Betörend: Der Meerjungfrauen-Tanz bezaubert das Publikum, kann aber Kapitän Morgan und Crew nur kurz aufhalten. - © Ralf Bittner
Betörend: Der Meerjungfrauen-Tanz bezaubert das Publikum, kann aber Kapitän Morgan und Crew nur kurz aufhalten. | © Ralf Bittner

Herford Abi-Varieté am Friedrichs-Gymnasium

Am Ende der turbulenten Schatzsuche unter dem Motto "Abi heute, Captain Morgan: Die Crew geht von Bord" stehen nachdenkliche Worte

Ralf Bittner
11.02.2019 | Stand 10.02.2019, 19:02 Uhr |

Herford. Auf die Jagd nach einem ungeheuren Schatz, der unendliche Möglichkeiten eröffnen soll, machen sich Kapitän Morgan (Mike Lex Pasveer) und seine Crew. "Der Schatz steht natürlich für das Abitur...", sagt der Moderator, der aber von den Piraten kurzerhand von der Bühne geräumt wird, bevor er noch mehr von der Handlung verraten kann. So beginnt der Varieté-Abend der Q2 des Friedrichs-Gymnasiums (FGH) "Abi heute, Captain Morgan: Die Crew geht von Bord" in der an zwei Abenden bis zur Kapazitätsgrenze ausverkauften Schulaula. Ganz geheim bleibt die Schatzsuche nicht, und so wird das Quartett, zu dem außer dem Kapitän Pirat Alp Can Basuslu,, Piratin Kim Dobieszewski und Matrosin Marie Meißner gehören, von Anfang an von Teams der beiden anderen Gymnasien verfolgt. Auf ihrer Reise begegnen der Gruppe immer wieder Menschen, die verblüffend einigen Lehrern ähneln, seien es nun Piraten-Ausstatter Krahn (Philipp Spät) mit breiten russisch-rollendem R, der so gut wie nie erreichbare Herr Baranowski (Gabrijel Blegojevoc), die immer hilfsbereite Frau Brockmeier Senior (Eileen Schellert) mit ihren unendlich tiefen Taschen, der immer orientierungslose Herr Jahns (David Spremberg) oder Frau HDC mit güldenem Haarreif - unschwer als Schulleiterin Gudrun Horst de Cueastas (Fidan Isgandarli) zu erkennen. Die Lehrerparodien gehören zu einem Varieté wie der Dreispitz auf den Kopf eines Piratenkapitäns, aber natürlich auch große Shownummern wie der betörende Tanz der Meerjungfrauen, Boys-Dance und Solodarbietungen wie die von Tabea Dirnberger herzzerreißend vorgetragene Ballade "Rise up", am Klavier gefühlvoll begleitet von Paulina Kohde. Eine Cheerleader-Gruppe sorgt außerdem für Stimmung. Der Abi-Jahrgang des FGH präsentiert seinen Varieté-Abend als letztes der drei städtischen Gymnasien. Königin Mathilde Gymnasium (KMG) und Ravensberger Gymnasium (RGH) hatten im Januar vorgelegt, Zeit genug also, Elemente aus deren Varieté-Abenden persiflierend ins eigene Programm zu integrieren. Der Verfolgertrio vom KMG, gespielt von Justus Kirchner, Fabiana Fiorentino und Sophie Hansmeier glänzt vor allem durch teure Nobelklamotten, Arroganz und eine gewisse Unfähigkeit in sozialer Interaktion. Deutlich mehr eingefallen war den FGHlern zum Team des benachbarten RGH. Wie sich das gehört, wird das Trio von Marlon Leichert, Eileen Schellert und Lis Tara Meyrahn als nicht besonders helle und mit einem Hang zum Nachahmen dargestellt. Ein Showtanz nimmt einen Tanz aus dem Programm des RGH-Varietés auf den Arm. Bei der kruden Mischung aus Tanz ums Feuerholz und dem Bewegungslied "Head, Shoulders, Knees and Toes" wird sogar aus dem Pfeifen der im Saal anwesenden RGHler aufrichtiges Lachen. Überhaupt erweisen die sich in ihrem Schiff aus Schwimmreifen "Hakuna Matabi", eine Anspielung auf's RGH-Abimotto, als deutlich härtere Konkurrenz bei der Schatzsuche als das Team KMG. Beim Varieté-Abend, dessen Vorbereitung Vanessa Tadic und Maureen Luisa Türke koordiniert hatten, waren alle 89 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs beteiligt. Bevor die Stufe sich im Knicklichterschein in die Arme fällt, nehmen die Piraten den Schatz aus den Händen von HDC im Empfang. Doch statt ausgelassenem Jubel findet der Kapitän eher nachdenkliche Worte: "Ich hoffe, auch wenn jetzt jeder von uns auf seine eigene Reise geht, dass wir uns trotzdem nicht aus den Augen verlieren, denn im Herzen bleiben wir immer eine Crew." Zu wünschen ist es ihnen - und der Applaus hilft über die sich abzeichnende Trennung hinweg.

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