie sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit ihrer Arbeit im Bereich Strategie und Event an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit gemacht hat.Dreimal haben die 51-Jährige und ihr Team bereits die „Maker Faire Ruhr" in Dortmund mit zuletzt 6.500 Gästen organisiert. Das stetig wachsende Besucherinteresse ist auch der Tatsache geschuldet, dass immer wieder kommt, wer einmal dort war. Denn das Staunen über und experimentieren mit schrägen Ideen aus der Informationstechnologie, dem Design, der High-Tech, Kunst und Handwerk ist ein großer Spaß. Und „da kommen Leute zusammen, die sich sonst nie begegnen." Klinkert hat fast zwölfjährige Erfahrung bei der Bielefeld Marketing GmbH. Dort baute sie unter anderem die FameLab Talking Science mit auf, einen internationaler Wettbewerb zur Wissenschaftskommunikation für Studierende und junge Wissenschaftler. Dort entdeckte sie auch, dass sie das Thema spannend für eine eigene Selbstständigkeit fand. Es ist spannend, die Akteure in den Ländern zu treffen Seit September 2016 ist die gebürtige Münsteranerin zudem Direktorin der European Science Engagement Association (EUSEA) mit Sitz in Wien. EUSEA ist ein internationales Netzwerk mit mehr als 110 Institutionen aus Europa, Israel, Ägypten, Georgien und Russland. Mit seinen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Kommunen, Stiftungen, Bildungsträger und Museen ist es gefragter Partner bei EU-Projekten und Impulsgeber für die Weiterentwicklung der EU-Programme „Science with and for Society" (Wissenschaft mit und für die Gesellschaft), etwa wenn es um Förderungen geht. Seit September 2015 ist Klinkert, deren drei Kinder inzwischen erwachsen sind, Projektkoordinatorin des Horizon-2020-EU-Projekts NUCLEUS an der Hochschule Rhein-Waal. Das Vier-Millionen-Euro-Projekt entwickelt mit 24 Partnern in 16 Ländern, darunter in China und Südafrika, Umsetzungsstrategien zur Vernetzung von Wissenschaft und Gesellschaft im Sinne verantwortungsvoller Forschung und Lehre. Klinkert ist deshalb viel unterwegs, nicht nur in Europa. „Sicher, das ist anstrengend", sagt sie. Aber es sei vor allem spannend, die Akteure in den Ländern zu treffen, mit denen auch Freundschaften entstanden seien. Die chinesischen Partner seien beispielsweise viel offener, als das gemeinhin vermutet werde und hätten ein großes Interesse an dem Wissenstransfer in die Gesellschaft hinein. Die Europäischen Schülerparlamente und die Gespräche zum Bildungscampus organisiert Die Menschen im Kreis Herford kennen Klinkerts Büro vor allem von den Europäischen Schülerparlamenten in Herford, die sie schon drei Mal organisiert hat, außerdem vom Zielfindungsprozess mit den Bürgern zum Bildungscampus: Die Workshops und Fachgespräche ab April 2015 wurden von ihr koordiniert. Aktuell engagiert sich ihr Büro, das seinen Sitz Unter den Linden 31 und eine Handvoll Mitarbeiter hat, unter anderem auch im EFRE-Förderprojekt „Make OWL". Das vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung geförderte Vorhaben soll eine „Maker"-Kultur in der Region anstoßen und aufbauen helfen. Dabei sollen Wirtschaft und Wissenschaft, MINT-Initiativen und Bildungsträger, Kreativwirtschaft und Zivilgesellschaft nachhaltig besser miteinander arbeiten lernen. Bei der Maker Faire OWL, die bei Erfolg jährlich wiederholt werden soll und deren Schirmherr Andreas Pinkwart, der NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, ist, arbeite sie gut mit der Wirtschaftsförderung der Stadt und der Pro Herford zusammen, sagt Klinkert. Das Museum Marta und die Musikschule wollten sich mit Projekten beteiligen. Weitere Interessenten, als Partner und als Akteure bei der „Maker Faire OWL" dürften sie gerne ansprechen. www.city2science.de

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